Bayern-Star in DFB-Elf unverzichtbar

Mats Hummels: Ein Anführer auf dem Platz - und daneben

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Mats Hummels (r.) ist aus der Nationalelf nicht mehr wegzudenken.

Mats Hummels profiliert sich in der deutschen Nationalmannschaft als Anführer auf dem Platz - und als Sprachrohr daneben.

Stuttgart - Es waren nur wenige Minuten, aber sie haben den Blick auf Mats Hummels verändert. Wenn es noch eines Beweises bedurft hatte, dass der Weltmeister auch ein Anführer ist: Da war er, in der Prager Eden Aréna, am späten Freitagabend, komprimiert auf zwei Szenen. Auf dem Platz köpfte der Bayern-Profi in der 88. Minute das Siegtor im WM-Qualifikationsspiel gegen Tschechien - im Pressebereich profilierte er sich überdeutlich als Sprachrohr gegen die Nazi-Chaoten neben dem deutschen Fanblock.

Hummels ist ein Leader. Eine Respektsperson. Nicht umsonst schwärmte Bundestrainer Joachim Löw von einem "überragenden Auftritt" eines "Vorbildes für die jungen Spieler" - und da kannte er die Ansprache des Bayern-Profis noch gar nicht.

Als DFB-Präsident Reinhard Grindel dann am Samstag das "feine Gespür" der Mannschaft lobte, nach dem Spiel nicht in die Fankurve gegangen zu sein und das widerliche Fehlverhalten klar anzusprechen, war das sehr explizit auf Hummels gemünzt. Löw dürfte zudem gefallen haben, wie Hummels den sieben Jahre jüngeren Timo Werner beinahe väterlich gegen die üblichen Schmähungen in Schutz nahm.

Hummels scheut vor Kritik nicht zurück

Nebenbei platzierte Hummels noch einen Seitenhieb gegen den Boulevard, der wohl seiner Meinung nach seinen Urlaubssprung in Kroatien von einem Balkongeländer in ein kleines Schwimmbecken zu arg aufgebauscht hatte. Das, sagte er, "war doch höchstens aus zwei Metern". Damit war das Thema erledigt. Auch das sagt einiges über seinen Stellenwert aus: Man stelle sich nur vor, es wäre Max Kruse gewesen.

Mats Hummels ist ein Musterprofi, skandalfrei, intelligent und reflektiert, bisweilen ironisch. Ihm wird vertraut. Er erlaubt sich Haltung und Meinung, was bei Spitzenfußballern nicht mehr allzu verbreitet ist.

Kaum einen Spieler hörte man beispielsweise klarer über die Ultra-Diskussion reden. Er sei "eher skeptisch Ultras gegenüber", sagte Hummels der Bild-Zeitung, "ich habe in meiner Karriere nicht so gute Erfahrungen gemacht bisher."

Das spielte auf die Umstände seines Wechsels von Borussia Dortmund nach München 2016 an. "Ich bin ein großer Freund von Fans, die sich für Dinge einsetzen", betont er. "Aber wenn es, wie jetzt immer öfter, gewalttätig und beleidigend wird, dann ist es der komplett falsche Weg." In Prag hätte er das gleich wiederholen können.

Hummels im Klub der Unantastbaren

Andererseits ist er kommerzkritisch und bei diesem Thema fannah. Ein Prozent seines Gehalts für wohltätige Zwecke zu spenden, soll auch ein Zeichen sein in Zeiten, in denen der Anhänger in der Kurve so weit vom Profi entfernt ist wie nie zuvor. Die kursierenden Summen, sagt er, seien "schon unfassbar momentan".

Die 35 Millionen Euro, die Bayern München nach Dortmund überwies, um ihn nach sieben Jahren zurückzuholen, nehmen sich inzwischen fast bescheiden aus. So viel kostet heutzutage ein talentierter Nachwuchsspieler mit englischem Pass. Deshalb will Hummels "die steigenden Erträge im Fußball mit einem tieferen Sinn verbinden".

Wenn dann mal etwas keinen tieferen Sinn hat, siehe Kroatien, ist das auch okay. Denn Mats Hummels gehört in der Nationalmannschaft längst zum exklusiven Klub der Unantastbaren.

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sid/Video

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