Nach Horrorbilanz

DFL-Geschäftsführer Seifert: „Müssen Europa League ernster nehmen“

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Ermahnt die Bundesligavereine zu mehr Ehrgeiz: Christian Seifert.

Sechs Niederlagen in sechs Spielen - so schlecht war die Bundesliga im internationalen Geschäft bisher noch nie. Geschäftsführer Christian Seifert mahnt mehr Ernsthaftigkeit an.

Frankfurt/Main - DFL-Geschäftsführer Christian Seifert hat die Bundesligaclubs nach der Pleitenserie zum Auftakt ermahnt, die Europa League ernster zu nehmen. „Der Fokus auf die Bundesliga ist wichtig, die Europa League muss man aber genauso wichtig nehmen“, sagte der Vorsitzende der Geschäftsführung der Deutschen Fußball Liga am Samstag im ZDF-„Sportstudio“. Wenn 15 Clubs, die über 100 Millionen Euro Umsatz machen, nicht in der Lage seien, in der Europa League die Vorrunde zu überstehen, „weigere ich mich, eine Entschuldigung zu akzeptieren“, sagte Seifert.

Deshalb seien nun die sportlich Verantwortlichen gefordert, dies „den Mannschaften, den Fans, den Spielern, Sponsoren und Partnern klarzumachen, die Europa League ernster zu nehmen“. Seifert: „Denn sonst wird der deutsche Fußball und die Bundesliga ihr durchaus gutes Renommee aufs Spiel setzen.“ Für die Europa-League-Teilnehmer Hertha BSC, 1. FC Köln und 1899 Hoffenheim sei der nächste Spieltag ein guter Zeitpunkt, „ein Zeichen zu setzen“.

Dort tritt die Hertha auswärts beim ukrainischen Vertreter Sorja Luhansk und der 1. FC Köln beim weißrussischen Meister BATE Borisov an. Die bisher besonders enttäuschende TSG Hoffenheim empfängt zuhause den türkischen Vertreter Istanbul BB.

Anderes Bild in der Königsklasse

In der Champions League sei die Situation dagegen eine andere. Die Kritik an Bayern München nach dem 0:3 bei Paris St. Germain und an Borussia Dortmund nach dem 1:3 gegen Real Madrid hält Seifert für „etwas ungerechtfertigt“. Es sei überheblich, wenn man vom FC Bayern erwartet habe, Paris aus dem eigenen Stadion zu schießen. Und auch der BVB können gegen Real Madrid verlieren. „Die Champions League hat sich wahnsinnig entwickelt“, erklärte Seifert. „Die Viertelfinalisten in den letzten Jahren gehörten zu den umsatzstärksten Top 20 in Europa.“ Wer zur europäischen Spitze zählen wolle, müsse eine Umsatz von 200 Millionen Euro haben.

Muss die Bundesliga, um konkurrenzfähig zu sein, auch den aktuellen Transfer-Wahnsinn mitmachen? „Die Diskussion muss man irgendwann mal ehrlich führen. Man kann nicht sagen, es ist zu viel Geld im Spiel, die Spieler verdienen zu viel und die Ablösesummen sind Wahnsinn“, meinte Seifert. „Und dann fragt man sich, warum tun sich die deutschen Clubs schwer in der Champions League.“

Bei all den finanziellen Auswüchsen liege man in der Bundesliga „in der Mitte der Verrücktheiten, die wir in Europa sehen“, befand der 48-Jährige und fügte an: „Offenbar hat sich die Bundesliga in dieser verrückten Fußballwelt gut gehalten.“ Außerdem bleibe für deutsche Profis die erste deutsche Liga attraktiv. Ein Großteil der deutschen Spieler beim Confed-Cup, des Nationalmannschaftskaders und der U21-Akteure spielten noch in Deutschland - und nicht für kleines Geld. „Nicht jeder, der das Wappen küsst, spielt für die Vereinsliebe“, sagte Seifert.

dpa

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