737 Max bleibt vorerst am Boden

Neues Boeing-Sorgenkind: Riss an gefährlicher Stelle entdeckt 

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Neues Sorgenkind bei Boeing: AN einer 737 wurde ein Riss entdeckt. (Symbolbild)

346 Tote sind die traurige Bilanz von zwei Abstürzen der Boeing-737-Max-Maschinen. Jetzt wurden bei einem anderen Typ Risse entdeckt. Die Untersuchungen laufen.

  • Im Oktober 2018 und Januar 2019 sind zwei Boeing 737 Max abgestürzt.
  • 346 Menschen sind bei den Unfällen ums Leben gekommen. 
  • Jetzt wurden bei einem anderen Typ Risse entdeckt. Die Untersuchungen laufen.

Update vom 9. November: Die US-Fluggesellschaft American Airlines rechnet damit, den Flugzeugtyp Boeing 737 Max frühestens ab dem 5. März 2020 wieder einsetzen zu können. Das teilte das Unternehmen am Freitag mit. Zuvor hatte die Airline den 16. Januar als Termin für die Wiederaufnahme von Flügen mit diesen Maschinen angepeilt, die nach zwei Abstürzen mit einem Startverbot belegt sind. Nun werden diese aber weitere anderthalb Monate aus dem Flugplan gestrichen. Die Frist wurde damit bereits zum wiederholten Mal verlängert.

Die 737 Max darf seit Mitte März fast weltweit nicht mehr abheben. Hersteller Boeing steht unter Druck, Software-Probleme zu beheben, die als eine entscheidende Ursache der zwei Abstürze mit insgesamt 346 Todesopfern gelten. Ob und wann die Maschinen wieder starten dürfen, ist von internationalen Aufsichtsbehörden abhängig und derzeit unklar. Den betroffenen Airlines machen die Startverbote schwer zu schaffen, zahlreiche Flüge fallen deshalb aus.

Neues Boeing-Sorgenkind: Riss an gefährlicher Stelle entdeckt - Appell Flugzeuge nicht starten zu lassen

Update vom 31. Oktober, 12.47 Uhr: Die australische Fluggesellschaft Qantas will nach der Entdeckung eines Risses im Rumpf eines Passagierflugzeugs vom Typ Boeing 737 mehrere baugleiche Flugzeuge einer Inspektion unterziehen. Insgesamt sollen 33 Maschinen kontrolliert werden, wie Qantas mitteilte.

Die betroffene Maschine wurde aus dem Verkehr gezogen. Nach Angaben der Fluggesellschaft wurde der Riss an einer Stelle entdeckt, wo die Tragflächen am Rumpf befestigt sind. Im Luftfahrt-Jargon nennt man diese Teile "Pickle Forks", weil sie an Gurkengabeln erinnern. "Wir haben einen Riss entdeckt. Diese Maschine wurde zur Reparatur außer Dienst gestellt", sagte ein Qantas-Sprecher der dpa. Gefahr. Untersucht werden nun insgesamt 33 Boeing 737 im Bestand von Qantas, die mehr als 22 600 Starts und Landungen hinter sich haben. Nach Angaben eines Verband von Flugzeug-Ingenieuren (Australian Licensed Aircraft Engineers Association) wurde inzwischen an einem weiteren Flugzeug ein Riss entdeckt. Der Verband appellierte an die Fluggesellschaft, alle insgesamt 77 Maschinen diesen Typs am Boden zu lassen.

Die Boeing 737 ist das Vorgängermodell der 737 Max. Die 737-Max-Modelle sind seit Mitte März wegen zwei Abstürzen mit insgesamt 346 Toten mit Flugverboten belegt.

„Fliegende Särge“: Boeing-Chef muss sich harschen Vorwürfen stellen - und gesteht Fehler

Erstmeldung vom 30. Oktober: Washington - Boeing-Chef Dennis Muilenburg musste sich in Washington den Fragen von Kongressabgeordneten stellen. Im Mittelpunkt: Die Fehler in der Konstruktion von den 737-Max-Maschinen, die zu zwei Abstürzen mit 346 Toten führten. Muilenburg musste diesen Monat von seinem Vorsitz im Verwaltungsrat zurücktreten, nachdem Vorwürfe laut wurden, dass die Defekte Test-Piloten bereits bekannt waren. Chef von Boeing ist er weiterhin.

Boeing-Abstürze: Dennis Muilenburg muss sich vor US-Kongress rechtfertigen

Am Anfang der Anhörung entschuldigte sich Dennis Muilenburg im Namen von Boeing für die folgenreichen Abstürze. Als „Ehemann und Vater“ sei sein Herz wegen der Verluste „gebrochen“, zitiert der Guardian den US-Amerikaner. Ein Jahr ist der Flugzeugabsturz in Indonesien her, dem 189 Menschen zum Opfer fielen, im März dieses Jahres stürzte eine Maschine in Äthiopien ab, 157 Personen starben. Bei beiden Vorfällen handelte es sich um eine „Boeing 737 Max“-Maschine. Nun beschäftigt der Fall die Abgeordneten im US-Kongress.

Das Komitee im Kongress ging in der Anhörung hart ins Gefecht mit Dennis Muilenburg. Boeing wurde vorgeworfen, Profite über Sicherheit gestellt zu haben und eine eher gemütliche Beziehung zu den Regulierungsbehörden gehabt zu haben, die an der Zulassung der Flugzeugreihe beteiligt waren. „Beide Unfälle waren vollständig vermeidbar“, stellt etwa Roger Wicker, Senator von Mississippi, klar.

„Muster der vorsätzlichen Verschleierung“ - US-Kongress teilt gegen Boeing aus

Noch klarere Worte fand Senator Richard Blumenthal aus Connecticut, als er „Muster der vorsätzlichen Verschleierung“ ankreidete. Im 1600 Seiten langen Handbuch von Boeing für Piloten wurde das MCAS-Blockierschutzsystem nur einmal erwähnt. Die Steuerungssoftware soll nach aktuellem Stand der Ermittlungen Schuld an dem Absturz sein. Blumenthal bezeichnet die Boeing-Maschinen sogar als „fliegende Särge“, da Piloten nichts von dem System wussten.

Dennis Muilenburg gab Fehler zu: „Wir wissen, dass wir Fehler und einige Dinge falsch gemacht haben“, heißt es im Redetext des Managers. Es seien allerdings auch große Fortschritte und entscheidende Verbesserungen vorgenommen worden, damit die Modellreihe wieder in Betrieb gehen könnte. „Wenn die 737 Max wieder in Betrieb genommen wird, wird sie eines der sichersten Flugzeuge sein, die jemals geflogen wurden“, gibt Muilenburg an. Gleichzeitig machte er in der Anhörung klar, dass Boeing keine Sicherheit „verkaufen“ würde. „Das ist nicht unser Businessmodell“, erklärte er laut Guardian.

Boeing 737 Max: Hätte wenigstens der zweite Absturz verhindert werden können?

Als Dennis Muilenburg gefragt wurde, ob sie nach der ersten Tragödie nicht den zweiten Absturz verhindern hätten können, gibt der Boeing-Manager Einblick in seine Gedankenwelt: „Ich denke immer und immer wieder über diese Entscheidung nach“, erklärt er. „Wenn wir damals gewusst hätten, was wir heute wissen, hätten wir eine andere Entscheidung getroffen.“ 

mit dpa

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