„Bromance“ Trump & Infantino

Das System Infantino: Wie der Fifa-Präsident seine Macht über politische Kontakte absichern will

Oktober 2025: US-Präsident Donald Trump and FIFA-Präsident Gianni Infantino beim Friedensgipfel in Scharm El-Scheich.

Freunde sind Gianni Infantino wichtig. Vor allem, wenn es sich um mächtige Staatsmänner handelt. Kurz nach seiner Wahl zum Chef des Weltfußballverbands Fifa, zehn Jahre ist das her, da hatte der heute 55-jährige Schweizer schon einmal einen sehr mächtigen Freund. Beim siebten Zusammentreffen binnen drei Jahren überreichte dieser ihm dann 2019 den „Orden der Freundschaft“.

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„Johnny“, the „boss of soccer“

Gesehen hat man Infantino mit diesem fünfeckigen goldenen Stern am grünen Band seitdem nicht. Vielleicht ist er ihm heute sogar ein wenig peinlich, denn Wladimir Putin, jener Freund von damals, der ihm den Orden verlieh, ist heute als Kriegsverbrecher gebrandmarkt und international weitgehend geächtet. Doch Infantino hat inzwischen neue, sogar noch mächtigere Freunde.

Donald Trump zum Beispiel. Der US-Präsident hatte seinen Freund Gianni, den er bei ihrer ersten Begegnung am 29. August 2018 im Weißen Haus noch konsequent „Johnny“ und „boss of soccer“ nannte, sogar jüngst am 13. Oktober 2025 zum großen Nahost-Friedensgipfel von Scharm El-Scheich eingeladen. Da stand der Fifa-Chef nun beim großen, finalen Gruppenschnappschuss in einer Reihe mit dem britischen Premierminister Keir Starmer, dem Bundeskanzler Friedrich Merz, UN-Generalsekretär António Guterres und all den anderen Staats- und Regierungschefs, tat das, was er am besten kann: geschmeidig lächeln.

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Der „seltsamste Gast“ des Gipfels

Und nicht nur die ägyptische Zeitung „Al-Masri al-Jum“ fragte verwundert, was tat er da, der „seltsamste Gast“ des Gipfels? „Infantino zieht es auf die politische Bühne, seit er 2016 in dieses Amt gekommen ist“, erklärt der ARD-Sportjournalist Robert Kempe im Gespräch mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

„Er hat die Nähe zu Russland gesucht, hat den ihm verliehenen Freundschaftsorden bis heute nicht zurückgegeben. Er suchte die Nähe zu Katar, zum saudischen Kronprinz Mohammed bin Salman, traf 2018 erstmals Trump“, so der Sportjournalist, der sich seit Jahren sehr kritisch die Strukturen der großen Sportverbände durchleuchtet und FIFA-Kongresse besuchte.

Beim Abschlussfoto des Nahost-Gipfels von Scharm el Scheich am 13. Oktober 2025 durfte der Fifa-Boss Infantino ganz rechts außen neben den Staats- und Regierungschefs stehen.

Infantino mag es offenbar, sich mit dieser Art Staatenlenker zu umgeben – auch mit Machtpolitikern, die aus ihren autokratischen Ambitionen kein Geheimnis machen. Im Umgang mit dem US-Präsidenten zieht der dabei offensichtlich alle Register der Unterwürfigkeit: Infantino schmeichelt ihm, lacht am lautesten über dessen Späße, verbessert oder widerspricht nie Trumps mitunter wirren Ausführungen.

Trump wiederum revanchierte sich, bezeichnete den Fifa-Chef gar als „King of Soccer“. Diese „Bromance“ zwischen dem „Fußballmonarchen“ und dem US-Präsidenten, der jüngst selbst landesweit auf „No King“-Demonstrationen massiv kritisiert wurde – sie zahlt sich im Vorfeld der Fußball-WM 2026 in Nordamerika vor allem für den ehrgeizigen Fifa-Boss aus.

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Denn der Schweizer hat neben all seinen Projekten auch stets das Jahr 2027 im Blick: Da steht seiner Wiederwahl an. Bis dahin muss er Erfolge vorweisen. Am Ende geht es vor allem um Geld. Könnte ihm die allzu große, kritiklose Nähe zu Trumps „MAGA-Ideologie“ am Ende gar auf die Füße fallen?

Denn dafür schien Infantino sogar bereit zu sein, sich den Ärger der Verbandsmitglieder zuzuziehen. So ließ er auf dem letzten Fifa-Kongress im paraguayischen Asunción alle nationalen Fußballverbände der Welt Stunden warten. Per Mail machte er dafür „unvorhergesehene Umstände“ verantwortlich, um dann später zu erklären, er sei mit Trump in die Emirate, nach Katar und Saudi-Arabien gereist. Das sorgte für Unmut und Protest, Uefa-Chef Aleksander Čeferin reiste sogar vorzeitig ab.

Bis heute gab es kein Dementi vom FIFA-Boss, kein Statement der Art ‚Sorry, aber dass ist allein unsere Entscheidung…‘

Robert Kempe,

ARD-Experte

Trump indes spielt die Nähe zum FIFA-Boss innenpolitisch aus: Jüngst drohte Trump, demokratisch regierten US-Städten vor der kommenden WM Spiele zu entziehen, in dem er einfach mal bei Gianni Infantino anrufe. „Dafür gab es bis heute kein Dementi vom Fifa-Boss, kein Statement der Art ‚Sorry, aber das ist allein unsere Entscheidung …‘“ , kritisiert Kempe. Der Vorwurf: Infantino lässt die Fifa unwidersprochen in den innenpolitischen Kulturkampf der Maga-Bewegung hineinziehen.

Ähnliche Vorstellungen von Machtausübung

Was ihre Vorstellungen von Herrschaftsausübung betrifft, so scheinen der Milliardär Trump und Infantino, der gern seine Herkunft als aufgestiegener Migrantenspross betont, Brüder im Geiste zu sein: „Die Art, wie Trump sein Land führt – erratisch und nonkonformistisch, ein allmächtiger Präsident, der dann nach unten durchregiert – entspricht in etwa auch der Kultur in Sportverbänden wie der Fifa“, so Kempe.

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Auch der Weltfußballverband funktioniert klar hierarchisch, „da gibt es keine Debatten einzelner Mitglieder, keine lästigen demokratischen Kontrollmechanismen“, erklärt der Experte. Um Fußball gehe es dabei schon lange nicht mehr.

Ähnlich sind sich Trump und Infantino auch, was ihre Vorstellung von Transparenz betrifft: „Der Fifa-Boss gibt seit Jahren keine Interviews mehr, redet nicht mehr mit der Presse. Auch das erinnert an das Amerika unter Trump, wo nur noch ausgesuchte Journalisten in die Nähe der Macht gelassen werden“, so Kempe.

Fifa-Präsident Gianni Infantino überreichte dem US-Präsidenten Donald Trump am 52. August 2025 den WM-Pokal.

In der Golf-Region, den finanzstarken Monarchien VAE, Katar und Katar, die der Islamexperte Udo Steinbach gegenüber dem RND das neue „Kraftfeld“ nannte, in dem „künftig machtpolitisch die Musik spielt“, fanden Trump wie auch Infantino verlässliche Partner. Ziel der ersten Auslandsreise in Trumps vormaliger Amtszeit war 2017 Saudi-Arabien; ihm gelang es bereits damals, die Golfstaaten für die späteren Friedensabkommen mit Israel zu gewinnen.

Infantino wiederum fand in den Golfstaaten finanzkräftige Partner, die mit viel Geld seine ehrgeizigen Neuerungen umzusetzen halfen: die äußerst umstrittene Fifa-Klub-Weltmeisterschaft im vergangenen Sommer in den USA, aber auch die von 32 auf 48 Mannschaften aufgeblähte Weltmeisterschaft im kommenden Jahr in den USA, Mexiko und Kanada.

Projekte, an denen sich viele Kritiker reiben, auch in Deutschland: „Das macht keinen Spaß mehr. Und nächstes Jahr ist schon wieder die nächste Weltmeisterschaft. Wer soll das alles noch gucken?“, so Carsten Ramelow zum RND, Ex-Nationalspieler und heute Präsident der deutschen Spielergewerkschaft VDV. Von „Unterhaltung und Zirkus“ sprach Theo Zwanziger, früherer Präsident des Deutschen Fußball-Bundes mit Blick auf die Klub-WM im Podcast „Calcio d’Oro“.

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Der Fußball wird alles zur Verfügung stellen, damit der Friedensprozess zu einem bestmöglichen Ergebnis führt.

Gianni Infantino,

Präsident des Weltfußballverbands

„Die Fifa ist hier, um zu helfen und Hoffnung zu geben“, begründete Infantino seine Teilnahme jüngst am Nahost-Friedensgipfel von Scharm El-Scheich. „Der Fußball wird alles zur Verfügung stellen, damit der Friedensprozess zu einem bestmöglichen Ergebnis führt.“ In Wahrheit wolle sich der FIFA-Chef „als Person auf Augenhöhe mit den Mächtigen der Welt“ in Szene setzen, glaubt indes der ARD-Experte Kempe.

Infantino profiliert sich gern als selbst ernannter „Brückenbauer und Friedensstifter“, verpasst dem Weltfußballverband aber ein immer prägnanteres politisches Profil, auch wenn er das abstreiten würde.

Die Fifa im Trump-Tower

Nach seinem Putin-Flirt, über den in der Fifa heute niemand mehr gern spricht, glaubt er ausgerechnet im erratischen US-Präsidenten einen starken Partner und Fußballförderer gefunden zu haben. Schloss sich der Schweizer deshalb auch eiligst der Forderung an, den Friedensnobelpreis an Trump zu verleihen? Als die Fifa in New York ein Büro bezog, da fand sie es natürlich wo? In Midtown Manhattan an der Fifth Avenue im Trump-Tower...

Infantinos Absichten sind klar. Doch was bewegt den US-Präsidenten, sich auf den Schweizer und seinen Fußballweltverband einzulassen, von denen er bis vor acht Jahren weder Namen noch Bedeutung kannte? Zumal der US-Präsident aus seiner Verachtung für internationale Organisationen wie UN, EU oder Nato ja nie ein Geheimnis machte.

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„Ich glaube, dass Infantino unendlich mehr von Trump profitiert, als umgekehrt“, ist Kempe überzeugt. „Trump braucht Infantino nicht wirklich, freut sich aber, dass ihm der Fifa-Boss eine Bühne bereitet“, fügte er hinzu.

Gut möglich also, dass Trump nach dem Abpfiff des Endspiels der nächsten WM am 19. Juli 2026 in New York sein Interesse am „King of Soccer“ schnell wieder verliert.

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