Umweltschutz durch Unternehmen: Knifflig aber lohnend

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Umweltschutz in Firmen ist immer eine Balance: Natürlich soll der Schaden für die Umwelt verringert werden. Aber dabei müssen sowohl die Kosten als auch der Maßstab im Auge behalten werden. Ein Vergleich mit Privathaushalten hinkt oft.

In Sachen Umweltschutz und Energieverbrauch haben es Privathaushalte noch verhältnismäßig einfach. Viel weitere Wege müssen jedoch Unternehmen gehen, um hier zu punkten.

Ein kleines Einfamilienhaus am Rand von Hückeswagen: Gebaut in den 60ern. Wer als Hausbesitzer hier seinen Energieverbrauch in den Keller treiben will, hat es so gesehen recht einfach: Neue Fenster einbauen, das Dach oder den Dachboden dämmen und wer es richtig ernst meint, lässt auch noch seine Außenwände gut einpacken und eine neue Heizung installieren. Die Kosten für all diese Maßnahmen liegen irgendwo im niedrigen fünfstelligen Bereich und haben sich nach wenigen Jahren allein schon durch die Verbrauchsersparnisse amortisiert. Was aber macht der Besitzer eines Supermarktes? Was die Wermelskirchener Metallindustrie? Oder wie stellen Paketauslieferer ihre Flotte verbrauchsarm um? Je größer ein Unternehmen ist, desto weniger lässt sich von dem, was Privatleute über Umweltschutz wissen, umlegen. Und was bei den Arbeitgebern der Bundesrepublik alles getan wird, um Mutter Natur ein wenig unter die Arme zu greifen, das zeigt der folgende Artikel.

1. Stichwort Geld

Bei Unternehmen liegen prinzipiell die gleichen Probleme an, wie in einem Privathaushalt, nur mit dem kleinen, aber feinen Unterschied der Geldmenge: Ein Hausbesitzer, dessen Kühltruhe zu viel Strom verbraucht, gibt schlicht ein paar hundert Euro aus und kauft eine neue. Wenn aber eine Rewe-Group, die in ganz Deutschland über 3000 Märkte betreibt, angibt, vor den meisten Kühltheken Nachtrollos installieren zu wollen, dann hat das ganz andere Dimensionen: Man stelle sich einen Supermarkt vor, wie groß die offenen Kühltheken dort sind. Und dann die Kosten, davor Rollos zu installieren, die jeden Abend herabgelassen werden – in mehreren tausend Filialen.

Natürlich lässt sich hier argumentieren, dass solche Ketten wesentlich mehr einnehmen, als ein Privathaushalt. Das tun sie in der Tat, aber sie haben ja auch gänzlich andere Ausgaben: Gehälter wollen ebenso bezahlt werden wie die Energie an sich: Kühltheken sind offen, damit die Kunden schneller Zugriff haben – welchen Effekt das im Winter hat, wenn der restliche Markt geheizt werden muss, kann man sich ausmalen. Es wäre etwa so, als würde man in der Küche die Kühlschranktür offen lassen, nur um schneller ans Joghurt zu gelangen. 

Und dann kommt einmal mehr das Geld ins Spiel: Firmen sind finanziell gesehen sehr eng auf Kante genäht. Jede Investition muss sich schnellstens rentieren, weil sonst die gesamte Kostenrechnung nicht mehr stimmt. Natürlich sparen Maßnahmen wie die genannten viel Strom ein – aber die aufzuwendenden Summen müssen erst mal wieder reingeholt werden, damit das Unternehmen profitabel bleibt.

Damit steht also fest:

  • Unternehmen müssen für den Umweltschutz wegen ihrer Größe mehr Geld ausgeben
  • Sie müssen immer auf maximale Rentabilität achten
  • Die Maßnahmen dürfen nicht zulasten der Kundenzufriedenheit gehen.
  • Sie müssen sich in das genau austarierte Finanzsystem einfügen

2. Stichwort Maßstab

Privatleute kaufen sich spritsparende Autos – bei den tausenden Fahrzeugen von Paketdienstleistern ist das nur Schritt für Schritt möglich

Und direkt abgeleitet vom lieben Geld ist auch der Größenmaßstab: Die Deutsche Post DHL Gruppe beispielsweise hat laut eigenen Angaben weltweit rund 92000 Fahrzeuge im Einsatz. Die meisten davon Lieferwagen, wie sie auch in unserer Region täglich abertausende Pakete ausliefern. Das Problem bei solchen Dienstleistern ist:

  • Sie müssen sowieso mit schwankenden Kraftstoffpreisen rechnen
  • Die Anschaffung der Fahrzeuge an sich rentiert sich nur über ihre Laufleistung

Ein Privatmann kann einfach spritsparender fahren oder sich ein umweltfreundlicheres Auto zulegen. Die erste Option scheitert bei Paketdienstleistern meist an der Realität: Immer mehr Pakete wollen in immer weniger Zeit ausgeliefert werden. Da kommen Fahrer nicht um eine etwas sportlichere Fahrweise herum. Zudem: Wer in Städten wie Remscheid ausliefert, muss andauernd stop-and-go fahren. Kaum etwas treibt automatisch den Spritverbrauch so durch die Decke.

Das bedeutet: Egal welche umweltfreundliche Technik verbaut werden soll, sie muss in abertausenden Fahrzeugen installiert werden. Und das bedingt, dass sie absolut alltagstauglich ist. Es müssen ebenso sichere Tankmöglichkeiten vorhanden sein wie niedrige Reparaturkosten über Kilometer Laufleistung.

3. Stichwort Machbarkeit

In der Industrie spielt wissenschaftliche Realität die größte Rolle: Wie hier beim Drucken gibt es einfach Vorgänge, die sich nicht umweltfreundlicher ausführen lassen, ohne dass die Qualität leidet.

Und kommt man auf das erzeugende Gewerbe, dann stellen sich noch andere Herausforderungen, für die es oftmals keine Lösungen gibt. Ein Beispiel aus der Region ist Tente Rollen & Räder, einer der größten Arbeitgeber von Wermelskirchen. Wenn ein solches Unternehmen seine Produkte herstellt, sind einige Schritte und Zutaten eben unerlässlich: Die Einkaufswagen-Räder, die bei Tente produziert werden, haben außen Kunststoff-Laufrollen. Und die müssen einige Bedingungen wie Laufruhe und Haltbarkeit durch spezielle Materialmischungen zwingend erfüllen – andernfalls wären die Rollen nach wenigen Monaten verschlissen und die Kunden zurecht sauer.

Das aber engt den sowieso geringen Spielraum des Umweltschutzes noch weiter ein: Auch wenn ein Herstellungsverfahren oder die Inhaltsstoffe eines Materials vielleicht nicht sonderlich umweltfreundlich sind, müssen sie weiterhin zum Einsatz kommen, damit die Eigenschaften des Endprodukts nicht leiden und somit der Umsatz sinkt. Zudem gibt es einige Verfahren, die lassen sich aufgrund physikalischer und chemischer Realitäten nicht sauberer oder energiesparender abwickeln: Stahl zu schmelzen oder heiß umzuformen benötigt beispielsweise einen bestimmten Temperaturbereich, der nur durch massive Energiezufuhr erreicht werden kann.

Deshalb hat es gerade die Industrie oft genug schwer mit dem Umweltschutz. Denn im Gegensatz zu anderen Firmen, wo solche Maßnahmen meist auch auf lange Sicht eine gewisse Kostenersparnis mit sich bringen, sind in der Industrie neue Verfahren meist zunächst nur mit Schwierigkeiten und Ausgaben verbunden: Eine Umstellung auf umweltfreundlichere Produktionszyklen ist teuer und wenn die dabei verwendeten, „saubereren“ Stoffe nicht das halten, was sie in der Entwicklung versprachen, sind schnell ganze Firmen in ihrer Existenz bedroht.

In dieser Sparte werden daher oft andere Wege eingeschlagen, um die Umwelt zu schützen:

  • Genau abgemessene Verwendung der zwingend notwendigen Betriebsstoffe
  • Filtrierung/Recycling mit dem Ziel von Rückgewinnung und erneutem Einsatz
  • Zusammenlegung von Produktionsschritten
  • Forschung um neue Materialien und Verfahren zu finden
  • Investition in Klimaschutzmodelle

Insbesondere das letztgenannte Modell ist in der Industrie ein großer Renner, denn es ermöglicht Umweltschutz, ohne dass dafür die Produktion beeinträchtigt werden muss. 

In der Branche befinden sich zahlreiche Unternehmen. Ihr Job: Sie investieren Geld in Klimaschutzprojekte. Angenommen, ein industrieller Hersteller möchte etwas für die Umwelt tun, kann dies aber wegen der genannten Gründe nicht in der Produktion realisieren. In diesem Fall wird zunächst sein CO2-Ausstoß errechnet. Und anhand dessen kann die Firma dann beispielsweise in entsprechende Waldklimaschutzprojekte investieren, bei denen die gleiche Summe an CO2 durch Aufforstung eingespart wird. 

Wichtig an dieser Stelle ist, zu erwähnen, dass diese Ersatzhandlungen keineswegs weniger wert sind: Ob nun direkt in der Produktion oder durch das Pflanzen von Bäumen: Es wird in beiden Fällen etwas für den Umweltschutz getan und dabei gibt es kein „besser“ oder "schlechter".

Fazit

"Warum machen die das nicht, das kostet doch nichts" wer sich solche Umweltschutz-Fragen das nächste Mal stellt, wenn er durch die Gänge eines Supermarktes geht oder nach der Abfahrt des Paketzustellers noch den Dieselgeruch in der Nase hat, sollte bedenken: Im Firmen-Maßstab kostet „das“ sehr wohl einiges. Und: Kein Unternehmen kann es sich heute noch leisten, den Umweltschutz zu ignorieren. Jeder tut etwas. Bloß, das was getan wird, darf von den Kosten auch nicht dafür sorgen, dass es die Firma in einem Jahr mangels Rentabilität nicht mehr gibt.

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