"Spiel um Platz drei"

Gladbach und Leverkusen spielen um Champions League

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Für Christoph Kramer ist es eine besondere Partie: Der Weltmeister spielt gegen den eigenen Verein.

Mönchengladbach - Borussia Mönchengladbach will im „Endspiel“ gegen Bayer Leverkusen den dritten Platz weiter festigen.

Bei Weltmeisterschaften ist es das Spiel, auf das keiner mehr Lust hat. Doch in der Fußball-Bundesliga knistert vor dem „Spiel um Platz drei“ bei den beteiligten Teams Borussia Mönchengladbach und Bayer Leverkusen die Luft. Auf die Frage, ob es sogar ein Finale ist, hat ausgerechnet Weltmeister Christoph Kramer, der nach der Saison von der Borussia zu Bayer zurückkehrt, die passende Antwort: „Wenn wir gewinnen, war es eins.“

Im Falle eines Sieges hätte der fünfmalige Meister aus Gladbach fünf Punkte Vorsprung bei zwei noch ausstehenden Spielen. Für die Bundesliga wäre der dritte Platz der Borussia mit Blick auf die Fünfjahreswertung der UEFA eine gute Nachricht. „Fußballdeutschland wird - bis auf die Leverkusener Anhänger - vielleicht eher Gladbach die Daumen drücken“, fürchtete Bayer-Sportchef Rudi Völler deshalb in der Rheinischen Post.

Der Grund: Der Vierte muss vor der Gruppenphase der Champions League noch in die Quali. Bayer wäre aufgrund der guten Ergebnisse in den vergangenen Jahren gesetzt. Gladbach, das seit 38 Jahren nicht mehr im wichtigsten Europacup vertreten war, würde als ungesetztes Team ein starker Gegner wie der FC Valencia oder Manchester United drohen. Schon 2012 scheiterte die Borussia in der Quali an Dynamo Kiew.

"Sensationeller Zweikampf auf hohem Niveau"

„Aber die Qualifikation ist gefährlich“, sagte Völler, der die Extrarunde deshalb unbedingt vermeiden will: „Wir hatten in dieser Saison mit Kopenhagen ein gutes Los. Aber es war mit Athletic Bilbao ein Los dabei, das du nicht bekommen willst. Wenn Gladbach Vierter wird, will kein gesetztes Team gegen die Borussia spielen.“

Für die Fans winkt am Samstag (15.30 Uhr/Sky) trotz der großen Bedeutung auch ein fußballerischer Leckerbissen, schließlich treffen die beiden formstärksten Teams der Liga aufeinander. „Es ist ja Wahnsinn, was wir beiden zuletzt für Serien hingelegt haben“, sagte Völler der Bild. Bayer ist seit zehn Spielen ungeschlagen, die Borussia sogar seit elf. „Wir gewinnen jedes Wochenende, und wir kommen nicht von Leverkusen weg“, meinte Gladbachs Manager Max Eberl deshalb in der RP: „Ich finde, diese zwei Vereine liefern sich einen sensationellen Zweikampf auf hohem Niveau. Man hat im letzten Jahr auch schon mal gelesen “Im Schneckentempo nach Europa'. Ich glaube, wir zwei gehen im ICE-Tempo Richtung Champions League."

Kramer spielt gegen den eigenen Verein

Auf Platz zwei und damit die Vizemeisterschaft schiele die Borussia aber derzeit nicht, betonte Eberl, auch wenn Pokalfinalist VfL Wolfsburg nur noch zwei Punkte vorausliegt: `Klar will man das Größtmögliche erreichen, aber wir beschäftigen uns erstmal mit dem hartnäckigsten Konkurrenten, der uns im Nacken sitzt.“ Dass Bayer der zuletzt überragende Nationalspieler Karim Bellarabi wegen einer Gelbsperre fehlt, hält Eberl für „eine Fügung“. Dass Leverkusen der ultimative Angstgegner der Borussia ist - seit 26 Jahren hat Gladbach kein Heimspiel gewonnen - irritiert ihn dagegen nicht: „Ich kann mich jetzt nur auf einen Spruch von Hans Meyer verlassen: Je länger die Serie dauert, desto eher reißt sie irgendwann.“

Spannend ist auch die Situation für Kramer, der Bayer und damit praktisch sich selbst in die Quali schießen könnte. „Christoph soll ruhig spielen und alles geben“, äußerte Völler sportlich fair. Bayer-Kapitän Simon Rolfes stichelte vor seinem drittletzten Spiel als Profi dagegen: „Für Kramer wird es ein schwieriges Spiel - nicht für uns.“ Kramer selbst blickt dem Spiel „relativ gelassen entgegen“.

SID

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