Angst vor Pleitewelle

Dramatischer Hilferuf aus dem Handwerk – „Vielen Betrieben steht das Wasser bis zum Hals“

Hans Peter Wollseifer: Der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) drängt auf rasche Staatshilfen für Betriebe.
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Hans Peter Wollseifer: Der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) drängt auf rasche Staatshilfen für Betriebe.

Die steigenden Energiepreise bringen immer mehr Handwerksbetriebe in Not. Ohne staatliche Hilfe droht eine Insolvenzwelle, warnt Kammerpräsident Wollseifer.

Berlin - Der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), Hans Peter Wollseifer, fordert angesichts galoppierender Energiepreise rasche Hilfe vom Staat. Vor allem für energieintensive Betriebe wie etwa Bäcker habe sich die Lage dramatisch verschärft, sagte er der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. „Vielen steht das Wasser inzwischen bis zum Hals“, so Wollseifer. „Und diese Betriebe gehen unter, wenn ihnen nicht schnell ein Rettungsring aus direkten und unbürokratischen Härtefallhilfen zugeworfen wird.“

Zeitverzögerte Maßnahmen reichten nicht, betonte Wollseifer. „Um eine Insolvenzwelle im Handwerk zu verhindern, muss die Unterstützung jetzt kommen. Und sie muss für die betroffenen Betriebe einfach zu beantragen sein.“ Erst vor wenigen Tagen hatte Wirtschaftsminister Robert Habeck mit Aussagen über Insolvenzgefahren bei Bäckern und anderen Betrieben für Aufsehen gesorgt.

Handwerk leidet unter höheren Kosten und gestörten Lieferketten

In einer aktuellen Befragung des ZDH zu den Folgen des Ukraine-Kriegs klagten 87 Prozent über gestörte Lieferketten und gestiegene Beschaffungspreise. Bestehende Aufträge würden unwirtschaftlich: 70 Prozent der Teilnehmer gaben an, dass sie mit Aufträgen faktisch Verluste erzielten. „Vielen Betrieben fehlen schlicht die Mittel, um eine solche Durststrecke zu überstehen“, warnte Wollseifer.

Die allermeisten Betriebe (88 Prozent) berichteten von gestiegenen Kosten für Strom und Wärme seit Jahresbeginn, und zwar im Mittel um 62 Prozent. Besonders im Lebensmittel- und Kfz-Handwerk ist dies laut Umfrage ein Problem. Nur die wenigsten konnten den Kostenanstieg komplett an ihre Kunden weitergeben, 70 Prozent gaben an, dies zumindest teilweise zu können, 27 Prozent gar nicht. Das liege unter anderem an fehlender Zahlungsbereitschaft von Kunden, der Bindung an bestehende Verträge und starkem Wettbewerb von Konkurrenten.

Handwerkskammer-Präsident: Brauchen mehr Verträge mit Preisöffnungsklauseln

Wollseifer forderte eine stärkere Nutzung sogenannter Preisgleitklauseln bei öffentlichen Aufträgen. Diese machen es möglich, Preise für Waren oder Dienstleistungen im Nachhinein an gestiegene Kosten anzupassen. Während der Bund die Nutzung bei Bauaufträgen möglichst flächendeckend verlange, sei die Nutzung in Ländern und Kommunen noch lückenhaft, ermittelte der ZDH. Nötig sei auch mehr Flexibilität bei Fertigstellungsfristen, so der Verband. Ähnlich hatte sich Wollseifer bereits im vergangenen Jahr geäußert.

Es sei richtig, dass die Bundesregierung das Energiekostendämpfungsprogramm, das energie- und handelsintensiven Unternehmen mit Zuschüssen hilft, branchenübergreifend für besonders betroffene Betriebe öffnen wolle, sagte der Kammerpräsident der dpa. „Doch nun kommt es darauf an, dass es nicht bei einer Ankündigung bleibt, sondern diese Härtefallhilfe schnell so umgesetzt wird, dass betroffene Betriebe sie in diesem und im kommenden Jahr nutzen können.“

Darüber hinaus brauche es eine Abfederung der Energiekosten für kleine und mittlere Betriebe über eine Energiepreisbremse und eine Senkung der Energiesteuern auf die europarechtlich zulässigen Mindeststeuersätze. (dpa/utz)

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