„Fair Play mit Füßen getreten“

Skandaltreffer in Jena erhitzt die Gemüter - Torschütze entschuldigt sich

Ein höchst unsportliches Tor in Jena bewegte die Fans in der 3. Liga. Sportlich war der SC Paderborn der große Gewinner.

Update vom 17. September, 15.12 Uhr:

Der Skandaltorschütze Sören Eismann hat sich inzwischen für seine Aktion entschuldigt.  „Ich kann nur sagen,dass ich die Situation, wie das Tor entstanden ist, sehr bedaure. Ich möchte mich bei all denen, für die ich mit meinem Verhalten gegen den Fairplaygedanken verstoßen habe, entschuldigen“, teilte der Jenaer am Sonntag per Twitter mit.

Bericht

Frankfurt/Main - Ein Skandaltor von Sören Eismann erhitzt die Gemüter in der 3. Liga: Beim Treffer des Mittelfeldspielers von Carl Zeiss Jena gegen den SV Meppen "wurde das Fair Play absolut mit Füßen getreten", echauffierte sich Gästetrainer Christian Neidhart im MDR, er würde sich für so eine Aktion "schämen". Die Szene, die die Aufregung auslöste, läuft seit Samstag im Internet rauf und runter.

Eismann hatte beim 2:2 (0:2) in Jena seinem überraschten Gegenspieler Nico Granatowski den Ball stibitzt, als dieser nach einem Zweikampf mit Verletzungsfolge offensichtlich auf den Pfiff des Schiedsrichters gewartet hatte. Der Jenaer (!) Julian Günther-Schmid war Sekunden zuvor verletzt liegen geblieben. Eismann rannte dennoch los und schlenzte den Ball zum zwischenzeitlichen 1:2 ins Tor (58.).

"Ich habe die Situation so erlebt, dass er (Granatowski, d. Red.) den Fuß auf den Ball nimmt und der Schiedsrichter anzeigt, das weitergespielt werden soll", sagte Eismann, der später auch den Ausgleich (81.) zum 2:2-Endstand für das Tabellen-Schlusslicht erzielte. Der Unparteiische hätte das Spiel unterbrechen müssen, "sonst geht es weiter".

Eismann im Recht - aber auch fair?

Damit hatte Eismann zwar recht. Laut der Regel 5 der "Fußballregeln 2017/18" entscheidet allein der Schiedsrichter, am Samstag war es Benjamin Bläser (Niederzier), ob eine Partie wegen einer Verletzung unterbrochen werden muss oder nicht. Auch auf Wunsch der Spieler und Vereine war vor der Saison explizit darauf hingewiesen worden, dass der Ball bei Verletzungen nicht mehr so häufig ins Aus gespielt werden solle.

Es bleibt die Frage des Fair Play. "Auf die Aktion bin ich nicht stolz. Es bleibt ein fader Beigeschmack", sagte Jenas Trainer Mark Zimmermann, der die wütenden Reaktionen der Meppener Spieler "verstehen" konnte. Schiedsrichter Bläser hatte nach Eismanns Treffer alle Mühe, die Gemüter wieder zu beruhigen. Dennoch verwies Zimmermann auf "die Millisekunden", in denen Eismann die Entscheidung getroffen habe. "In der Live-Situation kann ich ihm keinen Vorwurf machen", sagte der Coach.

Ob das Spiel ohne Eismanns Aktion einen anderen Verlauf genommen hätte, bleibt Spekulation. "Wenn das nicht passiert wäre, wäre es ein klarer Sieg für uns geworden", meinte Neidhart, dem der große Sprung in der Tabelle verwehrt blieb.

Sportlich der große Gewinner des achten Spieltages war der SC Paderborn, der nach Rückstand zu Hause gegen Preußen Münster mit 2:1 (0:1) gewann. Massih Wassey (67./81., Handelfmeter) war als Doppeltorschütze der Paderborner Matchwinner. Verfolger Fortuna Köln konnte beim 1:1 (1:1) gegen den Halleschen FC nicht dreifach punkten. Immerhin schoben sich die Rheinländer in der Tabelle am 1. FC Magdeburg (1:3 am Freitag beim FSV Zwickau) vorbei.

sid

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