Samstagskonferenz bald beim Sportstreamingdienst

Wie teuer wird Fußball für die Fans bei DAZN, Alice Mascia?

Leitet die Geschicke von DAZN in Deutschland: Alice Mascia.

Wer Livefußball in Deutschland vor dem TV erleben will, kommt längst nicht mehr um DAZN herum. Der 2016 hierzulande gestartete Streamingdienst überträgt mittlerweile fast im Alleingang die Champions League, hinzu kommen die Übertragungsrechte an der Bundesliga - bisher für die Spiele freitags und sonntags. Ab kommender Saison läuft der Erstliga-Freitag wieder bei Sky, dafür wandert das Traditionsformat Samstagskonferenz zu DAZN.

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Nach einer hart geführten Rechteausschreibung erwarteten Fans bereits weitere Preiserhöhungen. Die wird es aber nicht geben, verkündete der Medienkonzern jüngst. Im exklusiven Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland spricht Alice Mascia (51), Deutschland-Chefin von DAZN, über die neue Abostrategie, die öffentliche Kritik am eigenen Unternehmen und das Verhältnis zur Deutschen Fußball Liga (DFL).

Frau Mascia, wie oft sehen Sie Hans-Joachim Watzke derzeit – sprechen Sie mit ihm immer noch häufiger als mit Ihrem Ehemann?

Ich sehe wahrscheinlich jeden im Büro und in der gesamten Branche häufiger als ihn, weil er in Asien lebt und arbeitet (lacht). Zu Aki: Ich habe ihm als eine der Ersten gratuliert, als es Borussia Dortmund in die Champions League geschafft hat.

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Als DAZN und die DFL bei der Vergabe der Bundesliga-Rechte im Streit waren, sprachen Sie von quasi täglichem Austausch mit BVB-Boss Watzke in dessen Funktion als Präsidiumssprecher der Liga. Sind alle Differenzen ausgeräumt?

Ja. Wir hatten einen Rechtsstreit, es ging um einen konkreten Vorfall, das Thema ist abgeschlossen. Die Beziehung zur Liga und die alltägliche Zusammenarbeit haben darunter nie gelitten, es ging äußerst respektvoll und professionell zu.

Zur Einordnung: Ihr Gebot für das teuerste Live-Paket mit Spielen am Samstag und Freitag wurde nicht angenommen, obwohl es deutlich höher lag als das von Sky. Die Ausschreibung wurde gestoppt, es ging nach einem Schiedsgerichtsspruch von vorn los – ein einmaliger Vorgang.

Richtig, und DAZN hat an dieser Stelle Recht bekommen. Wir waren zu jenem Zeitpunkt und sind auch weiterhin einer der zwei wichtigsten Rechteinhaber der DFL.

Vita Alice Mascia

Seit April 2022 steht Alice Mascia an der Spitze des Sportstreaminganbieters DAZN in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Italienerin startete ihre Karriere in der Medien- und Telekommunikationsbranche für den US-Medienkonzern News Corp. von Rupert Murdoch, wo sie mit einer kurzen Unterbrechung bei der Beratungsfirma Accenture rund 20 Jahre lang tätig war. 2002 stieg Mascia zum Start des Bezahlsenders Sky Italia ein, von 2008 an arbeitete sie rund zehn Jahre lang bei Sky Deutschland und wechselte anschließend zum australischen Bezahlsender Foxtel. Innerhalb des DAZN-Kosmos wird die Managerin von den beiden Mächtigsten außerordentlich geschätzt: von Shay Segev, CEO des Medienkonzerns, in dem Mascia mittlerweile weltweit eine wichtige Führungsrolle ausübt. Und von Mehrheitseigner Len Blavatnik – dem Multimilliardär, der mit seiner Beteiligungsgesellschaft Access Industries die immensen Investitionen des Streamingdienstes erst möglich macht.

Was sich ab nächster Saison ändert: DAZN zeigt erstmals die Konferenz am Samstag, dafür nicht mehr die Freitagsspiele. Weiter im Programm bleiben die Sonntagspartien. Sie hatten ursprünglich mit dem Großangriff auf die Einzelspiele am Samstag gegen den Rivalen Sky doch mehr vor?

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Beim Neustart des Tenders (TV-Rechte-Auktion; d. Red.) hatte sich die Lage verändert. Wir sind mehr als zufrieden mit den Rechten, die wir nach dem Neustart der Ausschreibung erworben haben. Wir bieten jetzt das beste Angebot für Fußball-Fans, wir haben den Sonntag behalten und die Konferenz, das Herzstück der Bundesliga, dazubekommen. Wir zeigen somit mehr Bundesliga-Live-Berichterstattung als jemals zuvor. Das macht uns sehr glücklich.

Die traditionsreiche Konferenz haben Sie Sky weggeschnappt – das Kultformat bezeichnet der Pay-TV-Sender gern als sein eigenes „Baby“.

Zunächst einmal gilt es, da etwas klarzustellen. Ich habe selbst dort gearbeitet, als Sky 2009 in Deutschland gestartet ist. Da gab es die Konferenz schon, weil der Vorgänger Premiere, der seinerzeit von Sky erworben wurde, das Format erschaffen hat. So viel zur „DNA“ der Konferenz. (lacht) Wir respektieren natürlich die Verantwortung, wenn wir die Konferenz, die ikonisch ist, bald übernehmen, und werden den Fans das beste und emotionalste Erlebnis bieten. Wir sind ganz nah dran, übertragen aus dem Stadion direkt und haben eine ausgezeichnete Crew dafür.

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Einige Details wurden schon veröffentlicht, wie die erwähnte Übertragung aus einem Stadion. Wichtige Personalien wie die von Moderatorin Laura Wontorra oder den Experten Michael Ballack und Sami Khedira sind geklärt. Wie sieht der Plan für die Konferenz genau aus?

Nicht zu vergessen einige unserer Eigengewächse wie Daniel Herzog als Moderator oder Freddy Harder als Kommentator. Das großartige Team, das wir zusätzlich mit Spitzenkräften von anderen Sendern ausgebaut haben, und die Berichterstattung aus dem Stadion sind zwei wichtige Merkmale. Wir berichten von 14:30 bis 18:30 Uhr, wollen die Übertragung in dieser Zeit für die Fans so unterhaltsam wie möglich gestalten und dabei unsere eigene „DAZN-DNA“ einbringen.

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Haben Sie Sorge, dass das Format ohne die Option der Einzelspiele, die eben bei Sky laufen, weniger attraktiv ist – noch dazu, weil Topteams wie der FC Bayern, Leverkusen, Frankfurt und Dortmund mit Abstand am seltensten zu dieser Uhrzeit spielen?

Warum sollte sie? Ich kann Ihnen Zahlen entgegenhalten, die eine klare Sprache sprechen. Am Samstag um 15.30 Uhr kommen die Topmannschaften - und ich nenne bewusst keine Namen - häufiger zum Einsatz als am Samstagabend. Wir liefern, was das angeht, also ein sehr attraktives Angebot. Wir kennen die Einschaltquoten der Konferenz aus den Vorjahren und wissen genau, wie beliebt sie ist.

Spitzenkräfte bei DAZN: Experte Michael Ballack und Moderatorin Laura Wontorra.

Die große Frage nach Preiserhöhungen in den vergangenen Jahren: Müssen Fans künftig noch tiefer in die Tasche greifen?

Nein, ganz im Gegenteil. Wir haben gerade verkündet, dass wir die Konferenz kostenlos in alle DAZN-Pakete inkludieren. Nicht nur im Komplettpaket von DAZN, sondern auch im günstigeren Paket „Super Sports“ ist sie enthalten. „Super Sports“ bietet mit der spanischen La Liga, der Serie A aus Italien und Frankreichs Ligue 1 noch mehr Spitzenfußball sowie die NFL, die UFC (Kampfsportliga; d. Red.), Darts und mehr. Außerdem gibt es direkt nach Abpfiff von allen Bundesliga-Spielen, also inklusive Freitagabend, Samstagnachmittag und -abend sowie Sonntag, die Highlights und die kompletten Spiele in voller Länge auf Abruf – ebenfalls kostenlos in allen Paketen. Für diejenigen, die sich jetzt schnell für ein Abo entscheiden, haben wir aktuell ein Angebot für 9,99 Euro pro Monat anstatt der regulären 19,99 Euro.

Trotz der hohen Ausgaben für die Rechte ist es so weiterhin möglich, schwarze Zahlen zu schreiben, wie seit dem ersten Halbjahr 2024?

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Natürlich. Hinter DAZN liegt eine Evolution. Wir sind mit kleinen und mittleren Rechten gestartet, haben dann co-exklusiv mit Sky die Champions League gezeigt. Seit 2021 übertragen wir die komplette Champions League mit Ausnahme eines Spiels am Dienstagabend (läuft bei Amazon Prime Video; d. Red.) und seit 2020 sind wir einer der beiden wichtigsten Partner der Bundesliga. Wir sind die Nummer eins im Livesport in Deutschland. Unter diesen Voraussetzungen sind wir profitabel geworden. Das hat in Deutschland bis dato kein anderes Unternehmen mit Livesport geschafft. Unser Weg war also erfolgreich und die Zukunftsaussichten sind ebenso hervorragend.

Dazu waren die drastischen Preisanpassungen nötig. Hoffen Sie nun, mit der Konferenz im günstigeren Paket und keiner weiteren Erhöhung die Bundesliga-Fans zu befrieden?

Unser Kundenstamm ist uns immer treu geblieben, wofür wir sehr dankbar sind. Wir hoffen, dass wir noch mehr Fans von DAZN begeistern können.

Wir sind existenziell für das gesamte System.

Alice Mascia

Haben Sie manchmal das Gefühl, zu häufig für etwas kritisiert zu werden, das Sie gar nicht verantworten, weil der Profifußball selbst nach immer mehr Geld verlangt?

Ich sehe das so: Wir als Rechteinhaber sind die größten Unterstützer des Fußballs. In Deutschland haben wir mittlerweile mehr als 1,5 Milliarden Euro in Sportrechte investiert – und die Vereine und Fans profitieren davon. Ohne uns würden einigen Klubs über 50 Prozent der Erlöse fehlen. Der Fußball ist ein umkämpftes Milliardengeschäft, das weltweit Hunderttausende von Arbeitsplätzen schafft. Irgendwo her muss das Geld kommen. Ich verstehe, wenn Fans diese Perspektive nicht einnehmen, obwohl sie sich genauso freuen, wenn ihr Lieblingsverein einen teuren Spieler verpflichtet. All das akzeptieren wir. Als Opfer überzogener Kritik sehen wir uns deshalb nicht. Wir sind existenziell für das gesamte System.

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Apropos: Die Bayern und der BVB nehmen an der sehr lukrativen Klub-WM in den USA teil. Es heißt, eine Milliarde Euro sind für die weltweiten Rechte geflossen, DAZN überträgt das XXL-Turnier kostenlos. Welche Erwartungen sind damit verknüpft?

Die FIFA Klub-WM ist eine einmalige Chance, weil es ein globales Event ist. Wir übertragen sie weltweit und erreichen mit Sicherheit ein großes Publikum. Ich erwarte großartige Duelle, das Turnier kann für DAZN enorme Effekte bringen. Dies ist eine echte Weltmeisterschaft im gelernten Turniermodus, auf einem ganz neuen Level, nur eben für die Klubs. Für die Teams ist es eine historische Chance, für die Fans ein Highlight. Jeder will doch so viel hochklassigen Fußball wie möglich sehen.

Glauben Sie tatsächlich, dass deutsche Fans das so bewerten?

Ja. Schauen Sie sich die Berichterstattung der vergangenen Wochen an. Ich sehe täglich Artikel über den FC Bayern oder den BVB, in denen es um die Klub-WM geht. Das Turnier wird in diesem neuen Format sehr ernst genommen, nicht nur von den Klubs. Auch bei den Fans spüren wir die Vorfreude. Die Spiele mit Beteiligung der zwei deutschen Mannschaften haben wir an ProSiebenSat.1 sublizenziert, die Partien von Bayern und Dortmund werden von Sat.1 parallel übertragen werden. Auch dort sieht man also offenbar großes Potenzial.