Niemand investiert in Vergangenheit
Wenn an der Börse die Zukunft gehandelt wird, sah sie vor fünf Jahren für die Autoindustrie ziemlich gut aus. Im Frühjahr 2021 kletterten die Kurse der deutschen Hersteller, obwohl die damalige Gegenwart mit Corona-Pandemie und Chipkrise eher trostlos war. Doch die Konzerne – namentlich VW – hatten gerade sehr ehrgeizige Pläne für die Umstellung auf Elektromobilität präsentiert, außerdem für Digitalisierung und neue Geschäftsmodelle.
Jobs verschwinden schneller
Fünf Jahre später ist die VW-Aktie nicht einmal mehr halb so viel wert, und ihr größter Eigentümer – die Porsche Automobil Holding – muss deshalb einen Verlust ausweisen. Derweil warnt der Verband der Automobilindustrie, dass die Branche in den kommenden Jahren einige Zehntausend Jobs mehr verlieren werde als ohnehin befürchtet.
Wer das mit der Weichenstellung vor fünf Jahren erklärt, verweigert den Blick in die sehr nahe Zukunft. Denn auch wenn in der Transformation viel schiefgeht, hat sich nichts grundlegend geändert: Die Zukunft des Autos ist elektrisch und digital. Zu klären bleibt nur noch, auf welchem Kontinent es gebaut wird.
Den Wandel fördern
Setzen wir darauf, noch lange massenhaft Einspritzsysteme und Kolben herzustellen, wird der europäische Anteil klein sein. Das ist die Vergangenheit, in die niemand mehr investieren will – weder an der Börse noch in den Betrieben. Jobabbau und flaue Aktienkurse zeugen gleichermaßen davon.
Es kann deshalb nicht darum gehen, das Rad zurückzudrehen, sondern nur darum, den Umbau der Autoindustrie besser zu managen und den Wandel zu fördern.
Die wichtigste Forderung an die Wirtschaftspolitik ist nicht, dass sie alte Arbeitsplätze erhalten soll, sondern dass sie die Schaffung von neuen erleichtern muss. Das wäre nicht einmal ein Widerspruch, wenn man sich statt auf kurzatmige Hilfsaktionen endlich auf verlässliche Rahmenbedingungen konzentrieren würde.