Nach Kritik an Reinhard Grindel

Edelfan der Nationalmannschaft fliegt aus Fanclub - Brief an DFB-Boss wird ihm zum Verhängnis

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Max Stillger (Mitte) mit Freund Marcel Kremer und Partnerin Anke Baumann vor dem WM-Endspiel 2014 im Maracana-Stadion in Rio de Janeiro.© privat

Nach einem offenen Brief an DFB-Chef Reinhard Grindel zeigten die „Freunde der Nationalmannschaft“ Max Stillger die gelbe Karte – jetzt flog er komplett raus.

Als Unternehmer ist Max Stillger seriös, privat gebraucht der Vermögensberater auch schon mal derbe Worte. Nicht nur im kleinen Kreis am Tresen, sondern auch im großen weltweiten Netz. Der 56-Jährige äußert sich gerne und deutlich zu politischen und gesellschaftlichen Themen – und bevorzugt zum Fußball. Auf diesem (Spiel-)Feld hat er seit Sommer einen Lieblingsgegner: DFB-Chef Reinhard Grindel.

Nach ein paar verbalen Fouls muss Stillger vom Platz, wie fnp.de* berichtet. Die dem Deutschen Fußball Bund angeschlossenen „Freunde der National“ (FdN) werfen ihn nach 21-jähriger Mitgliedschaft raus. Und das hochkant. Max Stillger hat nach eigenen Angaben immer freiwillig mehr als den Jahresbeitrag von 1000 Euro gezahlt, seit 1997 rund 150 Länderspiele und alle großen Turniere weltweit besucht. Nun der Abpfiff.

Kritik an DFB: „Freunde der Nationalmannschaft“ werfen Edelfan raus

„Aufgrund der wiederholten öffentlichen und persönlichen Verunglimpfung und beleidigenden Herabwürdigung des DFB-Präsidenten sieht der Vorstand sich nunmehr gezwungen, Sie wegen des Verstoßes gegen die Satzung, in diesem Fall des Verstoßes gegen die Gesetze der sportlichen Fairness, auszuschließen“, heißt es in einem vom Vorsitzenden Eugen Gehlenborg unterzeichneten Schreiben.

Gehlenborg ist als einer der DFB-Vizepräsidenten Stellvertreter von Grindel. Als Beweise hat er vier Kopien von Facebook-Kommentaren Stillgers angehängt. In einem (vom 15. Oktober) hatte der aus Niederbrechen stammende Fußballexperte nach der 0:3-Niederlage gegen die Niederlande gepostet: „Der Fisch stinkt ganz oben am Kopf... Ich kann die Visage dieses grinsenden Hinterbänkler-Politikers nicht mehr sehen.“

Als Reaktion auf Enthüllungen über vermeintliche Skandale bei den Europa- und Weltverbänden UEFA und FIFA kritisierte Stillger am 2. Dezember mittags zunächst „die wirren Gedanken“, die Grindel per Twitter verbreite. Abends legte er wie folgt nach: „Die ganze Fußball-Welt wird momentan auf den Kopf gestellt. Und wir – Fußball-Deutschland – werden von einem drittklassigen Politiker vertreten, der durch äußerst unglückliche Umstände an die Spitze des weltgrößten Sportverbands DFB gespült wurde. Der weiß gerade mal erst seit drei Jahren, dass kein Frosch im Ball ist... Ich möchte einen Fußball-Fachmann in dieser Position sehen.“ Das reichte den DFB-Oberen. Sie wollen den Edelfan nicht mehr bei den „Freunden der Nationalmannschaft“ sehen und zeigen ihm nun die rote Karte.

Viele Likes bei Facebook für Kritik an DFB-Boss Reinhard Grindel

Die gelbe hatten sie bereits am 17. September gezückt. Der FdN-Vorstand forderte Stillger schriftlich auf, „unsachliche oder in der Form unangemessene Kritik zu unterlassen“. Anlass war ein offener Brief Stillgers drei Tage nach dem desaströsen WM-Aus Deutschlands an Grindel, der bundesweit Schlagzeilen machte. Der Fachmann sprach mit seiner schonungslosen Abrechnung offensichtlich vielen aus dem Herzen: Er bekam im Netz 20 614 positive Rückmeldungen!

Dem Beifall von Gleichgesinnten folgte die Schelte des DFB. In der Mitgliederversammlung der „Freunde der Nationalmannschaft“ am 6. September in München kam das Thema zur Sprache. Max Stillger hat es damals so empfunden, dass er in den Senkel gestellt und mit falschen Anschuldigungen niedergemacht worden ist. Gehlenborg schreibt, der Vereinsvorstand als auch Grindel hätten versucht, „einen kritischen, aber sachlichen Meinungsaustausch“ einzuleiten. „Wie wir heute erkennen müssen, offenbar vergeblich.“

"Schlechtester DFB-Präsident aller Zeiten": Edelfan Max Stillger schießt gegen Chef der Nationalmannschaft

Max Stillger nimmt die Entscheidung gelassen. „Ich bin der Erste, der nicht rausgeworfen wird, weil er seinen Beitrag nicht bezahlt hat, sondern weil er seine Meinung vertritt“, sagte er auf Anfrage dieser Zeitung. Er gehe zwar nicht so weit wie die Bayern-Bosse Hoeness und Rummenigge in ihrer misslungenen Pressekonferenz, die sich auf Artikel 1 des Grundgesetzes beriefen („Die Würde des Menschen ist unantastbar“), aber Artikel 5 nehme er für sich in Anspruch (Meinungsfreiheit). „Ich halte alle Vorwürfe gegen Grindel aufrecht“, so Stillger, „und schließe mich de Urteil des langjährigen DFB-Pressesprechers Harald Stenger an: Das ist der schlechteste DFB-Präsident aller Zeiten“, sagte uns Stillger heute Morgen– und setzte sich wieder an den PC.

In einem zweiten offenen Brief an den DFB-Präsidenten und ehemaligen CDU-Bundestagsabgeordneten mit der Überschrift „Bravo, Herr Grindel“ weist er zunächst auf die fehlende Antwort auf den ersten hin und schreibt am Ende: „Sie glauben doch nicht im Ernst, dass ich mir als seit über 30 Jahren erfolgreicher Unternehmer, der eine dreistellige Zahl von Arbeitsplätzen geschaffen, bisher einen achtstelligen Betrag an Steuern gezahlt (mit dem u.a. Ihre Abgeordnetenbezüge bezahlt wurden) und aus eigenen Privatmitteln mit erheblichem Aufwand eine gemeinnützige Stiftung initiiert hat, wie ein kleiner Bub den Mund verbieten lasse.“ Stillgers letzter Satz an Grindel: „Treten Sie zurück und nehmen Sie Ihren Trainer gleich mit!“

*fnp.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

DFB-Präsident Reinhard Grindel würde übrigens die Club-WM des Weltverbandes FIFA zukünftig lieber alle vier Jahre als jährlich austragen.

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