Nach nur vier Monaten

1. FC Nürnberg entlässt Trainer Ismael

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132 Tage war Valerien Ismael der Trainer des 1. FC Nürnberg. Am Montag wurde er entlassen.

Nürnberg - Paukenschlag beim 1. FC Nürnberg: Am Montagabend hat sich der Fußball-Zweitligist von seinem Trainer Valerien Ismael getrennt - nach nur vier Monaten.

Nach gerade einmal 132 Tagen war für Valerien Ismael beim Fußball-Zweitligisten 1. FC Nürnberg schon wieder Schluss: Wie erwartet reagierte der Club am Montagabend auf die sportliche Krise und entließ den 39 Jahre alten Franzosen nach einer mehrstündigen Sitzung des Aufsichtsrates.

„Nach eingehender Beratung hat sich der Aufsichtsrat dem Antrag des Vorstandes und der sportlichen Leitung nicht verschlossen, Cheftrainer Valerien Ismael mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben zu entbinden“, sagte der neue Aufsichtsrats-Boss Thomas Grethlein. Bereits im Vorfeld hatte er betont, dass die Leistung der Mannschaft „keine Argumente mehr“ liefere: „Wir befinden uns in einer sehr kritischen Lage.“

Ismael selbst reagierte frustriert. „Ich bin natürlich enttäuscht und auch leer. Ein bisschen hat es sich abgezeichnet, aber ich bin dennoch traurig. Die Arbeit bei diesem Verein hat mir großen Spaß gemacht“, sagte Ismael bei Sport1. Das Training der Profis leiten Fitness- und Reha-Trainer Markus Zidek und Torwart-Trainer Daniel Klewer, bis ein neuer Chefcoach verpflichtet ist. „Es gibt noch kein Anforderungsprofil und es wurden noch keine Gespräche geführt“, sagte Sportdirektor Martin Bader zur Nachfolgersuche.

Ismael ist damit auf seiner ersten Profistation als Trainer frühzeitig gescheitert. Mit nur vier Siegen aus 13 Spielen, dafür aber sieben Niederlagen, war die Bilanz ernüchternd. Die sofortige Rückkehr ins Oberhaus nach dem achten Abstieg erscheint für den FCN derzeit Utopie zu sein.

Ein Trainerwechsel koste den Verein zwar wieder „einen Haufen Geld“, sagte FCN-Finanzvorstand Ralf Woy (55) der Bild, „aber wichtig ist, dass der sportliche Absturz verhindert wird“. Ismael ist der vierte Coach, der in der 2. Liga in dieser Saison entlassen wurde. Zuvor hatten sich bereits 1860 München, Erzgebirge Aue und St. Pauli von ihren Trainern getrennt.

Das blamable 1:2 beim SV Sandhausen hatte in Nürnberg für eine weitere Eskalation der ohnehin schon angespannten Situation gesorgt. Die Bild brachte nun bereits den Schweizer Rene Weiler, der aktuell ohne Verein ist und zuvor den FC Aarau trainierte, ins Gespräch.

Seit 18.00 Uhr hatte der Aufsichtsrat am Montagabend um Grethlein getagt. Man musste sich aber auch mit einem von Aufsichtsrats-Mitglied Günther Koch eingereichten Antrag auf eine Abwahl des Vorstands befassen - zum vierten Mal innerhalb der letzten Monate. Man habe „im Hinblick auf die zurückliegenden rund eineinhalb Jahre eine unbefriedigende Entwicklung im Verein konstatiert“, sagte Grethlein am Montagabend. So sei ein weiteres Ergebnis der intensiven Aussprache auch der Beschluss, die vereinsinternen Strukturen kritisch zu überprüfen.

Doch Sportvorstand Bader („Ich bin kritikfähig“), dem die verfehlte Personalpolitik angelastet wird, darf weitermachen. Dem Gremium hatte er jedoch schon im Vorfeld der Sitzung signalisiert, „dass ich der Letzte bin, der sich der Verantwortung entzieht, wenn man eine personelle Veränderung vorhat“.

Doch schon bei der Mitgliederversammlung vor einigen Wochen hatte der 46-Jährige, der seit elf Jahren beim Club tätig ist, Rückendeckung erhalten. Klar sei aber auch, betonte Bader, „dass du in den nächsten Wochen und Monaten nicht ohne jegliche Kompetenz, ohne jegliche Verantwortung, ohne jegliche Substanz arbeiten kannst“.

sid

2. Liga: Wer steigt auf? Das sagen die Trainer

Alexander Zorniger
Alexander Zorniger (RB Leipzig): "Man muss gucken, wie Nürnberg sich findet. Ich denke aber, dass Kaiserslautern da ein bisschen Vorsprung hat. Ich bin auf St. Pauli gespannt, und ich trau Ingolstadt auch einiges zu. Ich denke schon, dass es so eine Gruppe von fünf bis sieben Mannschaften geben wird, die um den Aufstieg spielen." © picture alliance / dpa
Alois Schwartz
Alois Schwartz (SV Sandhausen): "Der 1. FC Nürnberg. Weitere Kandidaten sind Düsseldorf, Kaiserslautern und St. Pauli." © picture alliance / dpa
Dirk Schuster
Dirk Schuster (SV Darmstadt): "Favorit Nummer eins ist Eintracht Braunschweig. Weitere heiße Kandidaten sind der 1. FC Nürnberg und der 1. FC Kaiserslautern." © picture alliance / dpa
Falko Götz
Falko Götz (FC Erzgebirge Aue): "Meister wird Nürnberg. Dahinter rechne ich mit Braunschweig, Kaiserslautern, RB Leipzig und einer Überraschungsmannschaft." © dpa
Frank Kramer
Frank Kramer (SpVgg Greuther Fürth):"Meine Favoriten sind Nürnberg, Braunschweig und Düsseldorf." © dpa
Frank Schmidt
Frank Schmidt (1. FC Heidenheim): "1. FC Nürnberg. Weitere Kandidaten sind Kaiserslautern, Fürth, Braunschweig und 1860 München." © picture alliance / dpa
Markus Kauczinski
Markus Kauczinski (Karlsruher SC): "Fortuna Düsseldorf und FC St. Pauli. Aber auch die Absteiger haben ja vermeintlich immer einen Bonus. Mit Fürth rechne ich auch noch." © picture alliance / dpa
Norbert Düwel
Norbert Düwel (1. FC Union Berlin): "Die Erstliga-Absteiger gehören zu den Favoriten. Nürnberg ist ein Traditionsverein mit finanziellen Möglichkeiten, die kein anderer hat. Braunschweig hat in der 1. Liga Erfahrung gesammelt und kann wieder mit einem guten Kader angreifen. Greuther Fürth ist nur ganz knapp am Aufstieg gescheitert. Auch Düsseldorf, 1860 und Ingolstadt sollte man auf der Rechnung haben - das Feld der Kandidaten ist enorm groß und ambitioniert." © picture alliance / dpa
Oliver Reck
Oliver Reck (Fortuna Düsseldorf): "Es wird eine sehr interessante Zweitligasaison. Der 1. FC Nürnberg, Eintracht Braunschweig, der Karlsruher SC, Union Berlin, der 1. FC Kaiserslautern und die SpVgg Greuther Fürth werden wieder eine gute Rolle spielen." © picture alliance / dpa
Peter Neururer
Peter Neururer (VfL Bochum): "Da sind an erster Stelle natürlich die Erstligaabsteiger Eintracht Braunschweig und der 1. FC Nürnberg zu nennen. Und dann gibt es noch einen Handvoll Mannschaften wie 1. FC Kaiserslautern, 1860 München, FC St. Pauli, SpVgg Greuther Fürth oder Fortuna Düsseldorf, die oben mitspielen werden." © dpa
Ralph Hasenhüttl
Ralph Hasenhüttl (FC Ingolstadt): "Sicherlich sind die Bundesliga-Absteiger im Rennen um die vorderen Plätze mit von der Partie. Ich kann mir auch 1860 München, den VfR Aalen und Aufsteiger Leipzig in der kommenden Saison mit vorne vorstellen." © picture alliance / dpa
Ricardo Moniz
Ricardo Moniz (TSV 1860 München): "Es gibt für mich keine klaren Favoriten, das Rennen um die Aufstiegsplätze ist völlig offen." © dpa
Roland Vrabec
Roland Vrabec (FC St. Pauli): "Einen eindeutigen Favoriten sehe ich vor dieser Saison nicht. Es gibt sechs oder sieben Vereine, die den Anspruch haben, ganz oben zu sein, wie die Absteiger aus Nürnberg und Braunschweig, dazu Fürth, Kaiserslautern, 1860 München oder Düsseldorf." © dpa
Stefan Kuntz
Stefan Kuntz (1. FC Kaiserslautern / Vorstandsvorsitzender): "Ich sage 1. FC Nürnberg, SpVgg Greuther Fürth und Fortuna Düsseldorf." © dpa
Stefan Ruthenbeck
Stefan Ruthenbeck (VfR Aalen): "Topfavorit auf den Titel ist für mich der 1. FC Nürnberg. Dahinter sehe ich Braunschweig, Kaiserslautern und Fürth um den Aufstieg spielen." © picture alliance / dpa
Torsten Lieberknecht
Torsten Lieberknecht (Eintracht Braunschweig): "Ich glaube, dass es erst ab dem 10. Spieltag möglich sein wird, dies genauer einschätzen zu können." © dpa
Valerien Ismael
Valerien Ismael (1. FC Nürnberg): "Die Liga ist relativ ausgeglichen. Es gibt zehn Mannschaften, die um den Aufstieg mitspielen können. Man wird den Saisonverlauf abwarten müssen." © dpa
Benno Möhlmann
Benno Möhlmann (FSV Frankfurt): "Ich halte Fortuna Düsseldorf für sehr gut aufgestellt. Ansonsten gibt es neben den Erstligaabsteigern noch mindestens fünf Vereine, die Aufstiegsambitionen haben." © dpa

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