Kolumne Premier League Inside

Wenn Anfield erwacht

Immer stimmungsvoll: Das Liverpooler Stadion an der Anfield Road.

Das Beste am englischen Fußball ist, wenn das Stadion erwacht. Besuche beim Fußball in England hören sich anders an als in Deutschland. In den Stadien der Bundesliga wird durchgesungen. Die Ultras unterlegen jedes Spiel mit einem Soundtrack, den man als nervige Dauerbeschallung oder als Ausdruck einer lebendigen Fankultur deuten kann. In England gibt es keine Ultras. Wenn bei den Spielen der Premier League auf dem Rasen nichts passiert, ist es auch auf den Rängen oft leise wie im Kino. Dafür ist es umso beeindruckender, wenn das Stadion seine Stimme entdeckt.

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Neulich konnte ich dieses Phänomen noch einmal erleben. Champions League, der FC Liverpool spielte in Anfield gegen Bayer Leverkusen. Rund eine Stunde lang schwieg das Publikum, passend zu der bis dahin torlosen Partie. Dann begannen die Zuschauer zu singen. Erst kam der Gesang nur aus einer Ecke, dann sangen alle Tribünen. Auf meinem Sitz auf der Pressetribüne hörte ich dem Gesang andächtig zu, für die Spieler wirkte er wie Voodoo. Liverpool schoss in der letzten halben Stunde vier Tore. Luis Díaz drei davon.

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Viele denkwürdige Abende in Liverpool

Für mich war das Spiel Anfang November ein verspäteter Abschied. Sieben Jahre lang habe ich in England gelebt und über den Fußball dort berichtet. Vor allem im Stadion des FC Liverpool habe ich denkwürdige Abende erlebt in dieser Zeit. Seit Herbst wohne ich wieder in Deutschland und schreibe für das RND zwar immer noch hin und wieder über englischen Fußball, bin vor allem neuerdings aber in den Stadien der Bundesliga anzutreffen.

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Deshalb endet mit dieser Folge meine Kolumne „Premier League Inside“, die ich fünf Jahre lang schreiben durfte. Stattdessen werde ich ab dem Start der Bundesliga-Rückrunde einmal wöchentlich eine Kolumne mit Eindrücken und Beobachtungen aus dem Alltag eines Fußball-Reporters verfassen.

Vorher ist Weihnachten. Gut möglich, dass ich mir die Spiele der Premier League anschaue. Und sicher werde ich dabei an das Gefühl denken, wenn die englischen Stadien erwachen.

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