„Einen guten Konsens zu finden, ist schwierig“

Streitfall Regionalliga-Aufsteiger: Heikle Diskussionen bis in die 3. Liga

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Der TSV 1860 München führt derzeit die Regionalliga Bayern an und müsste als Meister in die Aufstiegsplayoffs.

Sie klingen fast wie Partei-Programme. Sie sollen einen Beitrag zur Lösung des Aufstiegsproblems in der Regionalliga leisten. Ideen gibt es reichlich. Eine DFB-AG soll sie prüfen. „Einen guten Konsens zu finden, ist schwierig“, sagt aber bereits der DFB-Chef.

Leipzig - Das Thema betrifft Fußball-Deutschland. Es liegt in der Schnittstelle zwischen Profis und Amateuren. Es wird im Norden wie im Süden, im Westen wie im Osten heiß diskutiert: Es geht um fünf Regionalligen, aber nur drei Aufsteiger in den Profi-Fußball. Das heißt, wer Meister in einer der Regionalligen wird, ist noch lange kein neuer Drittligist.

Der Unmut schwelt lange. Eine optimale Lösung für alle scheint es kaum zu geben. „Wer sich mit dem Thema seriös beschäftigt, wird schnell erkennen: einen guten Konsens zu finden, ist schwierig“, sagte DFB-Präsident Reinhard Grindel unlängst der Funke-Mediengruppe zu dem Thema.

„Probleme der Regionalliga dürfen nicht auf Kosten der 3. Liga behoben werden“

Würden mehr Teams aufsteigen können, müssten statt drei auch mehr Mannschaften aus der 3. Liga absteigen. „Die Probleme der offensichtlich nicht funktionierenden Regionalliga dürfen nicht auf Kosten der funktionierenden 3. Liga behoben werden“, sagt Mario Kallnik. Er ist Geschäftsführer des Drittliga-Zweiten 1. FC Magdeburg und einer der Vereinsvertreter der dritthöchsten deutschen Spielklasse.

Grundsätzlich plädieren die 20 Drittligisten dafür, dass weiterhin nur drei Mannschaften absteigen müssen. Es gibt aber aber auch die Bereitschaft für einen Kompromiss mit vier Absteigern. Dafür müssten aber neue Strukturen in den Regionalligen geschaffen werden.

Diese sind seit der Saison 2012/2013 in die Bereiche Nord, Nordort, West, Südwest und Bayern aufgeteilt. Sie unterstehen den jeweiligen Regionalverbänden. Vorher gab es drei Regionalligen als Bundesspielklasse des DFB. „Die vorgenommene Neugestaltung hatte insbesondere Auswirkungen auf die bisherige Auf- und Abstiegsregelung sowie die Struktur einzelner Oberligen der Landesverbände“, heißt es auf der DFB-Homepage zur damaligen Reform.

Der Meister muss direkt aufsteigen - aber wie soll das gehen?

Dass die drei Aufsteiger unter den fünf Regionalliga-Meistern plus der Tabellenzweite der Regionalliga Südwest in Hin- und Rückspiel-Playoffs nach den Meisterrunden ermittelt werden, sorgte seit jeher für Unmut. Alle Beteiligten bringen es auf einen Nenner: Der Meister muss direkt aufsteigen.

Aber wie? Die Zahl der Regionalligen wieder verringern? Die Zahl der Drittligisten auf 22 erhöhen und damit die der Absteiger auf fünf? Eine zweigleisige 3. Liga? Eine vom DFB berufene Arbeitsgemeinschaft mit je einem Vertreter der fünf Regionalligen, fünf Vertretern aus der 3. Liga sowie mehreren Vertretern der Deutschen Fußball Liga (DFL) soll Modelle prüfen und den Weg für eine Reform bereiten.

Zwei- oder dreigleisige 4. Liga unter dem Dach des DFB?

Grindel bevorzugt die Variante „Vier von Fünf“, sprich vier Aufsteiger aus den fünf Regionalligen. Eine Möglichkeit, die auch der Nordostdeutsche Fußballverband NOFV in seinem Konzept „Anstoß Nordost“ in Betracht zieht - allerdings nur als Übergangslösung. Vielmehr schlägt der NOFV die Einführung einer zwei- oder dreigleisigen 4. Liga unter dem Dach des DFB vor. Dies würde „der leistungsorientierten Entwicklung des Fußballsports in Deutschland Rechnung“ tragen, heißt es im NOFV-Papier.

Im Westen und Südwesten wird für eine viergleisige Regionalliga plädiert mit vier direkten Aufsteigern. Der Präsident des Westdeutschen Fußballverbandes, Hermann Korfmacher, kann sich den „Ruhr-Nachrichten“ zufolge „mittlerweile aber auch mit dem Modell „Vier aus Fünf“ gut anfreunden“.

Der Norddeutsche Verband NFV und der Bayerische Verband BFV votieren für ein direktes Aufstiegsrecht der Meister im Westen und Südwesten. Die Bayern halten in ihrer sogenannten „Wendelsteiner Vorlage“ eine Zusammenlegung der drei weiteren Liga wegen der räumlichen Distanzen nicht für sinnvoll. Laut NFV würden die Meister der Regionalligen Bayern, Nord und Nordost untereinander in einem jährlich rotierenden Verfahren die beiden weiteren Aufsteiger ermitteln. Keine leichte Aufgabe für die AG mit der Mission Aufstiegsneuregelung des DFB.

dpa

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