Breitenreiter warnt

Hannover 96 auch gegen Schalke ohne Stimmung?

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Treffen mit Hannover 96 auf ihren Ex-Club Schalke 04: Horst Heldt (l) und André Breitenreiter. Foto: Peter Steffen

Bereits nach einem - und dazu gewonnenem Spiel - spricht Hannovers Coach Breitenreiter schon wieder vom Abstieg. Grund dafür ist der Stimmungsboykott der Fans des Aufsteigers. Gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber Schalke befürchtet Breitenreiter schweigende Fans.

Hannover (dpa) - Das Wiedersehen mit ihrem Ex-Club haben sich André Breitenreiter und Horst Heldt anders vorgestellt. Für Hannover 96 steht nach der Rückkehr in die Fußball-Bundesliga an diesem Sonntag (18.00 Uhr) sogleich das Duell mit dem FC Schalke 04 an.

Das erste Saisonspiel gewann der Aufsteiger in Mainz, das Stadion am Sonntag ist ausverkauft, doch von einer Euphorie ist groteskerweise nichts zu spüren. Ex-Schalke-Coach Breitenreiter spricht stattdessen schon wieder vom Abstieg - nach nur einem Spiel. Noch dazu nach einem Sieg. Breitenreiter und Heldt machen sich große Sorgen, dass der Dauerstreit zwischen Anhang und Clubführung zu Lasten des Teams geht.

"Wenn wir in 34 Spielen nicht die Unterstützung erfahren, die andere Teams haben, dann wird es am Ende nicht reichen. Das sage ich so klar, wie es ist. Weil es die Realität ist", sagte Breitenreiter vor dem Heim-Debüt und wandte sich noch einmal an die Fans: "Schalke ist der absolute Favorit und bringt große Unterstützung mit. Umso mehr brauchen auch wir eine Einheit im eigenen Stadion hinter uns."

Was wegen des Auswärtsspiels beim 1:0 in Mainz noch nicht ins Gewicht fiel, könnte nun Konsequenzen für das 96-Spiel haben: der Stimmungsboykott der Fans. "Schließlich spricht man nicht umsonst vom Heimvorteil, weil die Fans hinter einem stehen. Mit einem ruhigen Stadion wird dieser Vorteil verschwinden", sagte Torjäger Martin Harnik. Schon vor einer Woche schwiegen die mitgereisten Anhänger aus Protest gegen die Vereinspolitik von Clubchef Martin Kind.

Mindestens 119 Mitgliedsanträge von Kind-Kritikern hatte der Club ohne Begründung abgewiesen. Dazu sorgt die Entschlossenheit, mit der Kind seinen Plan, die Anteilsmehrheit an der Profigesellschaft trotz vehementen Widerstands der Club-Opposition zu übernehmen, durchsetzen will, für Entsetzen bei den Fans. Der Großteil von ihnen entschied daher, bis auf weiteres dem Team die Unterstützung zu verweigern.

Breitenreiter appellierte an den Rest des Anhangs, den Boykott der Kurve zu kompensieren. "Jeder entscheidet selbst, wenn er ins Stadion geht, ob er die Mannschaft unterstützt", sagte der 96-Coach.

Das Verständnis für den Boykott hält sich bei den sportlich Verantwortlichen ohnehin in Grenzen. "Der Boykott hat andere Ursachen und nichts mit der Mannschaft zu tun. Es ist wichtig, das zu trennen", sagte Breitenreiter, und Heldt erinnerte an die Saison 2014/2015. Schon damals schwelte der Streit zwischen Anhang und Kind. "Ich kann mich daran erinnern, dass der letzte Stimmungsboykott beinahe dazu geführt hätte, dass 96 abgestiegen wäre", warnte der frühere Schalker und aktuelle 96-Sportchef. "Wir sind durch die tolle Zweitliga-Saison und den verdienten Aufstieg in Vorleistung getreten. Wir würden uns schon mehr Unterstützung wünschen", sagte Heldt weiter.

Durch das Fan-Problem gerät auch das brisante Wiedersehen von Heldt und Breitenreiter mit dem Ex-Club klar in der Hintergrund. Obwohl Schalke 2015/16 unter dem jetzigen 96-Coach den erfolgreichsten Saisonstart seit 44 Jahren hinlegte und am Ende Fünfter wurde, musste Breitenreiter gehen. Christian Heidel, der Heldt nach der damaligen Saison als Manager beerbte und am Sonntag wieder auf das jetzige 96-Duo trifft, plante nicht mehr mit Breitenreiter. "Ich freue mich auf das Schalke-Spiel. Das ist etwas Besonderes", sagte dieser nun. "Schalke ist ein besonderer Verein mit einer tollen Fan-Kultur." Ein Stimmungsboykott nach einem Aufstieg wäre dort kaum wahrscheinlich.

Breitenreiter-Interview auf 96-Internetseite

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