Kinotrailer und Filmkritik

„Die Schüler der Madame Anne“: Der etwas andere Paukerfilm

„Die Schüler der Madame Anne“ ist die inspirierende Adaption einer wahren Schulgeschichte

Was für eine Geschichte! Daraus müsste man einen Film machen. Wie gut, dass es einer getan hat, der sie selbst durchlebt hat. Ahmed Dramé heißt der junge Mann. Ein Kind aus einem Pariser Vorort, wer dort aufwächst, hat nicht viel zu erwarten. In seiner Klasse sagt ihm das eine Lehrerin ohne Umschweife: „Ihr schafft das Abi doch sowieso nicht.“ Für sie sind diese Jugendlichen aus allen Ecken der Erde alles hoffnungslose Fälle.

Bis hierher eine Geschichte wie viele andere. Doch dann: Auftritt Madame Anne (streng und verständnisvoll: Ariane Ascaride). Auch diese Lehrerin sagt geradeheraus, was sie denkt. Doch das klingt schon ganz anders: „Ich glaube ja mehr an Euch, als Ihr das selbst tut!“ Sie wünscht sich, dass die Kids sich nicht in der Hoffnungslosigkeit einrichten. Das wäre ja noch schöner. Verschenktes Potenzial. Sie lässt sie am „Nationalen Wettbewerb zum Widerstand und zur Deportation“ teilnehmen. Allein die Länge des Themas schreckt sie schon ab, die coolen Kids. Zunächst. Doch natürlich: Die jungen Leute machen mit, über einige Hürden hinweg, und Madame Annes Plan geht auf. Gemeinschaftsgefühl entsteht. Die Schüler merken endlich: Auch das, was wir denken, hat Relevanz.

Klingt nach Hollywood-Kitsch? Ist es nicht. Dafür sorgt besagter Jungschauspieler Dramé, der selbst einst in der beschriebenen Klasse gesessen hat. Mit 20 hat er seine Geschichte aufgeschrieben, auf ihr beruht das Drehbuch. Regisseurin Marie-Castille Mention-Schaar hat ihn auch daran mitwirken lassen. Und das ist ein Glücksfall. Die Art, wie sich die Schüler unterhalten, ist kein Pseudo-Jugendsprech. Das ist authentisch und verdeutlicht mit jedem Schimpfwort, wie hart es ist, aus einem solch zerrütteten Umfeld herauszukommen. Wer hier wirklich etwas lernen möchte, muss das Selbstbewusstsein haben, über die Parolen der Meinungsführer hinwegzusehen. Alle anderen beugen sich dem Gruppenzwang: Arbeitsverweigerung, Schwänzen, jede Menge Blödsinn machen.

„Das ist jetzt aber gar nicht mehr lustig“ – es ist einer der entscheidenden Sätze. Ausgesprochen von einem Schüler, als Madame Anne ihnen von Kindern in Konzentrationslagern erzählt. Plötzlich sehen sie, dass es noch größere Perspektivlosigkeit gibt. Und dass sich manche dieser Kinder selbst aus den KZs herausgekämpft haben. Was der Kontakt mit Zeitzeugen mit den Schülern macht, beweist Protagonist und Autor Dramé. Inspirierend.

„Die Schüler der Madame Anne“

mit Ahmed Dramé, Ariane Ascaride

Regie: Marie-Castille Mention-Schaar

Laufzeit: 105 Minuten

Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie „Die Kinder des Monsieur Mathieu“ mochten.

Rubriklistenbild: © Neue Versionen Filmverleih/dpa

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