Mindestens bis Ende Januar

„Wirrwarr, XXL-Bürokratie“: Steuerzahlerbund rechnet mit Grundsteuer ab - und fordert längere Abgabefrist

Die Grundsteuererklärung sorgt bei vielen Eigentümern für Frust. Angesichts dessen drängt der Steuerzahlerbund auf deutliche Vereinfachungen.

Berlin/München – Ab 2023 soll es eine neue Grundsteuer-Berechnung geben. Bevor diese jedoch erhoben werden kann, müssen rund 36 Millionen Grundstücke in Deutschland neu bewertet werden. Für Grundbesitzer bedeutet das erst einmal eine Menge Arbeit. Denn die Grundsteuererklärung ist kompliziert – und viele verzweifeln bereits daran.

Grundsteuererklärung fordert „Zeit, Aufwand und starke Nerven“

Auch Daniela Karbe-Geßler, Leiterin der Steuerabteilung beim Bund der Steuerzahler (BdSt), weiß, wie sehr Grundstückseigentümer mit der neuen Steuererklärung zu kämpfen haben. „Die Abgabe der Grundsteuererklärung fordert von vielen Eigentümern Zeit, Aufwand und starke Nerven“, erklärte sie am Montag gegenüber Merkur.de.

Ein besonders großes Problem sei, dass viele Eigentümer Angaben machen müssen, die ihnen oftmals gar nicht vorlägen. „Weil dies zu erwarten war, haben wir als Bund der Steuerzahler bereits im Vorfeld gefordert, dass die Finanzverwaltung die ihnen bekannten Daten selbst in die Erklärungen einfügt“, sagt Karbe-Geßler. Dieser Forderung war der Bund jedoch nicht nachgekommen, was bei den Betroffenen nun häufig zu Problemen beim Ausfüllen der Erklärung führt.

Die Grundsteuererklärung sorgt bei vielen Eigentümern für Frust.

Grundsteuer: Abgabefrist deutlich verlängern

Weil zudem jedes Bundesland andere Angaben von den Grundeigentümern fordert, komme es bundesweit zu einem „Wirrwarr“, bemängelt die Steuer-Expertin. Eigentümern drohe eine „XXL-Bürokratie“. Besonders knifflig werde es für jene Besitzer, die Eigentum in unterschiedlichen Bundesländern haben.

Für das Bürokratie-Wirrwarr benötigt es also auf jeden Fall eines: Zeit. Doch wirklich viel Zeit, sich genauestens mit der Steuererklärung auseinanderzusetzen, bleibt den Betroffenen nicht. Die ohnehin knapp bemessene Frist endet zum 31. Oktober. Doch bislang erreicht die Abgabequote in den meisten Bundesländern kaum zehn Prozent, weshalb Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) bereits eine Verlängerung erwägt.

Dafür spricht sich auch Daniela Karbe-Geßler aus. Der „viel zu kurze Zeitraum zur Abgabe der Feststellungserklärung müsse großzügiger bemessen werden – auf jeden Fall bis Ende Januar 2023.“

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Grundsteuer: Bestehende Behörden-Daten zusammenführen

Ob das reicht, um es den Eigentümern einfacher zu machen, ist indes fraglich. Um Betroffenen die Steuerauskunft zu erleichtern, plädiert der BdSt für einen besseren Informationsaustausch zwischen den Behörden: Dazu könne man etwa „Datenbanken aus Grundbuch-, Bau- und Katasterämtern sowie Finanzverwaltungen aufeinander abstimmen oder – zumindest – die Daten daraus abrufbar“ machen. Es sei unverständlich, weshalb Bürger entsprechende Daten noch einmal eingeben müssten, wenn sie ohnehin bereits vorlägen.

Außerdem fordert die Steuerexpertin, dass die entsprechende Software, also in diesem Fall das Steuerportal Elster, zuverlässig funktionieren müsse. Dort würden teilweise Fehlermeldungen ausgelöst, die für den Nutzer kaum verständlich seien. Hier bestehe „Nachbesserungsbedarf“.

Zudem solle die Finanzverwaltung das Ausfüllen der Erklärung in Papierform deutlich vereinfachen. Viele ältere Menschen fänden sich mit dem digitalen System nicht zurecht. Entsprechende Vordrucke zur Grundsteuer sollten daher auch ohne Begründung bereitgestellt werden. (ph)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Rolf Kosecki

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