Starker Aufschwung

Deutschlands Exporteure erhöhen Tempo bei Rekordjagd

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Die deutschen Exportfirmen erwarten für 2017 eine Erhöhung der Ausfuhren. Foto: Christian Charisius/Symbolbild

Der Euro ist stark - doch Deutschlands Exporteure sind stärker. Die Zuversicht der Unternehmen wächst sogar noch. Neue Kritik der Handelspartner scheint programmiert.

Wiesbaden (dpa) - Deutschlands Exporteure lassen sich vom erstarkten Euro nicht auf ihrem Rekordkurs bremsen - im Gegenteil. "Für das Gesamtjahr 2017 erwarten wir nunmehr einen Anstieg der Ausfuhren um fünf Prozent auf 1267 Milliarden Euro", teilte der Präsident des Außenhandelsverbandes BGA, Anton Börner, mit.

Die Einfuhren dürften nach dieser erhöhten Prognose im Gesamtjahr um sechs Prozent auf 1012 Milliarden Euro zulegen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes vom Freitag lieferten hiesige Unternehmen in diesem Juli Waren im Gesamtwert von 103,7 Milliarden Euro ins Ausland.

Das waren nach Berechnungen der Wiesbadener Statistiker 8,0 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Von Januar bis einschließlich Juli 2017 lagen die Exporte mit 742,2 Milliarden Euro um 6,3 Prozent über dem Wert des Vorjahreszeitraums.

Im Vergleich zum Vormonat gab es im Juli jedoch nur ein mageres Plus von 0,2 Prozent. Allerdings hatte der Juni den erfolgsverwöhnten Exporteuren nach einem starken Mai einen Dämpfer gebracht: Im Juni waren die Ausfuhren zum Vormonat um 2,7 Prozent zurückgegangen.

Trotz zweier auf kurze Sicht schwächerer Monate sei der Aufschwung der deutschen Exporte nach wie vor stark, argumentierte ING-Diba-Chefvolkswirt Carsten Brzeski: "Tatsächlich war das durchschnittliche monatliche Exportwachstum in diesem Jahr das höchste seit 2010."

Für Gegenwind könnte die Aufwertung des Euros gegenüber dem Dollar sorgen. Das Erstarken des Euro verteuert Produkte von Firmen aus dem Euroraum auf den Weltmärkten tendenziell. Das könnte die Exporte und damit das hiesige Wachstum dämpfen.

"Die aktuelle Entwicklung des Euros ist in unseren Augen unkritisch", erklärte hingegen BGA-Präsident Börner. "Für Exporteure gibt es gute Möglichkeiten, sich gegen Wechselkursschwankungen abzusichern, und nicht zuletzt werden die Einfuhren aus dem Ausland günstiger."

Die Einfuhren nach Deutschland stiegen im Juli stärker als die Ausfuhren. Waren im Gesamtwert von 84,2 Milliarden Euro wurden nach Angaben des Bundesamtes nach Deutschland importiert und damit 9,4 Prozent mehr als vor Jahresfrist und 2,2 Prozent mehr als im Vormonat. Summiert auf sieben Monate ergab sich zum Vorjahreszeitraum ein Plus von 9,3 Prozent auf 600,4 Milliarden Euro Importe.

In Summe exportiert Deutschland jedoch seit Jahren mehr als es einführt. Das sorgt bei Handelspartnern immer wieder für Kritik, insbesondere bei US-Präsident Donald Trump, der Freihandel generell skeptisch gegenübersteht. Für Juli ergab sich ein Überschuss in der deutschen Handelsbilanz von 19,5 Milliarden Euro.

Auch im Gesamtjahr dürfte die Exportstärke Deutschlands wieder durchschlagen, wie aus aktuellen Berechnungen des Münchner Ifo-Instituts hervorgeht. Deutschland wird demnach 2017 wie schon im vergangenen Jahr das Land mit dem weltweit größten Überschuss in der Leistungsbilanz werden.

Mit einem erwarteten Überschuss von 285 Milliarden Dollar (257 Mrd Euro) werde Europas größte Volkswirtschaft vor China (190 Mrd Dollar) und Japan (170 Mrd Dollar) landen. In den Leistungsbilanz-Überschuss fließen neben dem Austausch von Waren und Dienstleistungen auch Zinsen und Löhne ein.

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