Unser Film der Woche

"Slow West": So poetisch kann ein Western sein

John Maclean schildert in seinem ruhig erzählten „Slow West“ die Abenteuer eines Kopfgeldjägers. Hier gibt's den Kinotrailer und die Kritik zu unserem Film der Woche.

Das ist keine Effekthascherei. Hier hat jede Leiche ihren Sinn. Regisseur John Maclean reiht sie uns noch einmal alle auf, Bild für Bild. Am Ende eines Films, der zeigt, wie poetisch Western sein kann.

Wie in jedem guten Werk dieses Genres sehen wir viele Todesschüsse, pfützengroße Blutlachen, zerfurchte Gesichter einsamer Gesetzloser. Einer dieser abgehärteten Kerle, die da durchs Amerika des 19. Jahrhunderts ziehen, ist Silas. Maclean, Kino-Debütant, konnte tatsächlich Michael Fassbender dafür gewinnen, den Part des Abenteurers zu übernehmen. Ein Geschenk. Fassbenders herbes Gesicht, sein feines Spiel – kleine Gesten nur, die die Kamera symbolträchtig einfängt. Etwa wenn Silas nach dem Tod eines Ehepaares, dessen Kinder nun durch seine Mitschuld zu Waisen wurden, pfeifend davonreitet, als würde ihn das alles nichts angehen; doch seine Faust ist geballt. Auch er ist noch längst nicht abgestumpft angesichts all der Gewalt in dem rechtlosen Raum, in dem er sich bewegt.

Dieser Mann, der immer auf der Jagd nach der nächsten Person ist, auf die eine Belohnung ausgesetzt ist – „Dead or alive“ –, steht auf der einen Seite. Auf der anderen reitet Jay Cavendish (Kodi Smit-McPhee). Der naive 16-Jährige, Sohn aus adligem Hause, ist auf eigene Faust aus Schottland aufgebrochen, um das Mädchen zu finden, an das er sein Herz verloren hat. Auch Smit-McPhee ist ein Geschenk. Mit seiner blassen Haut, den großen Augen, dem ungelenken, schlaksigen Körper ist er die Idealbesetzung dieses sensiblen, verträumten, noch ganz und gar unschuldigen jungen Mannes.

Jay schließt sich Silas an, der soll ihn zu seiner großen Liebe Rose führen, die mit ihren Eltern ins gelobte Land der Goldgräber ausgewandert ist. Was er nicht ahnt: dass auch auf Rose ein Kopfgeld ausgeschrieben ist – und Silas es nur auf die 2000 Dollar abgesehen hat.

Was folgt, ist eine in ruhigen Bildern erzählte Reise der beiden durch ausgebrannte Wälder, weite Steppen, verfolgt von raubenden Männerhorden und Verzweifelten. Dazwischen setzt Maclean immer wieder Rückblenden wie Pfeilschüsse – aus den Erinnerungen der beiden Männer, die sich einander langsam annähern. Denn was sich mit der geballten Faust bereits andeutet, wird irgendwann Gewissheit. Am Ende sucht auch Silas in dieser brutalen Welt nur nach einem – nach Liebe. Das lehrt ihn der junge Mann an seiner Seite, dem er dafür Schießen und Trinken beibringt: „Liebe ist universell, wie der Tod.“ Dass beide ganz eng beieinanderliegen, hat selten ein Film so berührend gezeigt.

von Katja Kraft

„Slow West“

mit Michael Fassbender

Regie: John Maclean

Laufzeit: 84 Minuten

Rubriklistenbild: © Prokino Filmverleih/dpa

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