Hofmann, Hennings und Co.

Engländer plündern 2. Bundesliga

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Philipp Hofmann wechselte vom 1. FC Kaiserslautern zum FC Brentford.

London - Selbst die 2. Bundesliga fürchtet mittlerweile den Ausverkauf durch die Konkurrenz aus dem Fußball-Mutterland. Für rund zehn Millionen Euro holten Englands Zweitligisten in diesem Sommer bereits vier Spieler von ihren deutschen Pendants.

 Und das, obwohl der nächste milliardenschwere TV-Deal die Kassen der Klubs eigentlich erst ab nächstem Jahr richtig füllen wird.

„Wenn der Fernsehvertrag erst einmal in Kraft tritt, wird das noch häufiger vorkommen“, sagte Michael Born, Sportgeschäftsführer beim SC Paderborn, dem SID. Beim Bundesliga-Absteiger musste Born Kapitän und Abwehrchef Uwe Hünemeier nach dem zweiten Spieltag zum englischen Zweitligisten Brighton und Hove Albion ziehen lassen - machtlos gegenüber der finanziellen Übermacht von der Insel.

„Was Uwe Hünemeier in England verdient, das bekommt er nicht bei jedem Bundesligisten - und ich spreche nicht von Darmstadt“, äußerte Born süffisant. Auch der 1. FC Kaiserslautern verlor U21-Nationalstürmer Philipp Hofmann an den FC Brentford, der Karlsruher SC jüngst seinen Torjäger Rouwen Hennings.

„Dieses Thema muss man von zwei Seiten betrachten“, sagte FCK-Vorstands-Boss Stefan Kuntz dem SID, „zum einen ist es für die deutschen Zweitligisten eine Möglichkeit, Transfererlöse auch in einer ungewöhnlichen Höhe zu erzielen. Zum anderen schwächt es die Liga natürlich, wenn die besten Spieler weggekauft werden.“ Der Europameister von 1996 fand aber auch mahnende Worte für die umworbenen Profis: „Vor allem bei jungen Spielern kommt noch der Aspekt der sportlichen Entwicklung dazu. Wer sich als Nachwuchstalent weiterentwickeln möchte, sollte nicht zu früh nur auf die finanzielle Seite achten.“

Es ist nämlich nicht länger nur die Premier League, die deutsche Spieler auf die Insel lockt. Auch in der zweitklassigen Championship können die deutschen Profis inzwischen deutlich besser verdienen als in der Heimat. Hennigs Gehalt etwa soll sich beim FC Burnley von ehemals 336.000 Euro auf rund eine Million Euro im Jahr steigern. Auch Sebastian Polter, zuletzt von Mainz 05 an Union Berlin ausgeliehen, dürfte bei Erstliga-Absteiger Queens Park Rangers künftig ordentlich abkassieren.

Rund 80 Millionen Euro investierten die Klubs aus Englands Fußball-Unterhaus in diesem Sommer in neue Spieler, die deutschen Zweitligisten kommen dagegen gerade einmal auf 27 Millionen. Und das auch nur, weil Finanzkrösus RB Leipzig alleine über 15 Millionen ausgab. Das krasse Ungleichgewicht treibt so manchem Manager in Deutschland die Sorgenfalten auf die Stirn. „Wir haben auch Nick Proschwitz einst nach England transferiert, aber damals waren es nur einige wenige Klubs mit entsprechenden Besitzern“, sagt Born. Jetzt scheint die Gefahr deutlich größer.

Schließlich stehen deutsche Spieler bei den Engländern besonders hoch im Kurs. Nicht nur, weil die Briten offenbar eine Schwäche für wuchtige Stürmer Marke Hofmann, Polter, Hennings haben, sondern auch weil die neuen Ligaregularien Nicht-EU-Ausländern die Spielerlaubnis nur noch unter gewissen Auflagen erteilen. Eigentlich soll durch diese Maßnahme der englische Nachwuchs gefördert werden. Weitere Deutschland-Importe könnten für die Championship-Klubs jedoch auch ein Schlupfloch bieten.

sid

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