Von Unmut bis Gelassenheit

Weiter Debatte um Videobeweis

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Am zweiten Spieltag funktionierte alles: Auf Augsburgs Anzeigetafel wird signalisiert, dass der Videoassistent eine Szene überprüft. Foto: Stefan Puchner

Der neue Videobeweis liefert der Fußball-Bundesliga weiter Stoff für Diskussionen. Technisch funktionierte das neue Hilfsmittel am zweiten Spieltag zwar, doch Kritik gibt es trotzdem.

Berlin (dpa) - Auch nach dem abgespeckten Einsatz des Videobeweises am zweiten Spieltag führt die Fußball-Bundesliga weiter eine Gerechtigkeitsdebatte.

Dem Unmut manch Verantwortlicher wie Rudi Völler über strittige Entscheidungen der Video-Assistenten setzte Mönchengladbachs Trainer Dieter Hecking ein Plädoyer für mehr Geduld entgegen. "Natürlich sind im Moment Probleme da. In Deutschland schreien dann gleich die Leute auf. Wir müssen da alle toleranter werden im Umgang mit dem Video-Schiedsrichter", sagte der Coach der Borussia.

Technisch zumindest erfüllte das neue Hilfsmittel der Referees am zweiten Spieltag die Erwartungen, nachdem es zum Auftakt noch mehrere Pannen gegeben hatte. Der Funkkontakt zwischen den Assistenten in der Kölner Leitstelle und den Schiedsrichtern in den Stadien funktionierte diesmal, auf den Einsatz der virtuellen Abseitslinie hatte die Deutsche Fußball Liga wegen der Probleme in der Vorwoche vorerst verzichtet.

Zufrieden aber sind noch längst nicht alle mit der bisherigen Praxis in der Videobeweis-Testphase. Leverkusens Sportchef Rudi Völler attackierte nach dem 2:2 der Werkself gegen Hoffenheim den Videoassistenten Wolfgang Stark, der angeblich ein Foul vor dem Ausgleich der Gäste übersehen hatte. "Wenn die Jungs vor dem Fernseher einschlafen, brauchen wir auch keinen Videobeweis. Dann können wir die ganze Nummer abstellen", schimpfte Völler. Trainer Heiko Herrlich stimmte zu und behauptete: "Ich war schon immer ein Gegner des Videobeweises."

Auch der Mainzer Torwart René Adler hatte etwas auszusetzen, nachdem ihn beim 0:1 in Stuttgart die TV-Bilder nachträglich als Mitverursacher eines Strafstoßes zeigten. "Der Videobeweis geht mir auf die Nerven", sagte der Keeper im ZDF-"Sportstudio". Sein Trainer Sandro Schwarz indes ließ wissen: "Ich gehe davon aus, ohne die Bilder gesehen zu haben, dass es dann auch richtig ist."

Genau zu dieser Form der Gelassenheit mahnte auch sein VfB-Kollege Hannes Wolf. "Wir stehen da draußen und können es ohnehin nicht beeinflussen. Deswegen macht es überhaupt keinen Sinn, sich damit zu beschäftigen", sagte der Bundesliga-Neuling.

Auch Kevin-Prince Boateng sieht keinen Grund zur weiteren Aufregung um den Videobeweis. Dem Bundesliga-Rückkehrer war beim 0:1 seiner Frankfurter Eintracht gegen Wolfsburg zunächst ein Foulelfmeter zugesprochen worden, ehe der Videoassistent wegen einer vorherigen Abseitsstellung von Boateng die Entscheidung korrigierte. "Dafür sind die Video-Schiris da", sagte Boateng lapidar.

Trainer-Routinier Hecking hält die Debatte um die Technik-Hilfe für überhitzt. "Wenn man nach 100 Tagen sieht, es geht nicht, dann wird es eingestampft werden. Ich denke aber, dass nach 100 Tagen die Schwierigkeiten beseitigt sein werden und wir alle die Gerechtigkeit erfahren, die wir uns davon erhoffen", meinte Hecking. Augsburgs Coach Manuel Baum hält lediglich noch etwas Feinschliff beim Einsatz des Videoassistenten für nötig.

Noch gewöhnungsbedürftig ist für viele indes die Wartezeit auf das Urteil des Video-Schiedsrichters. "Wenn du so lange brauchst für die Entscheidung, ist es wichtig, dass du es auch nachspielen lässt. Das ist ein wichtiger Faktor", mahnte der Mainzer Sportdirektor Rouven Schröder. Der frühere Nationalspieler Kevin Kuranyi fürchtet negative Auswirkungen auf die Stimmung in den Stadien. "Da geht kein Spieler und kein Fan mehr so richtig ab, wenn ein Tor fällt", sagte Kuranyi der "Bild am Sonntag".

Mitteilung der DFL

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