Noch nie war die Raumfahrt so wichtig wie jetzt
Deutschland stärkt seine Position als Raumfahrtnation: Im Rahmen des „Artemis-Programms“ soll zum ersten Mal überhaupt ein deutscher Astronaut zum Mond fliegen. Das gab der Chef der europäischen Raumfahrtbehörde Esa, Josef Aschbacher, am Donnerstag am Rande der Esa-Ministerratskonferenz in Bremen bekannt. Wer wann fliegen wird, bleibt aber noch unklar.
Das hängt auch maßgeblich davon ab, wie die US-Weltraumbehörde Nasa, die bei dem Programm federführend ist, mit der Rückkehr zum Mond weiter verfahren wird. Zuletzt waren immer wieder Meldungen aufgetaucht, dass die Behörde plant, das Programm stellenweise umzubauen – zum Beispiel, indem sie die jetzt genutzte SLS-Rakete durch eine Rakete der privaten Raumfahrtfirma SpaceX ersetzt. Ob sie diese und andere Pläne wirklich umsetzen wird, ist schwer zu sagen. Die Nasa steht mit diversen Budgetkürzungen und einem neuen Chef vor gewaltigen Umbrüchen.
Neuer Stellenwert für die Raumfahrt
Und so steht auch die Zukunft von Deutschlands erstem Mondastronauten noch in den Sternen. Dass Deutschland bei der europäischen Rückkehr zum Mond den Vortritt hat, ist aber nur folgerichtig. Schließlich ist die Bundesrepublik der größte Beitragszahler. Bei der Ministerkonferenz in diesem Jahr verkündete Raumfahrtministerin Dorothee Bär, dass Deutschland seinen Beitrag auf horrende 5,4 Milliarden Euro erhöht - 30 Prozent mehr als bei der Konferenz vor drei Jahren.
Noch nie hatte die Raumfahrt in Deutschland einen so hohen Stellenwert wie jetzt. Denn noch nie war sie so wichtig wie jetzt.
Es geht auch um Europas Sicherheit
In Zeiten, in denen Europas Nachbar Russland einen erbitterten Krieg gegen die Ukraine führt, ist die Raumfahrt unumgänglich. Sie spielt eine entscheidende Rolle in der modernen Kriegsführung und Sicherheitspolitik. Satelliten liefern unentbehrliche Informationen für die Navigation, Kommunikation und Überwachung. Sie sind essenziell für die Aufklärung und können im Kriegsfall den entscheidenden strategischen Vorteil bieten. In die Raumfahrt zu investieren ist also nicht nur ein Engagement für wissenschaftlichen Fortschritt und internationale Kooperation, sondern auch ein Beitrag zur nationalen und europäischen Sicherheit.
Daher ist es dringend notwendig gewesen, dass neben Deutschland auch noch andere Mitgliedsstaaten ihre Beiträge deutlich erhöhen – was sie auch getan haben. Somit steht der Esa in den kommenden drei Jahren ein Rekordetat von knapp 22,1 Milliarden Euro zur Verfügung.
Das ist ein starkes Signal der Zusammenarbeit und des Fortschritts, das Europa an den Rest der Welt sendet. Die Staatengemeinschaft rüstet auf – auf der Erde, aber auch im All. Jetzt müssen diesem Signal Taten folgen. Denn viel zu lange hat sich Europa in der Raumfahrt von ihrem Partner auf der anderen Seite des Atlantiks abhängig gemacht und dabei zugesehen, wie andere Länder an militärischer Stärke im All gewinnen. Der Esa muss es nun gelingen, ihre Unabhängigkeit zurückzugewinnen und so für mehr Sicherheit im Weltraum zu sorgen. Ein Schritt, der längst überfällig ist.