Erste Zwischenbilanz

„Gerechter geworden“: DFB verteidigt Videobeweis - FCA-Kapitän hat andere These

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Der Kapitän des FC Augsburg, Daniel Baier (Mitte), beschwert sich im Match gegen Bayer Leverkusen bei Schiedsrichter Christian Dingert

Noch immer sorgt der Videobeweis in der Bundesliga für Turbulenzen. Der DFB verteidigt seine Linie in einer Zwischenbilanz. Ein prominenter Spieler sieht aber noch Luft nach oben.

Frankfurt am Main/Augsburg - Allen Anfechtungen zum Trotz hat der Deutsche Fußball-Bund eine positive Zwischenbilanz der Testphase des Videobeweises in der Bundesliga gezogen. „Wir haben es bis heute gut gemacht. Dass wir Neuland betreten, war uns klar“, erklärte DFB-Vizepräsident Ronny Zimmermann am Mittwoch bei einem Medienworkshop in Frankfurt/Main. „Wir stehen zu 100 Prozent zum Video-Assistenten-Projekt.“ Insgesamt sei das Verfahren im Laufe der Zeit „fairer und gerechter geworden“.

An den bisherigen zwölf Spieltagen seien von 36 falschen Entscheidungen 27 mit Hilfe des Video-Assistenten korrigiert worden. Insgesamt wurden bisher 693 Szenen - sieben pro Partie - vom Video-Assistenten überprüft. „Das grundsätzliche Ziel, mehr Gerechtigkeit in der Bundesliga zu schaffen, haben wir erreicht, wenn auch nicht zu 100 Prozent“, sagte Zimmermann, „doch das wäre auch ein hehres Ziel.“

Noch nicht alle Baustellen beseitigt?

Der DFB habe konstant nachjustiert und nachgesteuert, aber keine grundsätzlichen Korrekturen gemacht. „Wir haben Baustellen erkannt und beseitigen können, aber nicht alle“, bekannte er. „In diesem Projekt arbeiten Menschen und da werden immer wieder Fehler produziert. Fair Play sollte auch für den Video-Assistenten gelten.“

Auch Projektleiter Lutz Michael Fröhlich sieht den Videobeweis auf einem guten Weg, benannte aber auch Probleme, die noch behoben werden müssten. Dazu gehört die Länge der Spielunterbrechung, die nötig ist, damit der Video-Assistent ein sicheres Urteil über eine strittige Szene anhand von Fernsehbilder treffen kann. Fröhlich hatte zuletzt auch Änderungen am Konzept befürwortet.

Lutz Michael Fröhlich (re.) und Ronny Zimmermann (Mi.) beim DFB-Medien-Workshop "Video-Assistent"

„Wir haben Kritik dafür erhalten, dass es zu lange dauert“, sagte Jochen Drees, einer der Video-Assistenten des DFB. Die Zeit sei ein wichtiger Faktor. Deshalb müsse trainiert werden, schneller entscheiden zu können, um „wenig störend in den Fußball-Prozess“ einzugreifen.

„Es gab zwölf Fälle in Spielen, bei denen es mehr als eine Minute bis zu einer Entscheidung mit Hilfe des Videobeweises dauerte“, berichtete Fröhlich. „Einmal dauerte es mehr als vier Minuten.“ Nachholbedarf bestünde in diesem Zusammenhang bei der Verbesserung der Kommunikation zwischen Video-Assistenten und dem Schiedsrichter. „Das haben wir bisher noch nicht geschult“, sagte Fröhlich.

FCA-Kapitän Baier: Videobeweis verunsichert Schiedsrichter

Kapitän Daniel Baier vom FC Augsburg glaubt bei den Schiedsrichtern der Fußball-Bundesliga angesichts der anhaltenden Diskussion um den Videobeweis eine gewisse Verunsicherung zu spüren. "Man merkt schon, dass es sie ein bisschen belastet", sagte Baier am Dienstag. Außerdem seien die Unparteiischen hie und da vielleicht "ein bisschen zurückhaltender" an der Pfeife, "weil sie diese Rückversicherung aus Köln bekommen vom Videoassistenten". 

Grundsätzlich, betonte Baier, "haben wir super Schiedsrichter in Deutschland, die einen guten Job machen". Auch der Videobeweis sei eine "gute Hilfe". Allerdings müsse noch stärker eine "klare Linie" in dessen Anwendung erkennbar werden. Derzeit sei die Lage so, dass der Videobeweis "mal so angewendet, manchmal so ausgelegt" würde. Zur Lösung sollten sich Schiedsrichter, Verband und Klubs an einen Tisch setzen.

DFB will Szenen auf den Videowänden zeigen

Um auch für die Zuschauer in den Stadien nachvollziehbar zu machen, warum ein Videobeweis genutzt wird und wie Fernsehbilder Fehlentscheidungen der Referees korrigieren können, will der DFB so bald wie möglich diese Szenen auch auf den Videowürfeln und -wänden zeigen. „Wir wollen es so schnell wie möglich machen. Es muss aber erstmal technisch möglich sein, es in allen Arenen hinzubekommen“, erläuterte Zimmermann. „Es muss ja genau die richtige Szene dafür rausgesucht und eingespielt werden.“

Lesen Sie auch: Videobeweis - Rummenigge moniert Rolle der Öffentlichkeit

dpa/SID/fn

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