Großer Preis von Mexiko

Neuer Teamgeist beflügelt Lewis Hamilton

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Ein Gespräch mit Mercedes-Motorsportchef Wolff (l) hat Lewis Hamilton motiviert. Foto: Jens Büttner

Vor einem Jahr war die Beziehung von Lewis Hamilton zu Mercedes stark gestört. Der Brite verlor den WM-Titel an seinen ungeliebten Teamkollegen Nico Rosberg. Hamilton fühlte sich zu oft benachteiligt. Teamchef Toto Wolff lud zur Aussprache - mit heilender Wirkung.

Mexiko-Stadt (dpa) - Vor den Grand-Prix-Tagen in Mexiko klang Lewis Hamilton mehr wie ein Tourist und nicht wie ein Formel-1-Pilot, der am Wochenende seine vierte Titelmission vollenden will.

"Mexiko, du hast Sombreros, du hast tolle Musik, es gibt echte Kultur", zählte der britische Mercedes-Fahrer begeistert die Vorzüge des Landes auf. Die Tatsache, dass der 32-Jährige am Sonntag im Millionen-Moloch Mexiko-Stadt mit einem fünften Platz Weltmeister werden könnte, geriet bei ihm fast in den Hintergrund.

Doch vielleicht sagt gerade das einiges mehr über die Dominanz des WM-Spitzenreiters aus als alle großartigen Renn-Analysen. Der Hamilton von 2017 scheint seine Drive-Live-Balance gefunden zu haben. Er wirkt locker wie nie, interessiert sich für und äußert sich zu Themen auch abseits der Strecke, von Politik über Kultur bis hin zum für sich entdeckten veganen Essen. Zugleich bleibt er fokussiert. Er fühle sich geistig und körperlich so gut wie noch nie, sagt Hamilton über sich.

"Ich arbeite seit fünf Jahren mit ihm. Auf diesem Level habe ich ihn noch nie gesehen", stellte auch Mercedes-Teamchef Toto Wolff fest und sieht ihn derzeit "in einer eigenen Liga" fahren. Dabei hat der Österreicher selbst einiges mit der Wandlung seines schnellsten Angestellten zu tun.

Denn der Hamilton von 2016 war frustriert und genervt vom vergifteten Duell mit seinem ungeliebten Teamrivalen Nico Rosberg. Er fühlte sich von seinem Rennstall benachteiligt und ignorierte im Rennen sogar Anweisungen von der Kommandozentrale. Beim Finale in Abu Dhabi, in dem Rosberg sich den Titel sicherte, eskalierte die Situation.

Wolff bat Hamilton zur Aussprache. "Wir hatten letztes Jahr einen schweren Tag in Abu Dhabi. Zwei Tage danach haben wir uns dann in meiner Küche zusammengesetzt, über alles geredet. Lewis ist dann mit einer großartigen Einstellung zurückgekehrt", erinnert er sich. Auch Hamilton sieht in dem Küchengespräch einen wichtigen Impuls: "Es war entscheidend, dass wir alles auf den Tisch gepackt haben, um eine stärkere Beziehung aufzubauen."

Dazu trug auch der überraschende Rücktritt von Rosberg kurz nach dessen WM-Titel bei - und das Ende einer destruktiven Beziehung. "Es war wirklich unangenehm letzes Jahr", sagt Hamilton. Nun hat er in Valtteri Bottas einen Teamkollegen an seiner Seite, der seinen Status nicht gefährdet.

Wolff sieht in der "positiven Beziehung zu Valtteri einen wichtigen Faktor" für den neuen Teamgeist, der Hamilton beflügelt. Der Brite nennt den Finnen einen "außergewöhnlichen Menschen". "Valtteri will durch Leistung und harte Arbeit gewinnen", sagt er. Worte, die Hamilton beim Namen Rosberg nie eingefallen wären.

Dass ihm nun außerhalb des Teams ein Gegner auf Augenhöhe erwachsen ist, hat Hamiltons Motivation nur noch gesteigert. "Es hilft, jetzt gegen ein anderes Team um die WM zu fahren", sagte der Mann aus dem mittelenglischen Stevenage über sein Duell mit dem viermaligen Champion Sebastian Vettel und Ferrari. "Letztes Jahr hatten wir den Hurrikan innerhalb des Teams, mit all seiner Kraft. Jetzt können wir diesen Hurrikan in eine andere Richtung lenken."

Auf dem Autódromo Hermanos Rodríguez kann der neunmalige Saisonsieger nun seine wunderbare Reise durch 2017 vollenden. Mit seinem vierten Titel stiege er zum erfolgreichsten britischen Fahrer auf und würde zu den ganz Großen in der Formel-1-Geschichte zählen. Doch vor allem als Mensch ist er in diesem Jahr gewachsen.

Informationen des Weltverbandes FIA

Fahrerwertung

Streckeninfos

Informationen zu Mexiko

Geschichte des Autódromo Hermanos Rodríguez - spanisch

Mitteilung zum Erdbeben vom 20. September 2017

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