Die tiefen Wunden von Wisconsin: Wie Elon Musk scheiterte – und was die Folgen sind
Madison. Wisconsin könnte sich als Elon Musks vorerst letzte große Investition in einen Wahlkampf erweisen. Und sie war ein Flop. Der reichste Mann der Welt wollte mit viel Geld dazu beitragen, dass in dem US-Bundesstaat Anfang April ein konservativer Kandidat einen der Sitze am höchsten Gericht erobert - vergeblich. Mittlerweile scheint der Tesla-Chef von der Politik zunehmend genug zu haben. Der Rückzug von seinem umstrittenen Posten in der Regierung von Präsident Donald Trump gilt als ausgemacht. Am Dienstag kündigte Musk nun an, dass er künftig auch weniger Geld in politische Kampagnen stecken werde.
Demokraten im bei Wahlen umkämpften Wisconsin feierten Musks Ankündigung wie einen weiteren Sieg. „Das Volk hat gewonnen“, sagte der demokratische Parteichef in dem US-Bundesstaat, Ben Wikler. „Der größte Finanzierer in der republikanischen Politik nimmt seine Spielzeuge und geht nach Hause.“
Brandon Scholz, ein pensionierter langjähriger republikanischer Stratege in Wisconsin, ist sich sicher: Musks Image ist nach dem Wahldebakel dauerhaft beschädigt. Er hält es zwar für möglich, dass sich der Multimilliardär in künftigen Wahlkämpfen erneut engagieren könne, aber in weniger prominenter Rolle. In Wisconsin sei diese „riesig, riesig, riesig“ gewesen, so Scholz. „Er (Musk) wurde die Kampagne. Er wurde die Story.“
Musks Popularität litt unter seinen politischen Ambitionen
Tatsächlich trugen Musks Investitionen von mehreren Millionen Dollar dazu bei, dass das Richter-Rennen zum bislang kostspieligsten dieser Art in der US-Geschichte wurde. Und das nur fünf Monate, nachdem Musk mindestens 250 Millionen Dollar ausgegeben hatte, um Donald Trump zu helfen, die Präsidentenwahl 2024 zu gewinnen.
Mit und für Trump hielt er im Präsidentschaftswahlkampf damals Kundgebungen ab, der Sieg des konservativen Brad Schimel im Rennen um Wisconsins Supreme Court hätte eine Draufgabe sein sollen. Musk gab Schecks in Höhe von einer Million Dollar an Unterstützer aus, trat sogar am Wochenende vor der Wahl persönlich in Green Bay auf, mit einem Käsehut, wie ihn die Fans des Profi-Footballvereins Green Bay Packers tragen. Doch seine persönlichen Auftritte – und sein Geld – halfen nichts.
Und nicht nur das: Auch Musks eigene Popularität litt unter seinen politischen Ambitionen - nicht nur in Wisconsin, sondern vor allem auch wegen seiner Rolle in der Behörde für Regierungseffizienz Doge. Bei einer Umfrage der Nachrichtenagentur AP und des Meinungsforschungszentrums NORC Mitte April äußerten sich nur 33 Prozent der Erwachsenen positiv über den Tesla-Chef, während es im Dezember noch 41 Prozent gewesen waren. Für viele war Musk zur Verkörperung von Trumps Bemühungen geworden, den Washingtoner Behördenapparat zurechtzustutzen - man denke nur an seinen Auftritt mit einer Kettensäge. Mit Doge nahm Musk tiefe personelle und finanzielle Einschnitte in US-Behörden vor, ohne aber die gesetzten Ziele bei der Einsparung öffentlicher Ausgaben zu erreichen.
Musk gab in Wisconsin mindestens drei Millionen Dollar aus
Bei manchen hält sich Skepsis, inwieweit Musk sich wirklich zurückziehen wird. „Dies hier bedeutet nur, dass sie erkennen, wie toxisch Elon Musk und seine Arbeit ist, die er über Doge ausführte“, meint der demokratische Abgeordnete Marc Pocan, der aus Wisconsin stammt. Kelda Roys, die dem Senat in dem Bundesstaat angehört, weist zudem auf einen anderen Aspekt hin: Es gebe jede Menge anderer Milliardäre, die sicherlich gern bereit seien, Musks Platz einzunehmen, sagt sie.
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Zur vollständigen AnsichtMusk gab in Wisconsin selbst direkt mindestens drei Millionen Dollar aus, um Schimel zu fördern, und von ihm gestützte politische Organisationen Gruppen wie America Pac und Rebuilding America’s Future zusätzliche 19 Millionen Dollar. Über seine Wahlkampfbeiträge hinaus zahlte Musk drei einzelnen Wählern jeweils eine Million Dollar für das Unterzeichnen einer Petition - ein Versuch, Wähler zu mobilisieren. Zudem versprach er weitere Zahlungen an Einzelpersonen von je 20 oder auch 100 Dollar als Belohnung für bestimmte Wahlkampfaktivitäten zu Gunsten von Schimel.
Er lud den Kandidaten auch zu seinem Podcast ein und warb in Social-Media-Beiträgen für ihn. „Eine scheinbar kleine Wahl könnte das Schicksal der westlichen Zivilisation entscheiden“, schrieb Musk beispielsweise am Wahltag, dem 1. April.
„Das Volk gegen Musk“
Den Demokraten gelang es, das Richter-Rennen in dem Bundesstaat zu einem Referendum über Trump und Musk zu machen. Und nun hoffen sie offensichtlich auf eine Wiederholung im kommenden Jahr. Da steht in Wisconsin wieder eine Wahl zum höchsten Gericht an, und eine liberale Berufungsrichterin, Chris Taylor, tritt gegen die derzeitige Amtsinhaberin Rebecca Bradley an, eine Konservative, die sich auf die Seite von Trump geschlagen hatte, als dieser seine Niederlage in Wisconsin bei der Wahl 2020 gerichtlich anfocht.
Auch Taylor will offenbar versuchen, Unbehagen über Trump und Musk in einen Sieg bei der Wahl zum Supreme Court im April 2026 umzumünzen. „Meine Kampagne wird eine Kampagne sein, die sich um die Bevölkerung in diesem Staat dreht“, sagte sie der AP. „Nicht um Milliardäre, nicht um die Mächtigsten.“ Das Motto des diesjährigen Wahlkampfes der Demokraten für die gegen Schimel siegreiche Richterkandidatin Susan Crawford hatte gelautet: „Das Volk gegen Musk.“
RND/AP