Die Zwayer-Ansetzung für das EM-Halbfinale ist kaum zu erklären
Der deutsche Schiedsrichter Felix Zwayer leitet das Halbfinale der EM zwischen den Niederlanden und England an diesem Mittwoch. Und es kommt es zum Aufeinandertreffen mit Jude Bellingham. Das birgt besondere Brisanz, die mir diese Ansetzung unerklärlich macht. Der englische Nationalspieler, damals Profi bei Borussia Dortmund, hatte Zwayer im Dezember 2021 nach dem 2:3 des BVB gegen den FC Bayern heftig kritisiert. Zuvor lag der Referee bei zwei Elfmeter-Entscheidungen falsch. „Du gibst einem Schiedsrichter, der schon in Spielmanipulationen verwickelt war, das größte Spiel in Deutschland. Was erwartest du…“, sagte Bellingham seinerzeit.
Der Mittelfeld-Star spielte offensichtlich auf den nun rund 20 Jahre zurückliegenden Skandal um Robert Hoyzer an, in dem Zwayer als Kronzeuge aufgetreten ist. Weil er den Vorgang nicht früher gemeldet hat, wurde er vom DFB gesperrt. Da legte der Verband die Karten nicht offen, was dem Unparteiischen rückblickend schadet – und solche Aussagen wie die Bellinghams erst ermöglicht.
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Zur vollständigen AnsichtDamals machte Zwayer eine Auszeit, seine Karriere stand auf dem Spiel. Und nun, zweieinhalb Jahre später, bekommt er nun von UEFA-Schiri-Chef Roberto Rosetti dieses Spiel zugeteilt – das ausgerechnet in Dortmund stattfindet, dem damaligen Ort des Geschehens. Aus meiner Sicht gibt es nur zwei Motive: Entweder soll Zwayer besonders gestützt und rehabilitiert oder aber bewusst geschwächt werden. Grund: Der interne Konkurrenzkampf mit den deutschen Schiedsrichtern. In beiden Fällen ist die Ansetzung verrückt, das darf Rosetti so nicht machen. Wenn er dem 43-Jährigen ein Halbfinale zuteilen soll, dann lieber das zwischen Frankreich und Spanien, das viel weniger Zündstoff für alle Beteiligten birgt.
Für Zwayer ist es der vierte Einsatz bei seinem ersten großen Turnier. Im Achtelfinale der Niederlande gegen Rumänien (3:0) ist ihm ein Fehler unterlaufen, als er einen Angriff der Rumänen unterbrach. Der große Aufschrei da blieb aber aus. So darf er nun noch einmal ran. Er überzeugt grundsätzlich mit seiner Laufstärke, tendiert aber hin und wieder zu kleinlichen Entscheidungen, schnellen Gelben Karten und recht wenig Kommunikation.
In der Vorschlussrunde der EM steht er im besonderen Fokus – und kann fast nur verlieren. Egal, wie er sich schlägt: die Vorgeschichte spielt immer eine Rolle. Die englische Presse kann gnadenlos sein, die Atmosphäre wird aufgeheizt sein. Und selbst, wenn das Pendel zu den „Three Lions“ ausschlägt, muss er mit Vorwürfen der niederländischen Seite rechnen. Deshalb ist für mich klar: Nur Rosetti kann wissen, wieso er sich für Zwayers Ansetzung entschieden hat.