Wettbewerbssorgen

Brüssel prüft Monsanto-Übernahme durch Bayer genauer

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Monsanto ist vor allem als Hersteller von Unkrautvernichtern mit dem umstrittenen Wirkstoff Glyphosat bekannt. Foto: Daniel Dreifuss

Die EU-Kommission will die Risiken des Zusammenschlusses für den Wettbewerb in der Agrarchemie genauer unter die Lupe nehmen. Bayer reagiert darauf gelassen. Der Konzern hält an seinem Zeitplan fest.

Brüssel (dpa) - Neue Hürde für die von Bayer geplante Übernahme des US-Konkurrenten Monsanto: Die EU-Kommission hat Vorbehalte gegen die 66 Milliarden US-Dollar schwere Mega-Fusion und will sie deshalb vertieft prüfen.

Man sei besorgt, dass der Zusammenschluss der beiden Agrarkonzerne den Wettbewerb in einigen Geschäftszweigen schwächen könnte, erklärte die zuständige Kommissarin Margrethe Vestager am Dienstag.

Der Leverkusener Konzern reagierte gelassen auf die Ankündigung. Bayer habe diesen Schritt aufgrund der Größe und des Umfangs der geplanten Übernahme erwartet, betonte das Unternehmen in einer ersten Stellungnahme. Gleichzeitig bekräftigte Bayer das Ziel, die Genehmigung der Kommission "bis Ende 2017 zu erhalten". Dazu werde man weiter eng und konstruktiv mit der Wettbewerbsbehörde zusammenarbeiten. Diese hat nun allerdings 90 Arbeitstage Zeit für die vertiefte Prüfung, also bis 18. Januar 2018.

EU-Wettbewerbskommissarin Vestager betonte: "Saatgut und Pestizide sind für Landwirte und letztlich auch für die Verbraucher von entscheidender Bedeutung." Auf diesen Märkten müsse ein wirksamer Wettbewerb sichergestellt werden. Sonst drohten höhere Preise, weniger Innovation und eine geringere Qualität.

Bayer hatte den Antrag auf Genehmigung der Monsanto-Übernahme Ende Juni bei der EU-Wettbewerbsbehörde eingereicht. Anfang August war die Prüffrist bereits verlängert worden. Neben der Prüfung in den USA gilt die in Brüssel als die größte Hürde für das Milliardengeschäft. Jedoch haben auch zahlreiche andere Kartellbehörden ein Wort mitzureden.

Umweltschützer und Kritiker fordern auch wegen der großen Marktmacht ein Verbot des Zusammenschlusses. Dieser wäre schlecht für Landwirte und Konsumenten, monierte die Aktivistengruppe Avaaz. Der Umweltverband WWF erklärte, die vertiefte Prüfung durch die Kommission stimme vorsichtig optimistisch: "Bei einer der entscheidenden Zukunftsfragen, der globalen Ernährungssicherheit, darf sich nicht zu viel Marktmacht bei einzelnen Unternehmen ballen."

Das neue Unternehmen wäre der weltgrößte Anbieter in der Agrarchemie. Mit dem Volumen von 66 Milliarden Dollar (rund 56 Mrd Euro) wäre der Bayer-Coup außerdem der bislang größte Zukauf eines deutschen Unternehmens im Ausland. Monsanto ist vor allem als Hersteller von Unkrautvernichtern mit dem umstrittenen Wirkstoff Glyphosat bekannt.

Eintrag im Register der EU-Kommission

Bayer-Mitteilung

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