Empörte Markenfans

Höhle der Löwen: Ankerkraut-Deal mit Nestlé stößt auf verheerendes Echo - „Seele an den Teufel verkauft“

Ankerkraut-Gründer Anne und Stefan Lemcke
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Die Ankerkraut-Gründer Anne und Stefan Lemcke ernten für ihren Nestlé-Deal eine Menge Kritik.

Nestlé übernimmt die Mehrheit des Hamburger Gewürz-Herstellers Ankerkraut. Doch Kunden und Kooperationspartner sind davon gar nicht begeistert.

Hamburg - Am Mittwoch machte das Gewürzunternehmen Ankerkraut bekannt, dass der Lebensmittelkonzern Nestlé nun Hauptanteilseigner ist. Während die Gründer diesen Schritt als „eine großartige Chance“ bezeichnen, fällt der Deal bei den meisten Beobachtern und Fans weitgehend durch. Auf Social-Media-Plattformen wie Twitter oder Instagram lassen viele Nutzer kein gutes Haar an dem Deal des „Höhle der Löwen“-Start-ups. Und selbst auf der sonst für ihre überwiegend positiven Kommentare bekannten Job-Plattform LinkedIn stößt der Deal auf ungewohnt harsche Kritik.

Ankerkraut und Nestlé: Übernahme sorgt für Shitstorm

Die Kommentare unter dem Verkündungs-Post des Unternehmens sind eindeutig. „Ihr habt dem Teufel eure Seele verkauft“, „Wenn Gier das Gehirn frisst – never ever mehr Ankerkraut in meiner Küche“ oder „Leider falsch abgebogen und mit Schwung gegen die Wand gefahren“, sind nur ein paar wenige von hunderten Kommentaren von enttäuschten Kunden.

Aber nicht nur die Verbraucher sind enttäuscht. Auch ein großer Kooperationspartner hat mit einem öffentlichen Statement direkt klargemacht, was er von der Neuigkeit hält. Der YouTube-Star LeFloid, der mit seinen Videos regelmäßig mehrere Millionen Abonnenten begeistert, hatte eigentlich eine Kooperation mit Ankerkraut. Doch seit dem Nestlé-Deal ist das wohl nun Geschichte. Auf Instagram schreibt er: „Da eine Kooperation mit Nestlé für uns nicht infrage kommt, sehen wir keine andere Option, als die Zusammenarbeit mit Ankerkraut schnellstmöglich zu beenden.“

Von seinen Fans erhält LeFloid dafür eine Menge Zuspruch. Ein Nutzer schreibt: „Richtige Entscheidung. Schade um den Laden, aber es gibt sicher Alternativen mit mehr Rückgrat.“ Ein anderer meint: „Hut ab vor dieser Entscheidung. Finde es persönlich absolut richtig und vorbildlich von euch, grade vor dem Hintergrund der ‚Tragweite‘ der Entscheidung für euch.“ Tatsächlich hatte LeFloid mit Ankerkraut sogar ein eigenes Gewürz mit dem Namen „Holy Smokes“ auf den Markt gebracht. Wie es mit der Gewürzmischung des YouTubers weitergehen wird, ist noch nicht bekannt.

Nestlé: Heftige Kritik wegen Wasser-Skandal

Aber wieso sträuben sich eigentlich so viele Verbraucher gegen den Lebensmittel-Riesen Nestlé? Seinen zweifelhaften Ruf erlangte der Konzern durch zahlreiche Skandale. Für den wohl größten Image-Schaden sorgte der ehemalige Nestlé-Verwaltungsratspräsident Peter Brabeck-Letmathe in einem Interview aus dem Jahr 2005. Damals sprach er über Wasser und erklärte, dass dieser Rohstoff einen Marktwert habe und er somit kein öffentliches Gut sei. Daraus schlossen die meisten Zuhörer, dass Brabeck-Letmathe Wasser nicht als Menschenrecht sehe.

Auf seiner Website rudert der Konzern dagegen zurück: „Bei Nestlé sind wir der festen Auffassung, dass der Zugang zu Wasser ein grundlegendes Menschenrecht ist. Wir erkennen das Menschenrecht auf Wasser, das 2010 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen beschlossen wurde, uneingeschränkt an.“ Zum entsprechenden Interview heißt es dort: „Das Interview in dem Video ist ein Ausschnitt aus einer Dokumentation aus dem Jahr 2005, der aus dem Zusammenhang gerissen wurde. Dieser Auszug stellt die Sicht unseres Vorsitzenden Emeritus falsch dar. Er hat wiederholt gesagt, dass alle Menschen das Recht auf sauberes Wasser haben, um ihre Flüssigkeitszufuhr und grundlegenden Hygienebedürfnisse zu erfüllen.“

Nestlé: Immer neue Skandale

Nestlé steht außerdem stark in der Kritik, da die Firma Wasserrechte kauft. Das Problem: Dort, wo Nestlé das Wasser abzapft, wird dies zur Mangelware. Das ist etwa im französischen Dorf Vittel ein großes Problem*. Der Grundwasserspiegel sinkt immer weiter – die Dorfbewohner protestieren. Hinzu kommen weitere Skandale um Milchpulver für Babys, Kritik wegen des zu hohen Zuckergehalts in den Produkten und die Müllberge, die durch die Nespresso Kaffeekapseln entstehen.

Es gibt also viele Gründe, weshalb sich Verbraucher gegen den Kauf von Nestlé-Produkten entscheiden können. Der schlechte Ruf des großen Konzerns wird nun auch dem ursprünglich kleinen Start-up Ankerkraut zum Verhängnis. (ph) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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