Angreifer bisher nicht bekannt

Mindestens zwölf Menschen sterben in UN-Einrichtung im Gazastreifen

Eine Rauchwolke über Chan Junis im südlichen Teil des Gaza-Streifens.

Tel Aviv/Gaza/Washington. Während die Verhandlungen über eine mögliche Waffenruhe im Gazastreifen nur langsam vorangehen, fallen den andauernden Kämpfe immer weitere Menschen zum Opfer. Bei einem Brand in einer Einrichtung des UN-Palästinenserhilfswerks UNRWA kamen nach Angaben der Vereinten Nationen mindestens zwölf Menschen ums Leben, 75 Menschen wurden verletzt.

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Wie der Gaza-Direktor von UNRWA Thomas White am Donnerstag mitteilte, sei das Gebäude in der Stadt Chan Junis am Vortag von zwei Panzergeschossen getroffen worden. Anschließend sei in dem Zentrum, in dem Tausende von Binnenflüchtlingen Schutz gesucht hätten, ein Brand ausgebrochen. Nach Angaben einer Sprecherin handelt es sich um ein Berufsausbildungszentrum der Vereinten Nationen für junge Palästinenser.

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White schrieb nicht, wer die Einrichtung angegriffen hatte. Augenzeugen sagten der Deutschen Presse-Agentur, der Brand sei durch israelische Bombardierungen verursacht worden. Israels Armee teilte dagegen mit, sie schließe derzeit aus, dass der Vorfall auf einen israelischen Luft- oder Artillerieangriff zurückzuführen sei. Eine Untersuchung laufe. Die Armee prüft demnach auch, ob es sich um einen Beschuss der islamistischen Hamas handeln könnte.

Krankenhäuser Nasser und Al-Amal umstellt

Thomas White sprach von inakzeptablen Angriffen auf zivile Einrichtungen in Chan Junis und forderte, diese müssten enden. Wegen heftiger Kämpfe in der Nähe von Krankenhäusern und Schutzeinrichtungen steckten die Menschen dort fest, und lebensrettende Einsätze würden behindert. Die Krankenhäuser Nasser und Al-Amal seien umstellt, medizinisches Personal und Patienten seien in höchster Angst.

Kolonialismus, Apartheid, Genozid: Israel und der Krieg der Wörter

In der Debatte um den Nahostkonflikt greifen vor allem die Kritiker an der Politik Israels zu Begriffen aus Geschichte und Völkerrecht – oft liegen sie damit daneben. Aber in einigen Punkten ist die Lage auch komplizierter.

Die israelische Armee teilte am Donnerstag mit, Soldaten hätten im Gebiet von Chan Junis militärische Einrichtungen angegriffen und extremistische Kämpfer getötet. Im Gebiet von Al-Amal hätten Scharfschützen „Terroristen ausgeschaltet und ihre Infrastruktur und Waffen in dem Bereich demontiert“. Israel wirft der Hamas immer wieder vor, Krankenhäuser für militärische Zwecke zu nutzen. Die Hamas dementiert dies. Freigelassene Geiseln hatten auch berichtet, sie seien in Räumen in Krankenhäusern festgehalten worden.

Angreifer bisher unklar

Die US-Regierung äußerte sich in einer Mitteilung „sehr besorgt“ über den Beschuss. „Wir kennen zwar noch nicht alle Einzelheiten des Geschehens und werden weiterhin nach weiteren Informationen über die heutigen Vorfälle suchen, aber der Verlust jedes unschuldigen Lebens ist eine Tragödie“, sagte die Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrats, Adrienne Watson.

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Mehrere Medien berichteten zuletzt über Hoffnungen auf einen weiteren Deal zur Freilassung von Geiseln im Gegenzug für palästinensische Häftlinge und eine längere Feuerpause. Ein israelischer Repräsentant sagte laut der Nachrichtenseite „ynet“ jedoch, die Kluft zwischen den Verhandlungspositionen Israels und der islamistischen Hamas sei noch sehr groß. „Man darf niemandem Illusionen machen, es wird noch sehr lange dauern“, sagte er. Die Hamas habe am Mittwoch ein Angebot Israels für einen neuen Geiseldeal abgelehnt, berichtete der israelische Sender Kan.

Israelische Frauen fordern Freilassung der Geiseln

Während einer einwöchigen Waffenruhe Ende November hatte die Hamas 105 Geiseln freigelassen. Im Gegenzug entließ Israel 240 palästinensische Häftlinge aus Gefängnissen.

Israelische Frauen demonstrieren für die sofortige Freilassung der Geiseln.
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Tausende Frauen forderten am Mittwoch bei Demonstrationen in Israel eine rasche Vereinbarung zur Freilassung der Geiseln. Die Veranstalterinnen hatten einen landesweiten „Tag des Zorns“ ausgerufen. Die Demonstrantinnen blockierten in Tel Aviv, Haifa, Jerusalem und anderen Städten Straßen und Kreuzungen. „Genug mit dem Blutvergießen, wir wollen einen Deal auf dem Tisch“, stand auf einem Schild der Demonstrantinnen.

Huthi-Miliz greift erneut Containerschiff an

Derweil hat die jemenitische Huthi-Miliz hat nach Angaben des US-Militärs erneut ein Containerschiff im Nahen Osten angegriffen. Die Miliz habe am Mittwoch aus von den Huthi kontrollierten Gebieten im Jemen drei Raketen auf einen unter US-Flagge fahrenden Frachter abgeschossen, der den Golf von Aden durchquert habe, teilte das zuständige Regionalkommando des US-Militärs mit. Eine der Raketen sei ins Meer gestürzt, die anderen beiden seien von einem Zerstörer der US-Marine abgeschossen worden. Es seien keine Verletzten oder Schäden an dem Schiff gemeldet worden.

Huthi-Kämpfer nehmen an einer Kundgebung zur Unterstützung der Palästinenser im Gazastreifen und gegen die US-Angriffe auf den Jemen außerhalb von Sanaa teil.

Seit Beginn des Gaza-Krieges zwischen Israel und der Hamas greifen die jemenitischen Huthi – aus Solidarität mit der Hamas – immer wieder Frachter mit angeblicher Verbindung zu Israel im Roten Meer an. Als Reaktion darauf führten die USA und Großbritannien mit der Unterstützung Verbündeter Militärschläge gegen die vom Iran unterstützte Miliz im Jemen.

Briten und US-Amerikaner sollen Jemen verlassen

Die Huthi forderten britische und US-amerikanische Mitarbeiter der Vereinten Nationen und anderer Hilfsorganisationen zur Ausreise aus von ihnen kontrollierten Gebieten im Jemen auf. Aus Kreisen der proiranischen Miliz erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Mittwoch, dass die Aufforderung als Reaktion auf die wiederholten Angriffe der USA, Großbritanniens und weiterer Verbündeter auf Huthi-Ziele im Land erfolgt sei.

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Vusimuzi Madonsela (vorne rechts), Botschafter der Republik Südafrika in den Niederlanden, und Ronald Lamola, Minister für Justiz und Strafvollzug von Südafrika, sitzen während der Eröffnung der Anhörung vor dem Internationalen Gerichtshof in der ersten Reihe.

Die Betroffenen sollten die von den Huthi kontrollierte Hauptstadt Sanaa innerhalb eines Monats verlassen. „Die Briten und die Amerikaner werden sicher abreisen“, hieß es. Staatsangehörige, deren Länder nicht an den Angriffen beteiligt seien, dürften im Land bleiben.

UN-Gericht: Entscheidung über Waffenstillstand

Der Internationale Gerichtshof wird am Freitag seine Entscheidung über einen Eilantrag Südafrikas verkünden, im Gaza-Krieg einen sofortigen Waffenstillstand anzuordnen. Das höchste Gericht der Vereinten Nationen in Den Haag gab den Termin am Mittwoch bekannt. Südafrika hatte vor zwei Wochen eine Klage wegen Völkermords gegen Israel eingereicht und in dem Eilverfahren als vorläufige Maßnahme einen sofortigen Rechtsschutz für die Palästinenser gefordert.

Das Gericht entscheidet noch nicht in der Hauptsache, dem Völkermord-Vorwurf, sondern zunächst nur über den Eilantrag zu einem Ende der militärischen Handlungen. Den Vorwurf Südafrikas, systematisch völkermörderische Handlungen gegen die Palästinenser begangen zu haben, hat Israel entschieden zurückgewiesen. Das Verfahren zu dem Hauptvorwurf kann Jahre dauern. Eine Entscheidung des Gerichts ist zwar bindend, doch haben die UN-Richter selbst keine Machtmittel, diese auch durchzusetzen. Ein negativer Beschluss könnte Israel schaden und den internationalen Druck auf die Regierung des Landes weiter erhöhen.

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RND/dpa

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