Heynckes-Verpflichtung

Kommentar: Bayerns Saisonziel kann nur noch „Klasse halten“ lauten

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Autor Markus Ehrlich

Jupp Heynckes wird wieder Bayerntrainer. Die falsche Entscheidung, findet unser Autor Markus Ehrlich. Er rät dem Verein sogar, das Saisonziel zu korrigieren. Ein Kommentar.

Nach der Entlassung von Carlo Ancelotti, zum denkbar ungünstigen Zeitpunkt kurz nach Saisonstart, sprach alles über dessen Nachfolger. Einer, der schafft, was Trainer-Wunderkind Pep Guardiola und Spielerflüsterer Ancelotti verwehrt blieb, müsse es sein. Einer, der den Champions-League-Titel nach München holt. Der Kreis der Nachfolger las sich illuster: Jürgen Klopp, Julian Nagelsmann, Thomas Tuchel. Gekommen ist Jupp Heynckes. Seine Mission lautet: „Baustellen befrieden“ und den Verein im Sommer 2018 „besenrein“ (O-Ton Uli Hoeneß) an seinen Nachfolger übergeben. Anders gesagt: Heynckes bedeutet Stillstand. Und das ein Jahr lang.

Heynckes‘ Mission: Klassenerhalt

Jupp Heynckes ist ein herausragender Trainer, keine Frage. Er hat die Bayern 2013 zum Branchenprimus im internationalen Fußball gemacht, als er das Triple holte. Aber seine Verpflichtung löst die Probleme des Rekordmeisters nicht, sie schiebt sie lediglich auf. Heynckes‘ kurze Amtszeit wird von Mutmaßungen über seinen Nachfolger bestimmt sein. Ruhiges Arbeiten sieht anders aus. Und das, wo Heynckes doch gerade dann am besten funktioniert, wenn er mit väterlicher Geduld und Behutsamkeit arbeiten darf. Das Maximum der vierten Heynckes-Ära in München: Klasse halten. Das bedeutet nicht, dass die Roten akut abstiegsgefährdet sind, sondern dass sie die Saison nur noch ohne größere Unfälle zu Ende bringen können. Heynckes muss zudem den Umbruch einleiten – natürlich in enger Abstimmung mit seinem Nachfolger, an dessen Verpflichtung seine Bosse freilich parallel tüfteln. Das heißt, Heynckes‘ langfristiger Gestaltungsspielraum ist quasi nicht existent, das degradiert ihn zum Platzhalter. 

Bayern-Bosse haken Saison ab

Dazu kommt: Es wirkt, als wäre die Saison 2017/2018 für die Bayern-Bosse schon jetzt gelaufen. Auch wenn die Verantwortlichen gebetsmühlenartig beteuern: Die Liga habe Priorität, schielt der Mia-San-Mia-Münchner insgeheim doch auf die Königsklasse. Und da fehlt dem Kader die Qualität für den großen Coup. Das Starensemble von Paris St. Germain zeigte den Bayern bei der 0:3-Klatsche deutlich die Grenzen auf. An diesem Zustand wird auch Jupp Heynckes nichts ändern können. Seine Verpflichtung sendet ein falsches Zeichen. 2018 soll beim Rekordmeister eine neue Zeitrechnung beginnen, blöderweise weilen wir aber aktuell noch in 2017.

mae

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