Irgendwie gekünstelt

Bloß eine Schönheit aus 1001 Nacht

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Die energische Frau liegt ihr nicht: Nicole Kidman als Gertrude Bell, hier mit Robert Pattinson.

Operation Wüstensturm trifft Herzschmerzkitsch: Werner Herzogs Filmbiografie über die Autorin und Agentin Gertrude Bell wirkt trotz grandioser Bilder gekünstelt.

Werner Herzogs neuer Spielfilm widmet sich dem bewegten Leben der britischen Schriftstellerin, Historikerin und Geheimdienst-Mitarbeiterin Gertrude Bell, einer Art weiblichem „Lawrence von Arabien“. Die Filmbiografie erzählt aus dem Leben der ungewöhnlichen Engländerin, die entscheidend an der politischen Neuordnung des Nahen Ostens in den Zwanzigerjahren beteiligt war. Die Tochter aus reichem Hause war eine der ersten Frauen, die in Oxford studieren durfte. Anschließend reiste die belesene Dame durch Arabien, angezogen von der alles umfassenden Einsamkeit der Wüste. Sie reiste, weil sie auf der Suche war – und weil sie in ihrer Heimat England keinen Platz mehr fand. In Teheran bekam die Unbehauste dann eine solche Heimstatt, auch wenn die große Liebe recht schnell wieder unglücklich endete.

Lieblingsthema von Werner Herzog

Nicole Kidman spielt diese unbezähmbare Widerspenstige mit einer Verve und einem Körpereinsatz, der an die frühen Herzog-Filme mit Klaus Kinski erinnert. Eine Tour de force ist es, die der Regisseur seiner Hauptdarstellerin abverlangt. Genau beobachtet die Kamera jede Regung und Wandlung der kompromisslosen Frau. Eigentlich geht es doch um ein Lieblingsthema von Herzog – die Geschichte von einem Menchen, der auszieht, um sich selbst in der Wildnis zu finden.

Irgendwie gekünstelt

Doch auf seltsame Weise bleibt Werner Herzogs Spielfilm „Königin der Wüste“ trotz der großartigen Bilder eigentümlich gekünstelt. Das mag durchaus an manchen oberlehrerhaften Dialogen liegen. In erster Linie ist aber wohl Nicole Kidmans gestelzte Art schuld. Sie gibt in diesem unausgegorenen Biopic eindeutig zu häufig lediglich die Schönheit aus 1001 Nacht und kann eben nur in wenigen Momenten als energische, handfeste und zugleich kluge  Europäerin in Nordafrika überzeugen. Stattdessen gerät das Zusammenspiel der Schauspielerin mit den Kollegen  oft  zu einem unpassend süßlichen „Liebesgrüße aus Teheran“. Und leider  übersteht  kein Film, sei er noch so bestechend fotografiert, eine solch eklatante Fehlbesetzung.

„Königin der Wüste“

Mit Nicole Kidman, James Franco, Damian Lewis Regie: Werner Herzog 

Laufzeit: 128 Minuten

Der Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie „Australia“ mochten.

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