Edebali in Denver

„Hamburger Jung“ als einziger deutscher NFL-Profi

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Kasim Edebali (l.) geht in seine vierte NFL-Saison und kämpft von nun an in Diensten der Denver Broncos.

Drei Jahre lang durfte sich der Hamburger Kasim Edebali bei den New Orleans Saints in der NFL beweisen. Bei den Denver Broncos will der einzige deutsche NFL-Profi nun durchstarten. 

Mit gerade einmal zehn Jahren kritzelte der kleine Kasim im Schulzimmer seinen Berufswunsch auf einen Zettel. "In der vierten Klasse sollten wir unsere Ziele aufschreiben, und bei mir stand: Linebacker in der NFL", erzählte Kasim Edebali im ran-Interview. Der Rest ist Geschichte. 

In der Nacht zum Dienstag bestreitet der Profi-Footballer gegen die Los Angeles Chargers das erste Spiel für seinen neuen Klub, die Denver Broncos (So sehen Sie den 1. Spieltag der US-Profiliga NFL live*). In seiner vierten Saison ist Edebali erstmals direkt für die Anfangsformation eingeplant - ein großer Schritt. 

NFL: Edebali in Denver für erstes Team vorgesehen

In drei Jahren bei den New Orleans Saints startete Edebali nur zweimal, in 52 Partien wurde er eingewechselt. Besonderen Druck spürt der Sohn eines US-Amerikaners und einer Deutsch-Türkin wegen des Aufstiegs nicht. "An diesem Punkt war ich schon mal. Das war in New Orleans auch schon so. Wenn sich jemand verletzt, übernimmst du seinen Platz und musst einfach alles geben", sagte Edebali bei Altitude Sports

Sein Trainer glaubt an den Hamburger. "Er spielt mit Von (Miller, d.Red.) und dem ersten Team, die jungen Spieler werden die Backups sein. So einfach ist das", sagt Vance Joseph. 

NFL: Diese Regeln sollten Sie kennen

Edebali ist ein Spaßvogel, sein Instagram-Account ist voll von Bildern und Filmen, in denen er sich selbst nicht ganz so ernst nimmt. Besonders gern setzt sich der Glatzkopf Perücken auf und legt die ein oder andere Tanzeinlage hin. Auch im Seventies-Outfit mit Afroschopf, Sonnenbrille und Zigarette im Mund macht Edebali in der Roller-Disko eine gute Figur. "Ich bin vom Charakter her der typische Linebacker: Unterhaltsam, ab und zu ein bisschen laut", sagt er. 

Edebali: Keine einfachen Verhältnisse in Hamburg-Osdorf

Seinen Job allerdings nimmt Edebali zu einhundert Prozent ernst. Disziplin sei das A und O. Schon als kleiner Junge hat Edebali für seinen großen Traum sehr hart gearbeitet. Während andere Jungs aus seiner Hochhaussiedlung in Hamburg-Osdorf auf die schiefe Bahn gerieten, gab es für Edebali immer nur Sport. Ein Freund hatte ihn vor 18 Jahren mit zum Training der Hamburg Flag Huskies genommen. Seitdem ist Football seine große Leidenschaft. Großen Einfluss hatte auch seine Mutter. "Sie hat einen schwarzen Gürtel in Kung Fu, da hatte ich immer Respekt", erzählte Edebali, der ohne seinen Vater aufwuchs. 

Für die Hamburg Huskies war Edebali zunächst als Quarterback im Einsatz. 2007 erhielt er ein Stipendium für die Kimball Union Academy in New Hampshire und schulte zum Linebacker/Defensive End um. Dort verpassten seine Mitschüler ihm auch seinen Spitznamen "Kasim, the dream". Später am Boston College überzeugte Edebali auf ganzer Linie, so dass sich 2014 sein großer Traum erfüllte. Er unterschrieb als ungedrafteter Free Agent bei den Saints. 

Nach drei Jahren lief sein Vertrag in New Orleans aus und die Broncos griffen zu. Nun folgt der nächste Schritt in seiner Karriere. Die erhöhte Aufmerksamkeit als derzeit einziger deutscher NFL-Profi und Starter ist ihm nicht zu Kopf gestiegen. Edebali bleibt bodenständig: "Ich bin immer noch der alte Hamburger Jung."

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sid

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