Nicht nur Zustimmung für Grünen-Politiker

„Ein großer Irrtum“: Ex-Außenminister Joschka Fischer gegen deutsche Atombombe

Joschka Fischer, ehemaliger Außenminister, spricht während der ersten "Europaeum Annual Lectur" (Europaeum-Jahresvorlesung) an der Freien Universität Berlin.

Berlin. Der frühere Außenminister Joschka Fischer hat sich gegen eine eigene Atombombe für Deutschland ausgesprochen. „Ich hielte es für einen großen Irrtum, wenn Deutschland die atomare Bewaffnung als nationale Herausforderung sähe“, sagte der Grünen-Politiker dem „Tagesspiegel“.

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„Europa muss das machen, denn die amerikanische Schutzgarantie ist ab sofort ungewiss“, betonte Fischer. „Deutschland sollte nie wieder alleine agieren, nie wieder. Wir brauchen unsere europäischen Partner.“ Außerdem sei eine deutsche Atombombe völkerrechtlich kaum durchsetzbar. Einer nuklearen Wiederbewaffnung seien sowohl im Zwei-plus-vier-Vertrag als auch grundsätzlich durch den Atomwaffensperrvertrag klare Grenzen gesetzt.

Auch Stimmen für eine deutsche Bombe

Hingegen spricht sich Brigadegerenal Frank Pieper angesichts des brüchigen Verhältnisses zu den USA und der Bedrohung durch Russland für eine solche Option aus. „Deutschland braucht eigene taktische Atomwaffen“, sagte er dem „stern“. Pieper, der auch Direktor Strategie an der Führungsakademie der Bundeswehr ist, betonte jedoch, diese Äußerungen wegen der Sensibilität des Themas als Privatperson und Staatsbürger zu machen.

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„Die nukleare Frage ist der Kern der nationalen Souveränität eines Staates. Auch Deutschland muss sich dieser Frage stellen“, fordert auch Harald Biermann, Präsident der Stiftung Haus der Geschichte in Bonn, in dem Magazin. „Es geht hier um die Existenz der Bundesrepublik.“ Die Debatte wird bereits seit einiger Zeit geführt, hatte durch die jüngsten außenpolitischen Äußerungen von US-Präsident Donald Trump jedoch wieder Fahrt aufgenommen.

„Die USA standen für ein großes Freiheitsversprechen. Das ist vorbei“, meinte Fischer. Europa müsse als Konsequenz Stärke aufbauen und ein machtpolitischer Faktor werden. „Dass ich das mal sage, hätte ich mir auch nicht träumen lassen.“

RND/dpa

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