Ohne den vierfachen Weltmeister

WM 2018 ohne Italien: Darum sind die Azzurri in Russland nicht dabei

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Gianluigi Buffon konnte die Tränen nicht zurückhalten.

Die WM 2018 findet ohne Italien statt. Für die Azzurri ein absoluter Horror! Darum ist Italien bei der Weltmeisterschaft in Russland nicht dabei.

An diesen Gedanken müssen wir uns erst noch gewöhnen: Eine Fußball-Weltmeisterschaft ohne Italien. Klingt komisch, ist aber so. Die italienische Nationalmannschaft ist bei der WM 2018 nicht dabei. Zum ersten Mal seit 60 Jahren. 

Das Guiseppe Meazza gab am Abend des 13. November 2017 ein großes Bild der Trauer wieder: Tränen, ungläubige Blicke und gesenkte Köpfe. Vor allem der leidende Gianluigi Buffon, der unmittelbar nach dem Schlusspfiff weinte und seine Gefühle vor laufender Kamera nicht zurückhalten konnte, war das Spiegelbild der italienischen Nationalmannschaft, die sich nicht für die Weltmeisterschaft 2018 qualifizieren konnte. Selbst der emotionsloseste Fan empfand hierbei ein wenig Mitleid. Doch wie konnte es eigentlich kommen, dass eine der erfolgreichsten Fußball-Nationen der Geschichte an der Qualifikation scheiterte?

WM 2018 ohne Italien: So lief die WM-Qualfikationsrunde der Azzurri

Tabelle: 

Platz

Verein

Spiele

Tore

Punkte

1

Spanien

10

36:3

28

2

Italien

10

21:8

23

3

Albanien

10

10:13

13

4

Israel

10

10:15

12

5

Mazedonien

10

15:15

11

6

Liechtenstein

10

1:39

0

Die neun Gruppensieger der europäischen Qualifikationsrunde qualifizieren sich direkt für das Turnier in Russland. Die acht besten Gruppenzweiten spielen in Hin- und Rückspiel vier weitere Plätze aus. 

Die Italiener kamen nicht schlecht aus den Startlöchern. Am ersten Spieltag der Runde gewannen sie in Israel mit 3:1. Von Vornherein war klar, dass es sich höchstwahrscheinlich auf einen Zweikampf mit Spanien herauslaufen wird.

Am zweiten Spieltag empfing die Squadra Azzura die Elf der iberischen Halbinsel. Daniele de Rossis Elfmeter rettete den Südeuropäern einen Punkt. Ein Ergebnis mit den beiden Teams bis dato leben konnten.

Doch schon am dritten Spieltag zeigten sich einige Schwächen. Beim Underdog aus Mazedonien lagen die Jungs von Trainer Gian Piero Ventura mit 1:2 hinten, bis sie Immobile mit einem Doppelschlag (75.; 92.) erlöste und das Stadion in Skopje zum Schweigen brachte. Zeitgleich gab sich Spanien in Albanien keine Blöße und die beiden Favoriten lagen gleich auf.

Auch die nächsten drei Spieltage überstanden die Azurblauen schadlos. Zwei Pflichtsiege gegen Liechtenstein und ein 2:0 gegen Albanien ließ die Gruppe G noch völlig offen.

Am 7. Spieltag fiel dann die Vorentscheidung. Beim Topspiel im Santiago Bernabeu gingen die Italiener mit 0:3 baden. Spanien erwischte in Person von Isco einen Sahnetag und ließ den Gästen keine Chance. So zog der Weltmeister in der Tabelle auf drei Punkte davon.

Die Minimalchance auf den Gruppensieg verspielte die Squadra Azzura bei einem 1:1 am 8. Spieltag daheim gegen Mazedonien. Nach dem Match stand die Teilnahme an den Playoffs fest.

WM 2018 ohne Italien: So liefen die Playoffspiele

Bei der Auslosung der Playoffspiele hatte die Elf von Ventura Pech. Mögliche Gegner wie Nordirland, Griechenland oder Irland wären leichtere Aufgaben gewesen wie das zugeloste Schweden. Die Skandinavier setzten sich eindrucksvoll gegen die Niederländer im Kampf um Platz zwei in ihrer Gruppe durch. Nichtsdestrotz wurde die Favoritenrolle den Azurblauen zugeschrieben 

Das Hinspiel fand in Schweden statt. In einem ausgeglichenen Match gab es vor allem in der ersten Halbzeit Chancen auf beiden Seiten. Nach einer torlosen Hälfte kamen die Italiener stärker aus der Kabine und verbuchten mehrere Möglichkeiten. Schwedens Trainer Janne Andersson zeigte aber mit der Einwechslung von Johan Johansson das glücklichere Händchen.  Der Stürmer sorgte mit seinem Treffer in der 61. Minute für das Tor des Tages. Es war ein Tor, dass noch viel drastischere Auswirkung auf die Südeuropäer haben sollte. 

Beim Rückspiel im San Siro war alles für einen denkwürdigen Fußballabend vorbereitet. Schon bei der Hymne der Schweden ging ein schallendes Pfeifkonzert durch das Stadion. Eins war klar: Schweden kämpfte hier gegen mehr als nur die elf Spieler. Das Spiel war geprägt von mehreren strittigen Szenen in den Strafräumen auf beiden Seiten. Die Italiener konnten ihre optische Überlegenheit in Chancen umsetzen, kamen aber nicht zum erwünschten Torerfolg, der zumindest die Verlängerung bedeutet hätte. Torhüter Robin Olsen, der Querbalken und das italienische Unvermögen verhinderten den verdienten Treffer. Sogar Buffon hielt es nicht mehr in der eigenen Hälfte und war bei den letzten Standards vorne zu finden - vergeblich, 0:0, Schlusspfiff. Anschließend gab es nur eine kleine Gruppe von glücklichen Menschen im Guiseppe Meazza und die trug ausschließlich gelb. Die italienische Nationalmannschaft, die schon oft die großen Turniere prägte und für dramatische Momente in den letzten 60 Jahren sorgte, verpasst zum ersten Mal seit 1958 eine Weltmeisterschaft. Die Konsequente bekam auch Trainer Gian Piero Ventura zu spüren, der nicht mehr im Amt ist

WM 2018 ohne Italien: Auf diese Stars müssen wir verzichten:

Gianluigi Buffon (Juventus Turin):

Torwartlegende, Ikone und tragischer Held. 2006 konnte er die Weltmeisterschaft in Deutschland gewinnen. Allerdings gab er nach dem Ausscheiden gegen Schweden seinen Rücktritt aus der Nationalelf bekannt. Mit 39 Jahren wäre das Turnier in Russland wohl die letzte Weltmeisterschaft seiner Karriere gewesen. Allerdings folgte ein paar Wochen nach dem Match eine Aussage, die wohl den Italienern gefallen wird. "Selbst wenn ich 60 wäre, könnte ich eine Nominierung nicht ablehnen", sagte Buffon. "Ich habe einfach diesen Nationalgedanken in mir." Mit Juventus Turin versucht er noch sein letztes sportliches Ziel zu erreichen: Gewinn der Champions League. Der Pokal der Köngisklasse würde seine Sammlung wohl komplettieren. Für alle Fans, die großartige Torwartparaden bei großen Turnieren und abgezocktes Verhalten zu schätzen wissen, ist die Nicht-Teilnahme Buffons in Russland eine traurige Angelegenheit. 

Daniele de Rossi (AS Rom):

Der Mittelfeldmotor ist bekannt für seine extrovertierte Art. Mit Tattoos und auffällige Frisuren fällt er nicht nur wegen seines aggressiven Spielstils auf. Unvergessen bleibt wohl sein Ellbogenschlag in der Gruppenphase der Weltmeisterschaft 2006 gegen die USA. Auch wenn sein hitziges Temperament hin und wieder über seine Vernunft siegt, so ist seine Loyalität bemerkenswert. Seit 2002 ist er beim AS Rom tätig und auch beim Playoff-Rückspiel wollte er lieber zurückstecken als eingewechselt zu werden. Als die Italiener dringend ein Tor brauchten und de Rossi sich auf Anweisung des Trainers bereit machen sollte, wies er den Coach daraufhin, dass mit Lorenzo Insigne ein Stürmer auf der Bank säße, der dem Team eher weiterhelfen könnte.  

Andrea Barzagli (Juventus Turin):

Den deutschen Fans ist Andrea Barzagli nicht nur wegen seinem Einsatz bei der Weltmeisterschaft 2006 oder seiner Zeit beim VfL Wolfsburg bekannt, sondern auch wegen seinen überragenden Leistungen bei Juventus Turin bekannt. Der Teamkollege von Buffon hätte es beinahe geschafft, die überragenden Champions-League-Saison Turins mit dem Titel zu krönen. Als Innenverteidiger ist Barzagli kein außergewöhnlicher Schönspieler, aber die Liebhaber der alten Schule werden ihn bei der WM vermissen.

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AnK

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