800 Milliarden-Paket

Bundesverfassungsgericht erlaubt gemeinsame Schulden für EU-Coronafonds - Deutschland größter Nettozahler

Bundesverfassungsgericht: Der Zweite Senat des obersten deutschen Gerichts hat am Dienstag grünes Licht für die deutsche Beteiligung am EU-Coronafonds („Next Generation EU“) gegeben.
+
Bundesverfassungsgericht: Der Zweite Senat des obersten deutschen Gerichts hat am Dienstag grünes Licht für die deutsche Beteiligung am EU-Coronafonds („Next Generation EU“) gegeben. (Archivbild)

Die EU-Kommission macht zum ersten Mal Milliardenschulden, um Mitgliedstaaten in der Coronapandemie zu helfen. Das Bundesverfassungsgericht hat das jetzt abgesegnet.

Karlsruhe - Deutschland darf sich nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts am milliardenschweren Corona-Aufbaufonds der EU beteiligen. Der Zweite Senat des höchsten deutschen Gerichts wies am Dienstag in Karlsruhe zwei Verfassungsbeschwerden gegen das Gesetz zurück, mit dem der Bundestag 2021 einer deutschen Beteiligung zustimmte.

Das Aufbauprogramm mit dem Namen „Next Generation EU“ soll den EU-Staaten helfen, nach der Pandemie wieder auf die Beine zu kommen. Dafür macht die EU-Kommission erstmals im großen Stil Schulden. Es geht um ein Volumen von 750 Milliarden Euro zu Preisen von 2018. Berücksichtigt man die Inflation, sind das inzwischen mehr als 800 Milliarden Euro. Einen Teil des Geldes bekommen die Länder als Zuschüsse, die nicht zurückgezahlt werden müssen, den Rest als Darlehen. Ende 2058 sollen die Schulden spätestens beglichen sein.

EU-Aufbaufonds: Löwenanteil geht nach Italien und Spanien

Die größten Summen gehen an besonders hart getroffene Länder wie Italien und Spanien. Deutschland rechnete mit Zuschüssen von fast 26 Milliarden Euro netto. Das Geld soll etwa in Wasserstoff-Forschung, klimafreundliche Mobilität und ein digitaleres Bildungssystem fließen. Laut Bundesrechnungshof ist Deutschland mit voraussichtlich rund 65 Milliarden Euro größter Nettozahler. Die Behörde hatte von einer „Zäsur für die europäische Finanzarchitektur“ gesprochen und vor Risiken für den Bundeshaushalt gewarnt.

Unser kostenloser Wirtschafts-Newsletter versorgt Sie regelmäßig mit allen relevanten News aus der Wirtschaft. Hier geht es zur Anmeldung. 

Die Kläger, darunter ein Bündnis um AfD-Gründer Bernd Lucke, argumentierten ähnlich: Sie befürchten, dass am Ende womöglich Deutschland die Rechnung allein begleichen muss, sollten Staaten ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen. Es drohe über Jahrzehnte ein unkalkulierbarer Schuldensog. Außerdem habe das Programm keine Grundlage in den europäischen Verträgen.

Die Bundesregierung hatte die gemeinsame Schuldenaufnahme für den Wiederaufbaufonds in der mündlichen Verhandlung vor einigen Monaten verteidigt. Ein entschlossenes gemeinsames Handeln der Mitgliedstaaten sei in der damaligen Situation - im vom Lockdown geprägten Frühjahr 2020 - notwendig gewesen.

Skepsis in Karlsruhe

Die Verfassungsrichterinnen und -richter hatten im April 2021 die deutsche Beteiligung im Eilverfahren ermöglicht. Denn ein Stopp hätte wirtschaftlich und politisch viel Schaden angerichtet. Allerdings räumten sie ein, dass die Möglichkeit eines Verfassungsverstoßes durchaus im Raum stand. Das wurde nun im Hauptverfahren geprüft. (dpa/utz)

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Grundsteuer-Erklärung: Das müssen Sie beim Garten beachten
Grundsteuer-Erklärung: Das müssen Sie beim Garten beachten
Grundsteuer-Erklärung: Das müssen Sie beim Garten beachten
Amazon und Apple treiben US-Börsen an - Starker Juli
Amazon und Apple treiben US-Börsen an - Starker Juli
Amazon und Apple treiben US-Börsen an - Starker Juli
„Spürbare Erhöhung“ der Rente – Tabelle zeigt, wie viel es in diesem Jahr gibt
„Spürbare Erhöhung“ der Rente – Tabelle zeigt, wie viel es in diesem Jahr gibt
„Spürbare Erhöhung“ der Rente – Tabelle zeigt, wie viel es in diesem Jahr gibt
Headhunter verrät: Das verdienen Mercedes-Mitarbeiter wirklich – vom Einsteiger bis CEO
Headhunter verrät: Das verdienen Mercedes-Mitarbeiter wirklich – vom Einsteiger bis CEO
Headhunter verrät: Das verdienen Mercedes-Mitarbeiter wirklich – vom Einsteiger bis CEO

Kommentare