Streit unter Referees

Schiri spricht von DFB-„Vetternwirtschaft“ - Krug ist empört

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Schiri Manuel Gräfe sorgt beim DFB für Empörung

Eigentlich sollen sie für Ordnung auf dem Platz sorgen - unter früheren und aktuellen DFB-Schiedsrichtern tobt aber ein heftiger Streit. Der Grund: Heftige Vorwürfe von Referee Manuel Gräfe.

Frankfurt am Main/Berlin - Streit unter Schiedsrichtern: Bundesliga-Referee Manuel Gräfe sorgt für Zoff beim DFB. In einem Interview war er am Wochenende hart mit Kollegen und früheren Vorgesetzten ins Gericht gegangen. 

Fehlende Transparenz, schlechter Führungsstil, Vetternwirtschaft - die Liste der Vorwürfe an die früheren Schiri-Chefs Herbert Fandel und Hellmut Krug war lang. "Die beiden haben sich ihre Schiedsrichterliste so zusammengebastelt, wie sie es wollten", sagte Gräfe dem Berliner Tagesspiegel. Gräfe fand es "exemplarisch", dass sich Bibiana Steinhaus erst als erste Schiedsrichterin für die Bundesliga qualifiziert habe, nachdem Lutz Michael Fröhlich (59) das Amt des Schiedsrichter-Chefs übernommen hat. Seither gehe es ausschließlich nach Leistung, so Gräfe.

„Unverzeihlich“?

Jetzt kontert Krug, der mittlerweile beim DFB Chef-Instruktor der Referees und Projektleiter Video ist. "Dass ein Schiedsrichter einen Kollegen aus den eigenen Reihen angreift und ihn diskreditiert, das ist für uns unverzeihlich und nicht akzeptabel", sagte der 61-Jährige beim Fußball-Talk Sky90 am Montagabend.

In seiner Kritik hatte der 43-jährige Gräfe in einem Tagesspiegel-Interview am vergangenen Wochenende auch verbal gegen den noch aktiven Berliner Referee Felix Zwayer (36) geschossen: "Wie kann so jemand bis in die Spitze der deutschen Top-Schiedsrichter kommen? Kann es vielleicht sein, dass Fandel und Krug dort einen Mann haben wollten, der ihnen zu bedingungsloser Loyalität verpflichtet war?"

Krug: „Die Form muss gewahrt werden!“

Krug kann die Vorgehensweise von Gräfe nicht nachvollziehen: "Manuel kann kritisieren, aber die Form muss gewahrt werden. Wir Referees treffen uns mehrmals im Jahr, deswegen hat uns die Kritik komplett überrascht. Wir werden uns zusammensetzen und das aufarbeiten."

Gräfe hatte außerdem Krug und Ex-Schiedsrichter-Chef Herbert Fandel (53) harsch attackiert, diesen fehlende Transparenz, schlechten Führungsstil und Vetternwirtschaft vorgeworfen. "Wir sind alle irritiert. Zum einen, was den Zeitpunkt angeht, das zum Saisonstart zu machen, zum anderen, was die Inhalte betrifft", sagte Krug.

Merk wirft Gräfe eine Neid-Debatte vor

Auch Sky-Schiedsrichter-Experte Markus Merk (55) kritisierte Gräfe: "Das ist unvorstellbar. In keinem Team dieser Welt darf es so etwas geben. Dem Vorgesetzten gegenüber sowieso, aber vor allem, das ist das, was mich am meisten ärgert: die Diskreditierung eines Referee-Kollegen."

Der Lauterer brach eine Lanze für den von Gräfe angegriffenen Zwayer. Dieser "ist ein Top-Mann, hat in den letzten Jahren Manuel Gräfe in der FIFA-Liste überholt, das kratzt und beißt vielleicht an ihm. Aber das rechtfertigt nicht die Vorgehensweise in der Öffentlichkeit", so Merk.

Zuspruch von Heynemann

Der Schiedsrichter-Boss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Lutz Michael Fröhlich, hatte nach Bekanntwerden des Interviews erklärt: "Bei allem Verständnis zu einer öffentlichen Meinungsäußerung geht es entschieden zu weit, wenn ein Schiedsrichter einen Kollegen öffentlich und in dieser Form attackiert. Darüber muss mit Manuel Gräfe geredet werden, und zwar zeitnah." Auch die Einlassungen Gräfes in Richtung Krug und Fandel hatte Fröhlich scharf getadelt.

Der einstige Magdeburger Spitzen-Schiri Bernd Heynemann (63) war Gräfe indes zur Seite gesprungen. Im Sport1-Doppelpass sagte er über das Gräfe-Interview: "Aus meiner eigenen Erfahrung ist da nicht viel Falsches dran."

SID/fn

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