Nach Spiel gegen England

"Libero" Hummels unverzichtbar: Vergleiche mit Beckenbauer

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Mats Hummels nach dem Spiel gegen England.

Mats Hummels scheut selbst den Vergleich mit Franz Beckenbauer nicht. Der Münchner mit der Nummer 5 ist der unumstrittene Chef der deutschen Weltmeister-Abwehr.

München - Mats Hummels hat jetzt drei Löcher in den Schuhen. Vor seinem ersten Auftritt als Kapitän der deutschen Nationalmannschaft stieß er sich auch noch den kleinen Zeh an und griff erneut zur Schere, um den schmerzhaften Druck zu lindern. "Das ist unglaublich", sagte Hummels schmunzelnd.

Seine Leistung litt bei der Nullnummer gegen England in London unter dem löchrigen Schuhwerk nicht - im Gegenteil. Hummels beeindruckte als Abwehrchef und scheute danach selbst den Vergleich mit Franz Beckenbauer nicht.

"Das ist eine große Ehre. Ich fühle mich sehr geschmeichelt. Ich würde nicht widersprechen. Das gefällt mir gut", sagte der 28-Jährige in der Bild am Sonntag, und er ergänzte: "Von der Spielweise her versuche ich das schon auch so zu machen."

Seine Außenristpässe ganz im Stile des Kaisers fanden im Wembleystadion zwar nicht immer ihr Ziel, doch mit seiner Souveränität, Übersicht und Ruhe war Weltmeister Hummels in seinem 61. Länderspiel der unumstrittene Chef der DFB-Auswahl. "Mats hat die Abwehr sehr, sehr gut organisiert. Er war in der Defensive der Stabilisator", lobte Joachim Löw.

Der Bundestrainer weiß, wie wichtig Hummels in Topform für die Mannschaft ist. In Abwesenheit von Manuel Neuer und Thomas Müller schickte er den Münchner erstmals als Kapitän aufs Feld. "Das war definitiv ein schöner Moment", sagte Hummels, der wie Beckenbauer die Nummer 5 trägt und im Scherz "Libero" gerufen wird.

Seine Stärke im Spielaufbau ist eine Waffe, sein Zweikampfverhalten und das Kopfballspiel sind weitere. Hummels darf sich deshalb zum exklusiven Klub der "Unantastbaren" zählen, wie Teammanager Oliver Bierhoff jene Spieler nennt, die, sofern sie nicht verletzt sind, immer ihren Platz sicher haben. Hummels ist daher zufrieden, "wie es seit langer Zeit läuft". Daran möchte er mit Blick auf die Ziele im Verein und die WM in Russland "in den nächsten Spielen gerne anschließen".

Es spricht nichts dagegen. Hummels ist ein Musterprofi, skandalfrei, intelligent und reflektiert, bisweilen ironisch. Ihm wird vertraut. Er erlaubt sich Haltung und Meinung, was bei Spitzenfußballern nicht mehr allzu verbreitet ist. Die 35 Millionen Euro, die Bayern München nach Dortmund überwies, um ihn nach sieben Jahren zurückzuholen, nehmen sich inzwischen fast bescheiden aus. Daran ändern auch die Löcher in den Schuhen nichts.

sid

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