Club reagiert

Entsetzen nach Lazio-Skandal: Ultras missbrauchen Anne-Frank-Bild

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Lazio Roms Präsident Claudio Lotito legte einen Kranz vor einer Synagoge nieder.

Ein Bild von Anne Frank, um den verhassten Stadtrivalen zu beleidigen - geschmackloser geht nicht, was sich Lazio-Fans in Rom geleistet haben sollen. Der Aufschrei ist groß.

Rom/Straßburg - Eine antisemitische Klebe-Aktion im römischen Olympiastadion sorgt über Italien und die Sportwelt hinaus für Empörung. „Ich komme nicht umhin, das nachdrücklich zu verurteilen, was geschehen ist in Rom, in Italien, wo eine Gruppe von Hooligans ein Bild von Anne Frank verwendet hat, um Anhänger eines anderen Sportteams zu verunglimpfen“, sagte der italienische EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani am Dienstag in Straßburg.

Anhänger von Lazio Rom sollen nach dem Spiel am Sonntag gegen Cagliari Calcio, das die Römer 3:0 (2:0) gewannen, Aufkleber an Wänden verteilt haben, die die von den Nazis ermordete Jüdin Anne Frank im AS-Roma-Trikot zeigen. Daneben klebten antisemitische und homophobe Sprüche sowie Aufkleber, auf denen „Ultras Lazio“ zu lesen war.

Lazios Profis wärmen sich in Anne Frank T-Shirts auf

Die Polizei leitete Ermittlungen ein. Als Reaktion auf den Vorfall entschied Lazio-Präsident Claudio Lotito am Dienstag, dass die Mannschaft beim Aufwärmen vor der Partie gegen Bologna Trikots mit einem Bild von Anne Frank tragen mussten. Dies solle „das entschiedene Vorgehen gegen jede Form von Rassismus und Antisemitismus“ zeigen, so der Club.

Der italienische Fußballverband FIGC ordnete in Abstimmung mit dem Sportministerium und der jüdischen Gemeinde für die Spiele in dieser Woche und am Wochenende eine Minute des Nachdenkens auf allen Plätzen an, um das Gedenken an die Opfer des Holocaust zu fördern. Vor den Spielen soll außerdem ein Ausschnitt aus dem Tagebuch von Anne Frank vorgelesen werden.

„Wir sind schockiert über diesen Ausdruck von Antisemitismus“, teilte das Anne-Frank-Haus in den Niederlanden auf Anfrage der Nachrichtenagentur Ansa mit. „Raus mit den Antisemiten aus den Stadien“, hatte die Präsidentin der jüdischen Gemeinde in Rom, Ruth Dureghello, nach Bekanntwerden des Vorfalls auf Twitter geschrieben.

„Es ist traurig, dass man immer noch auf die Dummheit spärlicher Minderheiten von Pseudo-Fans hinweisen muss“, hieß es in einer Mitteilung der Serie A am Dienstag. Die Liga habe stets jede Form von Rassismus oder Intoleranz in den Stadien verurteilt.

Rassismus äußert sich immer wieder in italienischen Stadien - und auch Lazio-Anhänger stehen immer wieder im Fokus. Wegen rassistischer Gesänge blieb am Sonntag die Nordkurve gesperrt - diese Maßnahme gilt auch am 5. November beim Spiel gegen Udinese Calcio.

Aber auch der AS Rom droht eine Strafe der UEFA, weil Fans beim Champions-League-Spiel gegen den FC Chelsea Affenlaute imitiert haben sollen, die sich offenbar auf den Ex-Römer und deutschen Nationalspieler Antonio Rüdiger bezogen. Dessen Mutter stammt aus Sierra Leone. Während der Zeit in Rom war er mehrmals rassistisch beleidigt worden und hatte entschlossenes Handeln der Verbände bei fremdenfeindlichen Beleidigungen in Stadien gefordert.

dpa

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