Überfall

Ex-Adidas-Chef und Frau brutal überfallen: „Extreme Gewalt“ bei Raub - Täter kamen ins Schlafzimmer

Mehrere maskierte Einbrecher sind in das Anwesen des ehemaligen Adidas-Eigners Bernard Tapie eingebrochen und haben seine Frau und ihn überwältigt und gefesselt.

Paris - Ein nächtlicher Überfall bei dem früheren Adidas-Eigner, Minister, Schauspieler und Fußballmanager Bernard Tapie sorgt derzeit in Frankreich* für Entrüstung. Die Einbrecher seien mit „extremer Gewalt“ vorgegangen, erklärte der Bürgermeister der kleinen Gemeinde Combs-la-Ville, Guy Geoffroy, in der Tapie und seine Frau leben.

Ex-Adidas-Eigner: Brutal überfallen und gefesselt

Laut Berichten der französischen Nachrichtenagentur afp sind vier vermummte Einbrecher in die Villa eingedrungen und haben das Ehepaar geschlagen und mit Elektrokabeln gefesselt. Bernard Tapie konnte sich nach Angaben aus Ermittlerkreisen befreien und in das Haus eines Nachbarn fliehen, um von dort die Polizei zu alarmieren. Tapies Sohn Stéphane erklärte gegenüber dem französischen Fernsehsender BFM TV „Sie wurden mit Lampen angeleuchtet und so geweckt, gefesselt und verprügelt“. Den Tätern gelang die Flucht mit ihrem Diebesgut. Gestohlen wurden mehrere Wertsachen. Der Wert der Beute ist bisher noch unklar.

Während Dominique Tapie mit leichten Verletzungen ins Krankenhaus gebracht wurde, verweigerte ihr an Krebs erkrankter Mann einen Transport in die Klinik. Beide wurden von den Einbrechern geschlagen. Tapies Ehefrau soll an den Haaren gezogen worden sein.

Ex-Adidas-Manager: Tapie ist eine schillernde Figur der französischen Gesellschaft

Tapie ist einer der schillerndsten Figuren der französischen Gesellschaft. Unter dem sozialistischen Präsidenten François Mitterrand war Tapie in den 90er-Jahren Minister für Städtebau. In Deutschland wurde er durch den Kauf von Adidas 1990 bekannt. Als Tapie jedoch versucht, seine Adidas-Anteile zu verkaufen, kam es zu einem jahrelangen Rechtsstreit. Der ehemalige Minister und Fußball-Klub-Manager sah sich um seinen Gewinn betrogen und klagte daraufhin. In einem Schiedsspruch wurden Tapie 2008 mehr als 400 Millionen Euro Entschädigung zugesprochen.

Dieser Schiedsspruch blieb jedoch nicht ohne Folgen, denn die Entscheidung der Regierung, den Streit zwischen Tapie und der Bank mit einem Schiedsspruch beizulegen, wurde in Frankreich kontrovers diskutiert. Das Urteil des Schiedsgerichts wurde deswegen später von einem Zivilgericht aufgehoben. 2011 nahm die französische Justiz Ermittlungen gegen unter anderem die damalige französische Wirtschaftsministerin und spätere IWF-Chefin Christin Lagarde auf. 2013 wurde ein Verfahren gegen Tapie eröffnet. Der Vorwurf: Tapie habe seine politischen Beziehungen spielen lassen, um einen möglichst für ihn günstigen Ausgang bei den Schiedsrichtern zu erreichen. 2019 wurde Tapie von den Vorwürfen freigesprochen.

Nicht nur wegen dieses Vorfalls wurden gegen Tapie Ermittlungen aufgenommen. Wegen einer Schmiergeldaffäre um den Verein Olympique Marseille, den er 1986 gekauft hatte, wurde er Ende 1995 zu acht Monaten Gefängnis verurteilt. Schon zuvor musste Tapie Privatinsolvenz anmelden. Vor seinen vielen politischen Skandalen versuchte Tapie sich als Rennfahrer in der Formel 3, Sänger, Fernsehmoderator und Schauspieler. Zuletzt spielte er in dem Film „Männer, Frauen: Ein Handbuch“ aus dem Jahr 1996 mit. (phf mit dpa/afp) *merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Michel Euler

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