Babys mit Erbgut von drei Menschen geboren
London. In Großbritannien sind erstmals Babys mit dem Erbgut von jeweils drei Elternteilen zur Welt gekommen. Die Behörde für menschliche Befruchtung und Embryologie (HFEA) nannte am Mittwoch keine Details, sondern teilte lediglich mit, es seien weniger als fünf Babys mit diesem Merkmal geboren. Ein experimentelles Verfahren sei angewendet worden, um eine Weitergabe von seltenen genetischen Defekten an die Kinder zu verhindern.
Im Jahr 2015 verabschiedete Großbritannien als erstes Land der Welt ein Gesetz, das die Methoden regelt, mit denen verhindert werden soll, dass Frauen mit fehlerhaften Mitochondrien – der Energiequelle in einer Zelle – Defekte an ihre Babys weitergeben. Diese Gendefekte können zu Krankheiten wie Muskeldystrophie, Epilepsie, Herzproblemen und geistigen Behinderungen führen. Etwa eines von 200 Kindern in Großbritannien wird mit einer mitochondrialen Störung geboren. Bislang wurden 32 Patienten für eine solche Behandlung zugelassen.
Gespendetes genetisches Material macht weniger als ein Prozent aus
Bei einer Frau mit defekten Mitochondrien entnehmen die Wissenschaftler genetisches Material aus ihrer Eizelle oder ihrem Embryo, das dann in eine Spendereizelle oder einen Spenderembryo übertragen wird, die über gesunde Mitochondrien verfügen, bei denen aber der Zellkern entfernt wurde. Der befruchtete Embryo wird dann in die Gebärmutter der Mutter übertragen. Das genetische Material der gespendeten Eizelle macht weniger als ein Prozent des Kindes aus, das mit dieser Technik gezeugt wird.
Die Behandlung biete Familien mit schweren mitochondrialen Erbkrankheiten die Möglichkeit, ein gesundes Kind zu bekommen, teilte die HFEA mit. Sie hoffe, dass die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Newcastle bald Einzelheiten über das Verfahren veröffentlichen könnten.
Die Babys in Großbritannien sind nicht die ersten weltweit, die auf diese Weise gezeugt wurden. Ärzte in den USA gaben 2016 die Geburt des ersten Kindes bekannt, bei dem die Mitochondrienspende angewandt wurde, nachdem die Behandlung in Mexiko durchgeführt worden war.
RND/AP