Verödende Einkaufsmeilen

Corona-Dampfwalze: Diese Läden verschwinden aus den deutschen Innenstädten

Ausverkaufsstimmung: Wegen der Corona-Pandemie und des erneuten Lockdowns kämpfen viele Händler um ihre Existenz.
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Ausverkaufsstimmung: Wegen der Corona-Pandemie und des erneuten Lockdowns kämpfen viele Händler um ihre Existenz.

Die Corona-Pandemie rollt wie eine Dampfwalze über Einzelhandel und Gastronomie hinweg. Viele bekannte Mode-Ketten werden dauerhaft aus den Innenstädten verschwinden.

  • Die Corona-Pandemie trifft den stationären Einzelhandel mit voller Wucht.
  • Mit Personalabbau und Filial-Schließungen stemmen sich viele Unternehmen gegen den Untergang, darunter auch große Publikumsmagneten.
  • Welche bekannten Mode- und Gastro-Ketten sich aus Einkaufsstraßen, Fußgängerzonen oder Gewerbegebieten zurückziehen.

München – Die Corona-Krise hat vor allem für den stationären Einzelhandel und die Gastronomie einschneidende Folgen. Kaum eine Woche vergeht ohne neue Hiobsbotschaft zu Personalabbau, Ladenschließungen oder Insolvenz. Selbst vor alteingesessenen Händlern macht die Pandemie nicht halt. Die Folgen sind dramatisch - auch für die Städte. Bundesweit wird sich das Gesicht vieler Innenstädte für immer verändern.

Wie radikal sich Fußgängerzonen, Einkaufsstraßen, Ladenzeilen und Gewerbegebiete künftig wandeln dürften, zeigt ein Überblick auf die bekanntesten Textil- und Gastro-Ketten.

Adler

Die Adler Modemärkte AG hat Mitte Januar Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt. Zur Begründung verwies Adler auf erhebliche Umsatzeinbußen durch den erneuten Lockdown vor Weihnachten. Trotz „intensiver Bemühungen“ sei es nicht gelungen, die Liquiditätslücke für die Modekette mit ihren rund 170 Filialen zu schließen. Jetzt soll das Unternehmen saniert werden. Der Geschäftsbetrieb läuft weiter. Ob und falls ja wie viele Standorte wegfallen, ist derzeit aber noch unklar.

Douglas

Die Parfümeriekette Douglas hat Ende Januar einen umfassenden Umbau angekündigt. Europaweit stehen 500 Geschäfte vor dem Aus. In Deutschland sollen 60 der 430 Filialen wegfallen. Rund 600 der 5200 Beschäftigten verlieren ihren Job. Die härtesten Einschnitte plant das Unternehmen offenbar in München und Köln sowie in Hamburg. Zur Begründung verweist Douglas auf die Umsatzverschiebung ins Internet. So machte die Kette im vergangenen Jahr bereits gut eine Milliarde Euro Umsatz im Web. In Deutschland liegt der Online-Anteil am Umsatz inzwischen bei 40 Prozent.

Esprit

Esprit hat vor gut einem Jahr Zuflucht im Schutzschirmverfahren gesucht. Damit war die Modekette vor den Forderungen ihrer Gläubiger sicher. Zudem beantragte Esprit Insolvenz in Eigenverwaltung. Inzwischen haben die Gläubiger einem umfassenden Schuldenschnitt zugestimmt. In Deutschland stehen rund 50 Standorte vor dem Aus, 1100 Mitarbeiter müssen gehen.

Galeria Karstadt Kaufhof

Die Corona-Krise hat die ohnehin angeschlagene Kaufhaus-Kette Galeria Karstadt Kaufhof (GKK) massiv getroffen. Während des ersten Lockdowns im vergangenen April hatte der Konzern vor seinen Gläubigern Zuflucht im Schutzschirmverfahren suchen müssen und sich eine Radikalkur verordnet. Fast 50 Standorte werden geschlossen. Wegen des erneuten Lockdowns Ende 2020 hat sich die finanzielle Lage erneut verschärft. Erst Ende Januar hatte der Bund dem Kaufhaus-Giganten ein millionenschweres Darlehen in Aussicht gestellt.

Hallhuber

Die Münchner Modekette war wegen drohender Zahlungsunfähigkeit im vergangenen April ins Schutzschirmverfahren geflüchtet. Im Rahmen der Sanierung will das Unternehmen eine „niedrige zweistellige Zahl“ der insgesamt 127 Filialen schließen, rund 250 der 2000 Stellen sollen wegfallen. Erst vor wenigen Wochen hatte das Unternehmen angekündigt, jetzt erst mal in den Winterschlaf gehen zu wollen. Die Mitarbeiter sollten sich zeitnah arbeitslos melden, hieß es.

H&M

Der schwedische Textilriese steht vor tiefen Einschnitten. Im laufenden Jahr sollen weltweit 350 Läden schließen. Welche Standorte in Deutschland den Plänen zum Opfer fallen, ist zwar noch unklar. Allerdings will H&M in Deutschland 800 Stellen streichen.

MyMuesli

Der Passauer Müslihersteller „mymuesli“ will wegen der Corona-Pandemie bis Ende kommenden Jahres 20 seiner insgesamt 23 Filialen schließen. Künftig wolle man nur die Geschäfte in Passau, München und Geislingen weiterbetreiben, teilte das Unternehmen am vergangenen Donnerstag mit. Statt in den stationären Handel soll künftig noch stärker ins Online-Geschäft investiert werden, hieß es.

Maredo

Die angeschlagene Steakhaus-Kette Maredo hatte bereits während des ersten Corona-Lockdowns einen Insolvenzantrag gestellt. Von 35 Restaurants wurden 15 Standorte geschlossen, gut die Hälfte der rund 950 Mitarbeiter mussten gehen. Im vergangenen Januar zog das Unternehmen dann endgültig den Stecker. Weil „kaum noch Liquidität im Unternehmen vorhanden ist, um die Löhne und Gehälter zahlen zu können“, müsse man sich auch von den noch verbliebenen Beschäftigten trennen, hieß es. An Bord bleibe nur eine Rumpfmannschaft, die die „insolvenzspezifischen Arbeiten“ erledigen solle.

Promod

Im vergangenen September hatte der französische Modeproduzent Promod Insolvenz angemeldet. Bis Ende Februar werden die verbliebenen 32 Läden in Deutschland geschlossen, kündigte das Unternehmen unlängst an. Die Umsatzeinbußen aus dem ersten Lockdown hätten in den wenigen Monaten der Öffnung für den stationären Handel nicht kompensiert werden können, teilte der Insolvenzverwalter Marco Kuhlmann vor gut zwei Wochen mit. Auch das Entgegenkommen der Vermieter könne daran nichts ändern, hieß es.

Pimkie

Der insolvente Mode-Discounter Pimkie will bundesweit rund 30 Geschäfte schließen, die übrigen 40 Filialen sollen fortgeführt werden. Insgesamt 100 Mitarbeiter sollen das Unternehmen verlassen. In Bayern sind unter anderem Bayreuth, Coburg und Regensburg von den Schließungsplänen betroffen. In Nürnberg und München will sich Pimkie künftig auf jeweils einen Laden beschränken. *Merkur.de ist Teil des Ippen Digital Redaktionsnetzwerks.

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