Textilbündnis droht zu scheitern

Müllers Plan für "faire Mode": Branche ist anti

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Arbeiter in einer Textilfabrik in Bangladesch. Wenn es nach Gerd Müller, Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen geht, gehören die katastrophalen Zustände in den Fabriken ganz bald der Vergangenheit an.

Berlin - Entwicklungsminister Gerd Müller will ein Textilbündnis gründen: gegen Kinderarbeit, gegen Umweltzerstörung, gegen Billiglöhne. Doch die Verbände machen (noch) nicht mit.

Wenige Tage vor der geplanten Gründung eines deutschen „Textilbündnisses“ gegen Ausbeutung und Umweltzerstörung haben sich mehrere Branchenverbände von dem Plan distanziert. Der Handelsverband Deutschland (HDE) und die Außenhandelsvereinigung des deutschen Einzelhandels (AVE) erklärten am Freitag, sie teilten zwar die Ziele des Bündnisses, das von Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) konzipiert worden ist. Der von Müllers Ministerium vorgelegte Aktionsplan sei aber noch nicht entscheidungsreif. „Eine lückenlose Überwachung sämtlicher Produktionsstufen vom Baumwollfeld bis zum Bügel ist unrealistisch“, erklärte AVE-Hauptgeschäftsführer Jan Eggert.

Verbände wollen sich nicht an Textilbündnis beteiligen

Der Gesamtverband der deutschen Modeindustrie und der Verband German Fashion kündigten an, sie würden sich an dem Bündnis nicht beteiligen. Zur Begründung hieß es von den beiden Verbänden, einige Forderungen des Aktionsplans seien nicht realisierbar. „Dies betrifft insbesondere die Durchsetzung in Deutschland üblicher Sozialstandards weltweit außerhalb der eigenen Unternehmen sowie den Verzicht auf einige unersetzbare chemische Stoffe“, hieß es seitens der Verbände.

„Wir sind bis zum Schluss mit allen Akteuren im Gespräch und werden das Textilbündnis am Donnerstag starten“, sagte eine Sprecherin des Bundesentwicklungsministeriums. Ziel des Bündnisses, in das Müller Unternehmen, Verbände und Nichtregierungsorganisationen einbeziehen will, ist es, soziale und ökologische Mindeststandards zu erreichen. Dazu gehören unter anderem ein Verbot von Zwangsarbeit, menschenwürdige Löhne, Sicherheitsstandards und ein Verzicht auf besonders schädliche Pflanzenschutzmittel. Wer diese Mindeststandards nicht einhält, muss aber keine Sanktionen befürchten.

Grünen-Politikerin Künast: "Müller hat es versemmelt"

Der grünen Bundestagsabgeordneten Renate Künast (Grüne) ist der Plan des Entwicklungsministers nicht ehrgeizig genug. „Minister Müller hat es versemmelt“, sagte Künast. Mit seiner Strategie, beim Textilbündnis alles freiwillig und nur für den deutschen Markt regeln zu wollen, sei Müller beim Handel aufgelaufen. Besser wäre ein EU-weiter Ansatz mit Regelungen für alle Textil-Exporte.

dpa

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