Vorsitzende der Aktion Sühnezeichen nennt Aiwangers Vorgehen „verheerend für politische Kultur“
Berlin. Die Vorsitzende der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste, Ilse Junkermann, hat scharf kritisiert, dass Bayerns stellvertretender Ministerpräsident Hubert Aiwanger (Freie Wähler) trotz Flugblattaffäre weiter amtiert. „Es ist verheerend für unsere politische Kultur, dass ein Minister im Amt bleibt, der sich nicht klar und glaubwürdig von seiner rassistischen und geschichtsrevisionistischen Vergangenheit abgrenzt, sondern offensichtlich nur rein taktisch vorgeht“, sagte sie dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Auch daran zeigt sich, dass es sich mitnichten um eine Jugendsünde handelt.“
Es sei sogar noch schlimmer, fügte Junkermann hinzu. Aiwanger geriere sich als Opfer. „Dabei wurden in dem Pamphlet doch die Ermordeten in Dachau und Auschwitz verhöhnt. Ihnen gebührt unsere Empathie und Solidarität.“ Die Entscheidung des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU), Aiwanger nicht zu entlassen, folge allein „populistischer Stimmungsmache“ und „Machterwägungen“. „Doch diese Frage darf nicht im Bierzelt entschieden werden.“
Vorsitzende: „Müssen uns auf allen Ebenen rechten Tendenzen entgegenstellen“
Die Vorsitzende der Aktion Sühnezeichen mahnte: „Wir müssen uns auf allen Ebenen rechten Tendenzen aus der Mitte unserer Gesellschaft entgegenstellen. Ein medial inszenierter Gedenkstättenbesuch oder routinierte Gedenktagsreden helfen dabei wenig.“ Gefragt sei wirkliche persönliche Auseinandersetzung wie zum Beispiel in den Freiwilligendiensten der Aktion Sühnezeichen. „Wer ein Jahr lang als junger Mensch Überlebende oder Menschen mit Behinderungen begleitet, ihren Alltag und ihre Perspektiven teilt, wird seine Erfahrungen sein Leben lang gegen diese Tendenzen setzen und den Diskurs in seinem Umfeld mitprägen.“
Die Aktion Sühnezeichen Friedensdienste wurde 1958 gegründet und bezeichnet „die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und seinen Verbrechen“ als „Motiv und Verpflichtung für konkretes Handeln in der Gegenwart“. Sie organisiert Freiwilligendienste und Begegnungsprogramme in Europa, Israel und den USA. Dabei begleiten die Freiwilligen Holocaustüberlebende und ehemalige Zwangsarbeiter, unterstützen Menschen mit Behinderungen sowie sozial Benachteiligte und engagieren sich in Gedenkstätten und Organisationen gegen Antisemitismus, Rassismus und Rechtsextremismus.
In dieser Ansicht können leider nicht alle Inhalte korrekt dargestellt werden.
Zur vollständigen AnsichtIn Aiwangers Schulranzen wurde ein antisemitisches Flugblatt gefunden, als er 17 war. Obwohl Mitschüler und Lehrer sagen, dies habe seiner damaligen Gesinnung entsprochen, behauptet Aiwanger, es nicht verfasst zu haben. Stattdessen erklärte sein Bruder, er sei es gewesen.