Kampf um WBA-Titel

Holt „Titan-Boxer“ Charr die Schwergewichts-Krone?

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Im September 2015 wird Manuel Charr in einem Döner-Imbiss niedergeschossen. Nun kämpft der Deutsch-Libanese um den WM-Titel.

Der „Bauchschuss-Boxer“ greift mit zwei neuen Hüften nach der WBA-Krone im Schwergewicht. Dabei könnte der Deutsch-Libanese in die Fußstapfen einer berühmten deutschen Box-Legende treten. 

Aller guten Dinge sind drei - hofft Boxer Manuel Charr. Am Samstag bekommt der 33-Jährige seine dritte WM-Chance und kämpft um den WBA-Weltmeistertitel (21.30 Uhr, live bei Sky). Gegner in Oberhausen ist der Russe Alexander Ustinov (40). Nach zwei WM-Niederlagen gegen Klitschko (2012) und Powetkin (2014) und der K.o.-Pleite gegen Briedis (2015) ist der Fight wohl Charrs letzte Chance auf den Thron. 

Wobei, was ist bei dem „Diamond Boy“ schon normal? Seine Sensationsstory: Charr tritt mit zwei künstlichen Titan-Hüften an. Aufgrund einer angeborenen Dysplasie (siehe Text rechts) ließ sich der Schwergewichtler im Mai in Heidelberg neu ausstatten. Wegen Arthrose im Endstadium und dem Bewegungsradius eines 80-Jährigen drohte das Karriereende, doch der 1,93-Meter-Koloss entschied sich zur riskanten Doppel-OP und begann am nächsten Tag mit ersten Trainingsübungen.

Manuel Charr sporgt für viele Schlagzeilen, die keine sportlichen sind

In geordneten Bahnen verlief sein Leben noch nie. Geboren im Libanon, flüchtet Manuel Charr als Dreijähriger mit seiner Mutter und seinen Geschwistern - sein Vater fiel dem Bürgerkrieg zum Opfer - nach Deutschland. Charr lebt in Berlin und Essen. 2006 sitzt er wegen versuchten Totschlags zehn Monate in Untersuchungshaft, wird aber freigesprochen. 2011 findet Charr sich erneut in U-Haft wieder, als er bei einer bundesweiten Razzia gegen Autoschieber festgenommen wird. Das Verfahren wird eingestellt. 

Danach bestimmen die sportlichen Schlagzeilen sein Leben, zumindest bis zum 2. September 2015. An diesem Abend wird Charr in einem Döner-Imbiss in Essen-Altendorf niedergeschossen. Nur dank einer sechsstündigen Notoperation überlebt er den Bauchschuss aus kurzer Distanz. Anschluss findet er danach bei seinem neuen Manager Christian Jäger, einem umtriebigen Geschäftsmann und Multi-Millionär aus Seefeld. Ihm hat er auch seine dritten WM-Kampf zu verdanken. Nach dem der eigentlich geplante Titelfight zwischen Fres Oquendo (44) und Shannon Briggs (45), der in der Vorbereitung des Dopings überführt wurde, platzte, reagiert Jäger schnell und zurrt den Deal mit der Ustinov-Seite fest. 

„Manuel hat in der Vergangenheit Fehler gemacht“, sagt der Österreicher. „Aber jeder Mensch hat eine zweite Chance verdient. Vor allem, wenn man bereit ist, so hart dafür zu arbeiten.“ Manuel Charr selbst sagt, er sei ruhiger geworden, auch dank des neuen Umfelds in den Tiroler Bergen. Er habe sich für das Leben entschieden. Nichts sei unmöglich, von seinen physischen Stolpersteinen lässt er sich nicht aufhalten. „Ich bin der Bauchschuss-Boxer, der mit zwei neuen Hüften Schwergewichts-Weltmeister wird. Und das als erster Deutscher nach Max Schmeling.“

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