Historische Niederlage für DFB-Team

Polen holen Deutschland vom Fußball-Himmel

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Die Polen bejubeln den Führungstreffer gegen Deutschland.

Warschau - Polen hat Deutschland die erste Niederlage in einem EM-Qualifikationsspiel seit sieben Jahren zugefügt. Für den amtierenden Weltmeister scheint der Weg zur EM 2016 steinig zu werden.

Herber Dämpfer für den Weltmeister: Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat auf dem Weg zur EURO 2016 in Frankreich im Hexenkessel von Warschau mit dem 0:2 (0:0) gegen Gastgeber Polen eine historische Niederlage kassiert. Für die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw war es die erste Pleite im 19. Spiel gegen den östlichen Nachbarn und die erste Schlappe in einem Auswärtsspiel in der EM-Qualifikation seit dem 10. Oktober 1998 (0:1 in Türkei). Zuletzt hatte das DFB-Team ein EM-Quali-Spiel im November 2007 verloren (0:3 gegen Tschechien in München).

DFB-Pleite: Debütant erhält noch die beste Note

Sehen Sie hier die besten Bilder des EM-Qualifikatinsspiels zwischen Polen und Deutschland aus Warschau. © dpa
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Sehen Sie hier die besten Bilder des EM-Qualifikatinsspiels zwischen Polen und Deutschland aus Warschau. Sehen Sie nachfolgend die Noten der Deutschen. © dpa
 © dpa
Erik Durm: Fahrige Anfangsphase, wurde mehrmals überlaufen. Fing sich einigermaßen, hatte dann auch Aktionen nach vorne. Ließ sich vor dem 0:2 von Lewandowski abkochen. Die linke Seite bleibt eine Baustelle. - Note: 4,5 © dpa
Mats Hummels: Erstmals seit der WM im DFB-Dress und etwas wacklig. Löschte viele Brände mit seinem Stellungsspiel. Echter Abwehrchef. Bei seinen seit der WM gefürchteten Kopfbällen nach Ecken unpräzise. - Note: 3,5 © dpa
Jerome Boateng: Mit 26 ältester Feldspieler in Löws junger Startelf (24,12/Schnitt) - sah beim 0:1 noch wesentlich älter aus. Der Patzer machte eine sonst gute Leistung kaputt. - Note: 4 © dpa
Antonio Rüdiger: Durfte in seinem dritten Länderspiel rechts für Sebastian Rudy ran. Anfangs leichtsinnig, verursachte mit schludrigem Pass Boatengs Gelbe Karte. Half dann allerdings mit, Robert Lewandowski einzubremsen. Offensiv mit viel Luft nach oben. Noch keine Dauerlösung. - Note: 4,5 © dpa
ab. 83. Max Kruse: ohne Note. © dpa
Christoph Kramer: Traut sich die Leader-Rolle noch nicht zu, wie er vor dem Spiel sagte. Und unterstrich das leider auf dem Platz. Aber immerhin ein Vorbild an Einsatz, musste erschöpft und angeknockt für Draxler raus. - Note: 4 © dpa
 Julian Draxler: Kam nach überstandener Grippe in der 71. Minute für Kramer. Keine größeren Akzente. - ohne Note. © dpa
Toni Kroos: Musste in Abwesenheit von Schweinsteiger und Khedira Chef spielen - klappte nicht. Ob ihn die Erinnerung an sein schwächstes Länderspiel an gleicher Stelle plagte? Mitunter behäbig, zu wenige Abschlüsse. - Note: 4,5 © dpa
Mario Götze: Nach dem schwachen Auftritt als „falsche Neun“ gegen Schottland diesmal als Zehner und Vertreter von Mesut Özil gefordert. Konnte aber auch dort seine starke Münchner Form nicht zeigen. Das war zu wenig. - Note: 4,5 © dpa
Andre Schürrle: Ob es die eigentlich abgeklungenen muskulären Probleme waren? Lange viel zu anonym. Als er mit Bellarabi die Seiten tauschte etwas verbessert, aber längst nicht gut. - Note: 5 © dpa
Lukas Podolski: Löste in der 77. Schürrle ab. Nagelte den Ball an die Latte (81.). - ohne Note © dpa
Karim Bellarabi: Der einzige Neuling im Kader durfte sofort ran, ist jetzt beim DFB „festgespielt“. Und das ist gut so. Vor allem über links, wohin er nach einer guten halben Stunde wechselte, gefährlich. Nur ein Tor fehlte. - Note: 2,5 © AFP
Thomas Müller: Doppel-Torschütze gegen Schottland (2:1), als er von rechts kam. Stürmte diesmal ganz vorne, ackerte wie ein bayerischer Stier, wurde geschlagen und getreten. Viele Abschlüsse, kein Glück. - Note: 3,5 © dpa

Schon beim 1:2 im EM-Halbfinale 2012 gegen Italien erwies sich das Nationalstadion in der polnischen Hauptstadt als schlechtes Pflaster für das deutsche Team. Nach den Treffern von Arkadiusz Milik (51.), bei dem Torhüter Manuel Neuer keine gute Figur abgab, und dem eingewechselten Sebastian Mila (88.) steht die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) am Dienstag (20.45 Uhr/RTL) in Gelsenkirchen gegen Tabellenführer Irland in der Gruppe D unter Zugzwang. Bei einer weiteren Niederlage könnten die Iren und Polen (gegen Schottland) schon auf sechs Punkte davonziehen.

Presse: "Jogis WM-Helden rauschen in den WM-Kater"

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L'equipe (Frankreich): "Polen überrascht Deutschland" © 
Marca (Spanien): "Polen wächst über sich hinaus und schlägt den Weltmeister" © 

„Wir sind mit unseren Chancen zu fahrlässig umgegangen. Eigentlich kann man der Mannschaft keinen Vorwurf machen“, sagte Löw bei RTL. Ersatzkapitän Neuer sah es ähnlich: „Die Niederlage war vermeidbar. Wir haben kein schlechtes Spiel gemacht. Wenn wir in Führung gehen, gewinnen wir auch. Beim ersten Gegentor komme ich zu spät, mein Fehler.“

Trotz seinen gelungenen Debüts war Debütant Karim Bellarabi nach dem Spiel geknickt: „Wir hatten uns vorgenommen, drei Punkte zu holen. Leider hat es nicht gereicht. Jetzt müssen wir am Dienstag gegen Irland gewinnen.“

Bei der Premiere des neuen Assistenten Thomas Schneider an der Seite von Löw gab es in der Anfangsphase kaum Torchancen. Die Polen zogen sich bei deutschem Ballbesitz weit zurück und setzten auf Konter. Dem DFB-Team mangelte es bei den Angriffsbemühungen zunächst an Kreativität und Präzision. Daher sahen die 56.934 Zuschauer viel Mittelfeldgeplänkel, daran änderten auch die neun Weltmeister in der Startformation von Löw nichts.

Der Bundestrainer hatte mit seiner Aufstellung aber einmal mehr überrascht. Der 54-Jährige vertraute von Beginn an auf die Dienste des Leverkuseners Bellarabi, der als 914. Nationalspieler überhaupt und 73. Neuling in der Ära von Löw in die Geschichte einging. Der Deutsch-Marokkaner, der auf der rechten Seite im Mittelfeld sehr engagiert aufspielte und im ersten Durchgang die beiden besten Möglichkeiten besaß (38. und 43.), ist durch seinen Einsatz nur noch für die DFB-Elf spielberechtigt.

Drei Veränderungen im DFB-Team

Zudem bot Löw als einzige Spitze Thomas Müller auf, der zuletzt im Mittelfeld gespielt und beide Treffer gegen Schottland erzielt hatte. Für den Münchner rückte WM-Held Mario Götze ins zentrale Mittelfeld zurück, wo er den verletzten Mesut Özil als Spielgestalter ersetzen sollte. Dies gelang in der ersten halben Stunde aber nur in Ansätzen.

Im Vergleich zum Schottland-Spiel gab es insgesamt drei Änderungen in der Startelf. Bellarabi spielt anstelle von Rekonvaleszent Marco Reus. Der Stuttgarter Antonio Rüdiger ersetzte zudem in der Abwehrkette rechts Hoffenheims Sebastian Rudy und Abwehrchef Mats Hummels kehrte nach überstandener Verletzung anstelle des fehlenden Benedikt Höwedes ins Zentrum zurück.

Auf der Doppelsechs agierten einmal mehr Toni Kroos und Christoph Kramer, weil neben Kapitän Bastian Schweinsteiger auch Sami Khedira passen musste. Zudem fehlten auch noch der angeschlagene Mario Gomez, sodass gegen den EM-Co-Gastgeber von 2012 die jüngste deutsche Startelf (Durchschnittsalter 24 Jahre und 125 Tage) seit dem 3:1 gegen Belgien am 11. Oktober 2011 auf dem Rasen stand.

Dem deutschen Spiel fehlte zunächst der Schwung. Dennoch wäre auch eine schnelle Führung möglich gewesen. In der zehnten Minute ließ der portugiesische Schiedsrichter Pedro Proenca aber weiterspielen, als Kamil Glik Müller im eigenen Strafraum mit der flachen Hand einen Schlag auf den Hals verpasste. In der 17. Minute kam Hummels in aussichtsreicher Positionen zu einem Kopfball, der allerdings abgeblockt wurde.

Bellarabi vergibt erste Chance

Bellarabi verfehlte dann bei seiner ersten Chance nach Götze-Flanke das Tor der Polen nur knapp, ehe er zwei Minuten vor der Pause an Torhüter Wojciech Szczesny scheiterte. Beim besten Angriff der Gastgeber im ersten Durchgang klärte Rüdiger im eigenen Strafraum gegen Bayern-Torjäger Robert Lewandowski.

Nach dem Wechsel folgte der Schock für den dreimaligen Europameister. Nach einer Flanke des Dortmunders Lukasz Piszczek gewann Milik das Kopfballduell gegen Jerome Boateng und überwand Neuer, der durch seinen Strafraum irrte und ebenfalls eine schlechte Figur machte.

Deutschland suchte die schnelle Antwort. Andre Schürrle fand in Szczesny aber seinen Meister (55.). Auch Erik Durm (63.) und erneut Bellarabi (67.) schafften es nicht, den Schlussmann des FC Arsenal zu überwinden. Pech hatte der eingewechselte Lukas Podolski bei seinem Lattenschuss (81.). Der zweite Treffer von Mila auf Vorarbeit von Lewandowski brachte die endgültige Entscheidung.

sid

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