FCB im Viertelfinale der Klub-WM

Bayerns Sieg gegen Flamengo: Die Überlegenheit der europäischen Topklubs

Bayrischer Jubel, brasilianischer Frust: Münchner Profis bejubeln das nächste Tor gegen Flamengo.

Die Spiele südamerikanischer Mannschaften bei der Klub-WM sind ein Gesamterlebnis, das weit mehr umfasst als die 90 Minuten auf dem Stadionrasen. Das war wieder einmal zu beobachten, als Flamengo aus Rio de Janeiro in Miami auf den FC Bayern traf. Schon Stunden vor der Partie hatten die Flamengo-Fans die Parkplätze vor dem Hard Rock Stadium zu einem Festival-Gelände umfunktioniert. Überall saßen Gruppen von Menschen in ihren ikonischen rot-schwarz gestreiften Trikots oder – die Hitze! – mit freiem Oberkörper. Sie hatten Grills aufgebaut und Steaks ins Feuer gelegt, dazu lief Musik, die nach Copacabana, Ipanema und Zuckerhut klang.

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Als das Spiel lief, tanzten Luftballons in Flamengos Farben über die Köpfe der Fans. Die Leute im Block warfen ihre Arme vor und zurück oder setzten sich auf Kommando erst hin und sprangen dann auf. Dazu sangen sie fast durchgehend. Auch als Schiedsrichter Michael Oliver die Partie beendet hatte, fanden die Melodien der Fans kein Ende. „Flameeeeeengo! Flameeeeeengo!“, klang es durch die Arena in Miami, während die Mannschaften den Gang in die Kabine antraten.

Fans von Flamengo feuern vor dem Spiel ihre Mannschaft an.

Und man konnte nicht anders, als dem Vortrag mit einer gewissen Wehmut zu lauschen. Die Fans von Flamengo, die Fans aller Klub-WM-Teilnehmer aus Südamerika, haben das Turnier bereichert, doch es ist gut möglich, dass die finale Phase des Wettbewerbs ohne ihre spezielle Lebensfreude auskommen muss.

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Einer von vier brasilianischen Klubs im Viertelfinale

Das Achtelfinale zwischen dem FC Bayern und Flamengo jedenfalls, das 4:2 für die Münchner endete und ihnen ein Viertelfinale gegen Paris Saint-Germain am Samstag (18 Uhr, DAZN) bringt, war wie eine Gegendarstellung zu der These, dass der südamerikanische Klub-Fußball dabei sei, die Lücke auf jenen in Europa zu schließen.

Trotz Anreiseschwierigkeiten: FC Bayern gewinnt souverän gegen Flamengo
Der FC Bayern München steht im Viertelfinale der Klub-WM. Möglich machte dies ein 4:2-Sieg gegen Flamengo Rio de Janeiro.

Es stimmt: Die Vereine aus Argentinien und vor allem aus Brasilien haben sich gut verkauft bei der Klub-WM. Alle vier brasilianischen Vertreter erreichten das Achtelfinale, einer von ihnen – Palmeiras aus São Paulo – ist sogar schon ins Viertelfinale vorgerückt. Fluminense hat im Achtelfinale gegen Inter Mailand am Montag noch die Chance darauf. Der Bayern-Sieg gegen Flamengo zeigte allerdings beispielhaft, wie groß die Überlegenheit von Europas Top-Adressen ist, wenn sie ernst machen.

Als Manuel Neuer nach der Veranstaltung vor einem Pulk aus deutschen und südamerikanischen Journalisten stand, die leidenschaftlich um das Recht auf die jeweils nächste Frage kämpften, war er immer noch beeindruckt vom Auftritt seiner Mannschaft, insbesondere von der Anfangsphase: „Wir haben ja wirklich losgelegt wie die Feuerwehr, das muss man sagen“, staunte der Münchner Weltmeister-Torwart und Kapitän, und das zu Recht: keine zehn Minuten waren vorbei, als der FC Bayern 2:0 führte durch ein Eigentor und ein Treffer von Harry Kane.

Harry Kane trifft für die Bayern.
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„Teilweise, mal, auch auf Augenhöhe“

Durch die frühe Machtdemonstration war die Partie praktisch entschieden. Zwar kam Flamengo zum Anschluss und konnte nach Leon Goretzkas 3:1 erneut verkürzen, ehe Kane mit seinem zweiten Tor den Endstand herstellte. Wirklich in Gefahr war der Münchner Sieg aber nie. Vermutlich wollte Neuer dem Gegner ein Kompliment machen, als er sagte, dass die Partie „trotzdem teilweise mal ein Duell auch auf Augenhöhe“ gewesen sei. Allerdings war die Augenhöhe dann doch mit ziemlich vielen Einschränkungen versehen – teilweise, mal, auch.

Der Qualitätsunterschied zwischen den Kontrahenten wurde vor allem bei den Toren des FC Bayern deutlich. Alle vier Treffer waren das Ergebnis von Fehlern von Flamengo, in drei Fällen hatten die Münchner diese Fehler durch starkes Pressing erzwungen. Das 1:0 fiel noch ohne ihr Zutun. Erick Pulgar verlängerte eine Ecke per Kopf ins eigene Tor. Vor dem 2:0 eroberte Dayot Upamecano weit in der gegnerischen Hälfte den Ball und setzte Kane ein. Vor dem 3:1 fing Torschütze Goretzka einen schwachen Abwehr-Versuch ab. Das 4:2 durch Kane initiierte Konrad Laimer durch einen Ballgewinn tief im Flamengo-Territorium.

Die Zahlen waren am Ende ordentlich für den Klub aus Rio. Die Mannschaft hatte knapp mehr Ballbesitz und mehr Torschüsse als der FC Bayern. Aber die Münchner waren effizienter. Nie wirkte es, als würden sie die Kontrolle über das Geschehen verlieren. „Wir sind ruhig geblieben und haben es immer wieder geschafft, das Momentum zurück auf unsere Seite zu bringen“, sagte Trainer Vincent Kompany.

Der Lohn dafür ist das Viertelfinale gegen Champions-League-Sieger Paris in Atlanta, in einem klimatisierten Stadion mit verschließbarem Dach. „Hier hilft das natürlich“, sagte Neuer über den Umstand, dass die Partie ausnahmsweise bei Temperaturen stattfinden wird, die für Mitteleuropäer erträglich sind. Trotzdem wird das Treffen mit PSG die bisher mit Abstand größte Aufgabe für die Münchner beim Turnier in den USA.

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Und es steckt auch eine gewisse Symbolik in dem Duell zwischen einem der traditionell erfolgreichsten Klubs Europas (Bayern) und dem aktuell besten (Paris). Die Vereine aus Südamerika, Vereine wie Flamengo, mögen die Klub-WM bereichert haben – die entscheidende Phase des Wettbewerbs könnte aber eine europäische Angelegenheit werden.

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