Kommentar

Ukraine und die Wahl: kein Urnengang im Schützengraben

Würde jede Wahl zurzeit haushoch gewinnen: der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj.

Berlin. Soll die Ukraine 2024 wählen? Aus den USA kommen Forderungen, trotz des geltenden Kriegsrechts Präsidentschafts- und Parlamentswahlen abzuhalten. Bundeskanzler Olaf Scholz misst regulären Wahlen „hohe Bedeutung bei“, wie er mitteilen ließ.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Rechtlich ist die Sache eindeutig: Kriegszeiten sind keine Wahlzeiten. Das Kriegsrecht in der Ukraine verbietet Wahlen ebenso wie Versammlungen. Auch das deutsche Grundgesetz schließt für den hoffentlich nie eintretenden Verteidigungsfall reguläre Wahlen aus. Und Großbritannien, die älteste Demokratie der Welt, ließ im Zweiten Weltkrieg die regulären Wahlen ausfallen – und wählte Premier und Kriegsheld Winston Churchill direkt nach dem Sieg über Nazi-Deutschland erst einmal ab.

Die Ukraine verteidigt nicht nur ihr Land, sondern auch die Idee der Demokratie gegen den autokratischen Aggressor Putin. Das verpflichtet Präsident Wolodymyr Selenskyj, auch im Krieg transparent zu agieren, härter gegen Korruption im Staat vorzugehen. Und es sollte ihn auch verpflichten, die Fragen nach einer möglichen ukrainischen Beteiligung beim Anschlag auf die Nord-Stream-Pipelines ausreichend zu beantworten.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Die Wahl böte Putin neue Terrorziele

Es verpflichtet ihn nicht, dem Drängen aus den USA und Deutschland nach der Einhaltung der regulären Wahltermine nachzugeben. Der Krieg wird sich höchstwahrscheinlich noch viele Monate hinziehen. Die gesamte Ukraine wird von russischen Raketen bedroht.

Jedes Wahllokal, jede Wahlversammlung wäre ein potenzielles Ziel von Putins Terrorangriffen. Die Soldatinnen und Soldaten an der Front müssen die Möglichkeit zur Stimmabgabe haben. Die Idee einer Briefwahl im Schützengraben ist ebenso tödlich wie naiv. Eine Wahl für die sieben Millionen Geflüchteten im Ausland zu organisieren, wäre mit Unterstützung der Aufnahmeländer hingegen generell möglich.

Ansicht wechseln

In dieser Ansicht können leider nicht alle Inhalte korrekt dargestellt werden.

Zur vollständigen Ansicht

Selenskyj und die ihn tragenden politischen Kräfte würden zurzeit jede Wahl haushoch gewinnen. Wie Churchill während des Zweiten Weltkriegs vermutlich auch. Den Urnengang zu verschieben, hieße in die Stärke der Demokratie zu vertrauen.


RGA Inhalte als bevorzugte Quelle markieren — dann erscheinen unsere Artikel häufiger in Ihren Google-Schlagzeilen.Inhalte in den Google-Schlagzeilen bevorzugen?
Bevorzugen