Bayern-Boss im Interview

Rummenigge: Das sagt er zur Financial-Fair-Play-Reform und zur 50+1-Regel

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Karl-Heinz Rummenigge.

Karl-Heinz Rummenigge kann sich nun voll und ganz auf seine Tätigkeit als Bayern-Boss konzentrieren. Den Vorsitz bei der ECA hat er abgegeben. Das sagt er zum Financial Fair Play und zur 50+1-Regel.

Karl-Heinz Rummenigge unterstützt eine zumindest teilweise Abschaffung der 50+1-Regel in der Fußball-Bundesliga, die derzeit Investoren verbietet, die Mehrheit an den Klubs zu übernehmen. "Ich persönlich bin dafür, dass jeder Verein selbst entscheidet, ob er die Tür für fremdes Kapital aufmacht", sagte der 61-Jährige beim Football Summit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Die Regel, die nur in streng geregelten Ausnahmefällen umgangen werden kann, sei "ein Luxus, und die Frage ist, wie lange wir das noch aufrechterhalten können", sagte Rummenigge: "Wir sind die letzte der Top-5-Ligen, die sich diesen Luxus noch leistet."

Investoren könnten die Wettbewerbsfähigkeit der Liga erhöhen. Zudem "haben wir einen Wettbewerb, den ich nicht nur national, sondern auch global sehe", sagte Rummenigge. Zwar sehe der Vorstandsvorsitzende des deutschen Rekordmeisters derzeit keine Krise, die eine Abschaffung der 50+1-Regel zwingend nötig machen würde: "Aber ich schließe nicht aus, dass wir irgendwann etwas tun müssen für den globalen Wettbewerb."

Rummenigge fordert Reform des Financial Fair Play

Der 61-Jährige spricht sich auch klar für eine Reform des Financial Fair Play (FFP) aus, um den Transfer-Wahnsinn wieder einzudämmen. "Es muss angepasst und modernisiert werden", sagte er: "Wir müssen die Dinge überdenken und zusammen mit der Europäischen Fußball-Union angehen."

Das FFP war eingeführt worden, um zu kontrollieren, dass die europäischen Klubs grundsätzlich nicht mehr ausgeben als einnehmen. "Wir wussten von Anfang an, dass es vielleicht kein Holzschwert, aber auch kein scharfes Schwert ist", sagte Rummenigge, der sich für "ein bisschen mehr Rationalität und Kontrolle" aussprach. Vor kurzem erst hatte er seinen Vorsitz bei der European Club Association (ECA), der europäischen Klub-Vereinigung, aufgegeben.

In der vergangenen Transferperiode waren die Ablösesummen schier explodiert. Paris St. Germain überwies 222 Millionen für den Brasilianer Neymar an den FC Barcelona. "Wir müssen vorsichtig sein was das Verständnis der Öffentlichkeit und unserer Fans angeht", sagte Rummenigge: "Ein Sprichwort heißt 'Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht.' Wir müssen aufpassen, dass er nicht bricht." 

„Ceferin wird auch den unbequemen Weg gehen“

Der Bayern-Boss sei aber überzeugt, dass UEFA-Präsident Aleksander Ceferin "klar und konsequent" gegen den neuen Trend vorgehen werde. "Ich glaube nicht, dass er sich da zurückpfeifen oder beeinflussen lässt. Er wird auch den unbequemen Weg gehen."

Auch neue Gesetze auf EU-Ebene könnten helfen. "Ich glaube, es ist ein guter Zeitpunkt, mit den Damen und Herren in Brüssel (am Europäischen Gerichtshof, d. Red.) zu diskutieren", sagte Rummenigge. Die Bereitschaft bei den europäischen Wettbewerbshütern, die Geschäfte im Fußball zu regulieren, sei "größer geworden".

Die Neymar-Ablöse werde "über Jahre" die Höchstsumme bleiben, sagte der 61-Jährige: "Weil ich nur zwei Klubs sehe, die in dieser Größenordnung handeln können." Gemeint waren Paris und Manchester City, die beide regierungsnahen Investoren aus dem Nahen Osten gehören.

SID

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