Fall mit hoher Brisanz

Spionage-Skandal bei der Eintracht: SGE muss sich vor Gericht verantworten

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Zwischen Eintracht Frankfurt und RB Leipzig gibt es einen Spionageskandal.

Der Spionage-Skandal bei Eintracht Frankfurt hat hohe Wellen geschlagen. Die Hessen müssen sich vor Gericht verantworten. Ein Fall mit hoher Brisanz. 

Update, 11. Juli, 13.30 Uhr: Eintracht Frankfurt wird in einer 530-seitigen Klageschrift Daten-Spionage vorgeworfen. Zugestellt wurde das Schreiben am 1. Juli 2019. Konkret geht es um 5664 illegale Zugriffe auf das Scouting-System "ISB" (International Soccer Bank). Eintracht Frankfurt wird vorgeworfen, sich mit der Kennung von RB Leipzig unerlaubten Zugang auf die Datenbank verschafft und dadurch auch Transfers getätigt zu haben.

Verantwortlich für die Spionage soll der ehemalige U17-Trainer Frank L. sein. Laut hessenschau.de soll er im März 2019 die Tat in einem Gespräch mit Präsident Peter Fischer und Dieter Burkert gestanden haben. Er sagte auch, dass er bereits alle Daten von Laptop und Smartphone gelöscht habe. 

Ein Mitarbeiter der Frankfurter Eintracht soll sich illegal Scouting-Daten von RB Leipzig besorgt haben. 

ISB-Geschäftsführer Jürgen Kost möchte aber nicht richtig glauben, dass es sich um einen Einzeltäter gehandelt hat. Gegenüber der Bild-Zeitung (Bezahlinhalt) sagte er: „Die Häufigkeit und intensive Nutzung über 22 Monate lässt den Rückschluss zu, dass es sich nicht nur um eine Einzelperson handelt – speziell, wenn man weiß, was Trainer zu leisten haben, welches Arbeitspensum sie bewältigen müssen. Es bleibt zumindest ein Restzweifel, ob es sich um nur eine Person handelt.“ Die Eintracht weist diese Vorwürfe zurück, sieht keine Verbindung zwischen dem Jugend- und Profibereich. L. sei nie direkt mit Transfers betraut gewesen

IBS forderte 200.000 Euro von Eintracht Frankfurt – Verein muss sich vor Gericht verantworten

Insgesamt kam es offenbar in 22 Monaten zu 170 Zugriffen, woraus sich eine Gesamtzahl von rund 6000 Klicks ergibt. Man müsse, so Burkert gegenüber der Hessenschau, bei der Benennung aufpassen: "Ein Log-in in die Datenbank bedeutet einen Zugriff. Die genannte Zahl sind aber die Klicks."

RB Leipzig hat allerdings keine Klage eingereicht, sondern die ISB selbst. Kurz nach Bekanntwerden des Skandals forderte die IBS rund 200.000 Euro von Eintracht Frankfurt – allerdings von der AG. Da diese aber nicht der Ansprechpartner ist, sonder der e.V., forderte das Unternehmen diese Summe vom Verein. Die Frist dafür lief am 20. Mai ab, der Streitwert liegt inzwischen bei 43.303,76 Euro.

Die Summe setzt sich aus den jährlichen Kosten für die Datenbank sowie die Kosten für die Aufarbeitung des Falls zusammen. Der Sportrechtler Christoph Schickhardt, der die Frankfurter berät, sagte zu dem Fall: "Das ist auch ein gewaltiger Imageschaden für Eintracht Frankfurt." Und auch wenn sich Frank L. geständig zeigt, wird sich der Verein vor Gericht verantworten müssen. 

Spionage-Skandal bei der Eintracht: Auch Profi-Daten illegal besorgt?

Update, 31. Mai, 11.07 Uhr: In der Geschäftsstelle der Frankfurter Eintracht sind über zwei Jahre hinweg Passwörter von RB Leipzig für die Fußball-Datenbank International Soccer Bank benutzt worden. Nachdem die Vorwürfe öffentlich wurden, erklärte Eintracht Frankfurt, einer der U17-Trainer habe die Daten geklaut, man habe ihn bereits entlassen. 

Dieser Darstellung hat der Geschäftsführer der International Soccer Bank, Jürgen Kost, nun im Bayrischen Rundfunk widersprochen. Es seien nicht nur Daten von Nachwuchsspielern abgerufen worden sondern auch Profile und Videos von internationalen Profi-Spielern. "In Anbetracht der Vielzahl der Zugriffe ist es schwer vorstellbar, dass hier eine einzelne Person tätig war", sagt Kost. 

International Soccer Bank reicht Klage am Landgericht Frankfurt ein – "Für uns ist das ein Riesenskandal"

Zudem sei der Daten Diebstahl durch den Chefscout der Frankfurter aufgeflogen. "Der Chefscout von Eintracht Frankfurt hat - fahrlässig oder nicht - einem Kollegen von RB Leipzig gegenüber behauptet, dass er Zugriff auf seine Berichte hätte und Zugriff auf die gesamte Datenbank von ISB", berichtete Kost im BR.

Warum sich RB Leipzig bisher bedeckt hält, kann sich Kost nicht erklären. Der Verein hat sich bisher nicht zu möglichen juristischen Konsequenzen geäußert. ISB hingegen hat eine 530 Seiten starke Klage gegen die am Landgericht Frankfurt eingereicht. ""Für uns ist das ein Riesenskandal. Wir reden hier nicht von Falschparken. Das ist 22 Monate Diebstahl von Daten", sagt Kost. 

Eintracht-Daten-Dieb jetzt Trainer in Kasachstan

Update, 29. Mai, 11.45 Uhr: Der Ex-Jugendtrainer der SGE, der Daten von RB Leipzig geklaut haben soll, hat einen neuen Job, wie Bild berichtet. Er wird Nachwuchstrainer in Kasachstan bei Kairat Almaty. Der dortige Nachwuchsleiter kennt ihn noch aus der gemeinsamen Zeit in Leipzig.

Update, 28. Mai, 11.25 Uhr: Die Anzeichen verdichten sich, dass ein ehemaliger U17-Trainer von EintrachtFrankfurt Scouting-Daten von RB Leipzig gestohlen haben könnte. "Wir bestätigen, dass es Unregelmäßigkeiten in einem nicht unerheblichen Umfang beim Zugriff auf unseren Account im Nachwuchsbereich bei der ISB Datenbank gab", erklärte RB-Kommunikationsdirektor Florian Scholz der "Bild"-Zeitung. "Diese Zugriffe erfolgten über den Zugang eines ehemaligen Mitarbeiters von RB Leipzig." 

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Der ehemalige U17-Trainer von Eintracht Frankfurt, der bereits entlassen wurde, war vor seiner Zeit bei der SGE bei RB angestellt. Dennoch gehen die Leipziger nicht davon aus, dass Eintracht Frankfurt die Daten zur Spielerverpflichtung genutzt hätten. Scholz glaube nicht an einen Zusammenhang zwischen den Zugriffen auf die Datenbank und Spielerverpflichtungen seitens der Frankfurter.

Mehr Details zum Spionage-Skandal: Klaute Eintracht-Trainer Scouting-Daten von RB Leipzig?

Update, 28. Mai, 8.25 Uhr: Der U17-Trainer von Eintracht-Frankfurt, der sich illegal Scouting-Daten von RB Leipzig besorgt haben soll, hat auch offiziell eine Verbindung zum Bundesliga-Konkurrenten. So hat er in der Saison von 2012/2013 bis 2015/2016 die Nachwuchsabteilung von RB Leipzig geleitet. Inwiefern das beim mutmaßlichen Datenklau eine Rolle spielt, ist noch unklar. 

Erstmeldung, 27. Mai: Frankfurt/Leipzig/München - Ein ehemaliger U17-Trainer von Eintracht Frankfurt soll sich illegal Scouting-Daten von RB Leipzig besorgt haben. Laut Informationen der Bild-Zeitung soll der Mitarbeiter von Eintracht Frankfurt über den Zugang der Sachsen Daten der "International Soccer Bank" (ISB) angezapft haben. So war er offenbar darüber informiert, an welchen Nachwuchs-Spielern RB Leipzig dran war. 

Das Passwort soll sich der Frankfurter Trainer über einen New Yorker RB-Mitarbeiter besorgt haben. Laut "International Soccer Bank" wurden zwischen August 2017 und Januar 2019 mindestens 5664 illegale Zugriffe auf das System getätigt – von einem Computer des Eintracht Frankfurt e.V.

Eintracht Frankfurt: Ehemaliger U17-Trainer konnte alle Daten zu Spielern einsehen

Die Vereine zahlen der „International Soccer Bank“ jedes Jahr ein Honorar in Höhe von 17.000 Euro. Dafür erhalten sie Informationen über Nachwuchsfußballer aus Europa und Südamerika. Gefällt dem Klub ein angebotener Spieler, kann er einen Scout zu Spielen schicken. 

ISB-Chef Jürgen Kost sagte zu Bild: "Er (der ehemalige Eintracht-Trainer, Anm. d. Red.) konnte alle Daten von Spielern einsehen, für die sich der andere Klub (RB Leipzig, Anm. d. Red.) interessiert hat. Wie Leistungs-Bewertungen, Vertragslaufzeiten, Ausstiegsklauseln, Videos. Das ging ins Tiefste.“

International Soccer Bank will Klage gegen Eintracht Frankfurt einreichen

Die Münchner Firma ISB hat angekündigt, noch in dieser Woche Klage gegen Eintracht Frankfurt beim Frankfurter Landgericht einzureichen. Es geht um einen Schadensersatz im sechsstelligen Bereich. 

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Der Fall war aufgrund eines anderen Eintracht-Mitarbeiters ans Licht gekommen, der sich verplapperte. ISB kontrollierte daraufhin alle Zugriffe über die Leipziger Login und stellte die Unregelmäßigkeiten fest. 

Eintracht Frankfurt entlässt Trainer – Frankfurt und RB Leipzig im Austausch 

Die Frankfurter Eintracht hat bereits reagiert und den Trainer entlassen. Eintracht-Präsident Peter Fischer sagte: "Der gesamte Vorgang wird von uns umfassend untersucht. Nach allen bisherigen Erkenntnissen hat sich ein Mitarbeiter des Vereins allein verantwortlich unberechtigten Zugriff auf die von RB Leipzig betriebene Nachwuchs-Scouting-Datenbank verschafft."

Fischer bestreitet, dass die Hessen Vorteile durch den Daten-Klau hätten. Mit Leipzig seien die Frankfurter in einem einvernehmlichen und transparenten Austausch. "Sobald der Datenbankbetreiber ISB eine schlüssige Aufstellung und Herleitung der Ansprüche dem Grunde und der Höhe nach vorlegt, werden wir uns damit auseinandersetzen. Das war bisher nicht der Fall", sagte Fischer. 

RB Leipzig bestätigt illegale Zugriffe auf International Soccer Bank über Account der Sachsen

Leipzig hat auch reagiert und den New Yorker RB-Mitarbeiter entlassen. RB-Kommunikationsdirektor Florian Scholz kann den Daten-Klau bestätigen: "Wir bestätigen, dass es Unregelmäßigkeiten in einem nicht unerheblichen Umfang beim Zugriff auf unseren Account im Nachwuchsbereich bei der ISB Datenbank gab." Der Verein gehe nach aktuellem Stand aber nicht davon aus, dass es einen Zusammenhang zwischen den Zugriffen auf die Datenbank und Spielerverpflichtungen seitens Eintracht Frankfurt gegeben habe. 

Von Melanie Bäder

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