Nach Qualifikation

"Nicht besonders gut": England freut sich kaum auf die WM

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Der Engländer Harry Kane (l) beim Kopfball. Foto: Frank Augstein

Mit dem späten 1:0-Sieg gegen Slowenien qualifiziert sich England für die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland. Doch von Vorfreude auf das Turnier ist nach dem schwachen Auftritt nichts zu spüren. Für Trainer Gareth Southgate wird es nicht leichter.

London (dpa) - Englands Fußball-Nationaltrainer Gareth Southgate dämpfte schon mal vorsorglich die Erwartungen.

"Wir werden in den nächsten Monaten kein Spanien werden", stellte Southgate nach dem glücklichen 1:0 gegen Slowenien klar, mit dem sich die Three Lions für die WM 2018 in Russland qualifiziert hatten. Nach dem eher glücklichen Sieg durch ein Last-Minute-Tor von Kapitän Harry Kane ist die Erwartungshaltung in England ohnehin sehr niedrig.

Für die wenig ansehnliche Leistung im Wembley-Stadion erntete die Mannschaft in britischen Medien viel Kritik. "Gareth Southgate kann jetzt sicher für Russland planen", schrieb BBC Sport, "aber er kann die Defizite in Englands leblosem, uninspiriertem und mittelmäßigem Auftritt nicht verbergen". Die Tageszeitung "The Independent" formulierte es sarkastisch: "Gestern war der Abend der nationalen Einsicht: England ist wirklich nicht besonders gut im Fußball."

Dass ausgerechnet der umstrittene Nationalkeeper Joe Hart am Ende zum "Man Of The Match" gewählt wurde, war fast sinnbildlich. Der Keeper, den Pep Guardiola vor etwas über einem Jahr bei Manchester City aussortiert hatte und der nun bei West Ham United spielt, hatte gegen Ende der Partie dafür gesorgt, dass England nicht sogar in Rückstand geriet. Doch einen WM-reifen Auftritt zeigte auch Hart nicht.

Es sei "weder die Leistung noch der Abend" gewesen, den sich alle gewünscht hätten, räumte Southgate nach dem Spiel ein. Trotzdem nahm der Trainer seine Mannschaft, bei der Tottenham-Star Dele Alli gesperrt fehlte, in Schutz. "Sie geben alles, was sie haben. Sie haben keine Champions-League-Medaillen", betonte der 47-Jährige am BBC-Mikrophon. "Wir müssen ihnen den Glauben und die Unterstützung geben, damit sie etwas erreichen." Doch an beidem hatte es am Donnerstagabend in Wembley gefehlt.

Nur 61 000 Fans waren ins Stadion gekommen. Was für andere europäische Städte eine gute Zuschauerzahl sein mag, zeugt in der Fußballmetropole London mit fast 90 000 Plätzen in Wembley von Desinteresse. Das war später auch unter den Anwesenden bemerkbar. "Es ist nie ein gutes Zeichen, wenn (das Publikum in) Wembley selbst für den Spaß sorgen muss", stellte "The Guardian" fest. In der zweiten Halbzeit hatten die Fans zahlreiche Papierflieger aufs Feld geworfen.

Bei Kanes Siegtreffer in der 94. Minute waren viele Anhänger schon auf dem Heimweg. Jubel und Applaus beim Schlusspfiff hielten sich in Grenzen. Und Southgate steht nach der geglückten Qualifikation nun vor der Herausforderung, die Fußball-Begeisterung der Engländer bis zur WM zu wecken. Und das ist womöglich noch schwerer.

Nach dem bedeutungslos gewordenen Match am Sonntag in Litauen gäbe es die nächsten Gelegenheiten dazu im November bei Freundschaftsspielen gegen Deutschland und Brasilien. Doch daran, dass es ausgerechnet gegen diese beiden Fußball-Schwergewichte gelingt, herrschen nach dem jüngsten Auftritt große Zweifel.

BBC-Spielbericht

Independent-Bericht

Guardian-Bericht

FA-Website

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